Artikel teilen auf

Die BKW sieht Potential in der Sonnenenergie – und spannt deshalb mit Swissolar zusammen. Markus Eberhard der BKW erklärt, warum der Konzern externe Installateure unterstützt. Und was Hausbesitzer tun müssen, damit ihre Investition in eine Solaranlage rentiert.

 

Markus Eberhard, für die Energiewende braucht die Schweiz 20 Mal so viel Solarenergie wie heute – sagte SP-Nationalrat Roger Nordmann in einem Interview auf dem BKW Blog. Ist dieser Zubau aus Ihrer Sicht realistisch?

Markus Eberhard, Head of Digital Business: Ich glaube, es wäre möglich. Denn die Sonne scheint auf jedes Hausdach. Die wichtigere Frage lautet aber: Ist auch wirklich jedes Dach sinnvoll, um darauf eine Solaranlage zu installieren? Denn aus meiner Sicht sollten wir viel besser dafür sorgen, dass der produzierte Strom auch gleich vor Ort verbraucht werden kann, statt dass er ins öffentliche Netz fliesst.

Offenbar sieht auch die BKW in der Sonnenenergie grosses Potential. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit Swissolar eingegangen. Mit welchem Ziel?

Die BKW positioniert sich als Partner für alle Solarteure auf dem Markt. Diese benötigen rund 20 Prozent ihrer Zeit für die Offerte und den Vertrieb. Sie müssen bei den Kunden das Dach abmessen und darauf basierend Berechnungen zu der Dimensionierung, den Komponenten wie passender Wechselrichter oder zum Batteriespeicher durchführen. Wenn ein Installateur nun aber die Prozesse und Tools der BKW nutzt, kann er den Taschenrechner und die Excel-Tabelle zu Hause lassen und stattdessen mit dem Kunden einen standardisierten Fragebogen durchgehen, worauf die Offerte automatisch erstellt wird. So spart er Zeit und kann seine Marge erhöhen.

Wie sieht das Geschäftsmodell hinter dieser Partnerschaft aus?

Wir haben für Gebäudebesitzer mit unserer Home Energy Produktfamilie eine Komplettlösung, mit der sie ihren Eigenverbrauch optimieren können. Unter dem Strich sparen sie dadurch Geld. Zudem unterstützen wir sie beim optimalen Betrieb und der Pflege ihrer Anlage. Mit unserem Monitoring überwachen wir die Anlage rund um die Uhr und melden uns aktiv bei Ausfällen. Auch wenn ein einzelnes Solarmodul verschmutzt ist oder wenn der Baum im Garten gewachsen ist und Teile der Anlage plötzlich im Schatten steht, informieren wir den Kunden und helfen so, die Anlage so wirtschaftlich wie möglich zu betreiben.

Wie lässt sich der Eigenverbrauch des Solarstroms vom Dach am besten erhöhen?

Mit unserem Solar-Log lassen sich die Geräte im Haus automatisch ansteuern. Dann springt zum Beispiel der Boiler genau dann an, wenn die Sonne optimal aufs Dach scheint. Wer gemeinsam mit dem Nachbarn ein eigenes Mini-Solarkraftwerk betreibt, findet bei unserer Tochtergesellschaft engytec die besten Lösungen, um die Kosten und den Verbrauch unter den beteiligten Parteien abzurechnen.

Welches ist die grösste Herausforderung für Hausbesitzer, die ihren Eigenverbrauch optimieren wollen?
Wer in einem Haushalt wohnt mit Ölheizung, Gasboiler und Benzinauto wird den Strom vom Dach nicht selbst verbrauchen können. Im Optimalfall investiert er neben der Solaranlage auch gleich in eine elektrische Wärmepumpe, einen Wärmepumpenboiler, ein Elektrofahrzeug oder einen Batteriespeicher.

Das hört sich nach hohen Investitionskosten an. Zudem fährt die Politik die Fördergelder für Solaranlagen zurück. Lohnt es sich überhaupt noch, in eine eigene Solaranlage zu investieren?

Es lohnt sich mehr denn je! Vor allem die Kosten für Batteriespeicher und Solarmodule sind in den letzten Jahren stark gesunken. Wer in eine Solaranlage investieren will, sollte sich genau überlegen, wann der passende Zeitpunkt dafür ist. Muss die Ölheizung in naher Zukunft ersetzt werden? Soll das nächste Auto elektrisch fahren? Wenn dann auch noch die Sanierung des Dachs ansteht, könnte der Zeitpunkt für eine eigene Solaranlage optimal sein. Kombiniert man dies mit einer Wärmepumpe zu einer Gesamtlösung ist man plötzlich in der Lage, die Energie, die bisher in Form von Öl auf dem Ausland kam, vollständig und günstig auf dem eigenen Dach zu produzieren.

Markus Eberhard

Markus Eberhard leitet die Geschäftseinheit Digital Business in der BKW und verantwortet in dieser Rolle unter anderem die Smart Energy Produkte der BKW. Zu dieser Produktgruppe zählt die auf Solarenergie und Eigenverbrauchsoptimierung ausgelegte Lösung «Home Energy», aber auch Lösungen rund um Photovoltaik für Mehrfamilienhäuser oder Elektromobilität.

Tobias Habegger

Tobias Habegger

Senior Communication Manager