Nachdem das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bald 20 Jahre alt wird, läuft die initial gesetzte Förderung für die ersten Anlagen Ende 2020 aus. Und dann stellt sich die Frage, inwiefern auf Basis der dann zur Verfügung stehenden Vermarktungswege ein Weiterbetrieb wirtschaftlich umgesetzt werden kann. Dieser Artikel beleuchtet Szenarien und Folgen, auch für den Strompreis.

Also von vorne: am Anfang stand der Wille Deutschlands, die Erneuerbaren zu fördern, was das Land auch mit Bravur geschafft hat (siehe Chart unten): Die installierte Windleistung stieg von 0 auf 50GW in 26 Jahren!

Aber wenn die EEG-Förderung Ende 2020 bzw. Anfang 2021 ausläuft, dann erhalten Altanlagen von rund 3.8-4GW keine Förderung mehr (Schwankung in Chart unten schraffiert dargestellt), so die Studie «Perspektiven für den Weiterbetrieb von Windenergieanalagen nach 2020», welcher der deutsche Windenergieverband BWE durch die Deutsche WindGuard hat erarbeiten lassen (hier). In den Folgejahren bis 2025 folgen jährlich weitere 1.7-3.0GW. Laut dem Zubaukorridor der deutschen Regierung stehen dem gegenüber Ausschreibungsmengen (Zubau) von 2.8-2.9GW/Jahr. In 2021 ist die betroffene Altanlagenleistung mit etwa 2.5GW geringer als 2020 und liegt leicht unterhalb des Zubaukorridors. Da aber in 2020 und 2021 ein eher unterhalb des Korridors liegender Zubau zu erwarten ist, fällt in diesen Jahren voraussichtlich eine erheblich höhere Leistung aus der Vergütung bzw. ist von einem Rückbau bedroht als neu errichtet wird, so die Studie. Insgesamt fallen bis zum Jahr 2025 etwa 16GW installierte Leistung aus der Förderung, so die Daten bis einschliesslich Juni 2017.

Folgen für den Nettozubau aus Windenergie nach 2020

Während die Studie anmerkt, dass aus Betreibersicht auch nach 2020 Anreize bestehen, Windenergieanlagen über die Entwurfslebensdauer hinaus zu betreiben, so ist der aktuelle Wissensstand in Bezug auf den betreffenden Altanlagenbestand begrenzt. Es fehlten detaillierte Kenntnisse über den bereits erfolgten Abbau sowie über die betroffenen Windpark-Strukturen. Daher sei die Entscheidung über den potentiellen Weiterbetrieb einer Windenergieanlage laut WindGuard einzelfallabhängig – Betreiberstrukturen, der Standort und die Betriebskostenstrukturen spielten eine Rolle.

Der erwartete Nettozubau lässt sich zudem nicht sicher abschätzen, da gegebenenfalls politische Nachjustierungen zu erwarten sind, so die WindGuard-Studie. Unter der Annahme eines Zubaus in der Grössenordnung der Ausschreibungsmenge (2.8-2.9GW/Jahr) und eines vollständigen Rückbaus der betroffenen Altanlagen würde 2022 kein Nettozubau stattfinden bzw. dieser negativ sein und 2023 würde dieser nicht einmal 500MW betragen. In 2024 und 2025 wäre etwa 1MW Nettozubau zu erwarten. Dem gegenüber steht aber die Notwendigkeit, die Ausbaukorridore insgesamt anzuheben, um das Ziel von 65% Erneuerbare bis 2030 zu erreichen.

Der Einfluss auf die Strompreise

Obwohl also die Windenergieleistung klar ist, die ab 2021 den EEG-Vergütungsanspruch verliert, herrscht Unsicherheit über die Anzahl der Anlagen, die nach diesem Datum weiterbetrieben werden. Um den Einfluss auf die Strompreise abzuschätzen, haben wir im Strompreismodell von Handel Analyse zwei Szenarien gerechnet (siehe Chart unten). Die roten Balken im Chart („Gone“) zeigen das worst case-Szenario, in welchem 100% der Anlagen vom Netz gehen würden und die blauen Balken im Chart („Fade“) bilden ein Szenario ab, in dem rund 50% der zur Disposition stehenden Kapazitäten weiterbetrieben werden bzw. die andere Hälfte vom Netz geht. Im Zeitverlauf über die Jahre 2021-2024 könnte der Rückbau die Strompreise in Deutschland (Jahresbänder) je nach Szenario um bis zu 1.8€/MWh nach oben treiben. Auch im zweiten, moderateren Szenario zeigt sich ein Strompreiseinfluss von 0.3 bis knapp 1.0€/MWh bis ins Jahr 2024. Die Unterstützung für die Strompreise ist im Winter höher als im Sommer.

Politische Änderungen bis 2020 möglich

Aber bis 2020  kann der Wind noch mehrmals drehen. Neben Anpassungen auf der politischen Seite – denn die Politik nimmt im EEG 2017 keine Rücksicht auf einen möglichen Rückbau von Kapazitäten – könnten sich Änderungen in folgenden Bereichen ergeben:

  • Optimierung der Wartungskonzepte, die noch stärker massgeschneidert und entwickelt werden für Anlagen mit einem Alter über20 Jahren.
  • Entwicklung der Börsenstrompreise: Bei einem deutlich höheren Börsenstrompreis im Vergleich zu heute könnte der Weiterbetrieb nach 2020 für eine grössere Anzahl an Windenergieanlagen attraktiv bleiben.
  • Alternative Vermarktungswege für die Altanlagen, die keinen Vergütungsanspruch mehr haben werden, ist denkbar, dass zudem weitere Vermarktungsoptionen entwickelt werden.
Alexandra Berchtold

Alexandra Berchtold

Die Analystin Handel ist verantwortlich für die qualitative Analyse der wichtigsten Strom- und Brennstoffmärkte, die Berichte und den Fluss der Nachrichten in die relevanten Kanäle innerhalb der BKW.