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In der Schweiz stockt der Ausbau der Windenergie. Oft hört man, die Windverhältnisse seien hierzulande einfach zu schlecht, um Windenergieanlagen zu betreiben. Doch das ist falsch: Dank der technischen Entwicklung ermöglichen die vorhandenen Standorte eine hohe Ausbeute. Daher ist die Schweiz sehr wohl für die Windenergie geeignet.

 

Windräder produzieren nur dann Strom, wenn der Wind weht. Soviel ist klar. Aber wie oft weht nun der Wind und was bedeutet die Windstärke für die Stromproduktion? Der relevante Parameter einer Windenergieanlage ist hier unter anderem die Auslastung. Sie gibt an, welchen Anteil ihrer Maximalleistung die Anlage im Durchschnitt produziert.

 

Zunächst einmal bedeutet eine höhere Windgeschwindigkeit eine höhere Auslastung der Anlage. Allerdings wurden in den letzten Jahren vermehrt Windturbinen für windschwache Regionen entwickelt, die bei geringen Windstärken schon erhebliche Mengen Energie produzieren. Dadurch hat sich der Unterschied zwischen windstarken und -schwachen Regionen bei neuen Anlagen verringert, wie ein Blick nach Deutschland zeigt: Hier haben neue Turbinen in Nord- und Süddeutschland aktuell fast die gleiche Auslastung von zirka 24 Prozent, nachdem im Jahr 2010 norddeutsche Anlagen im Mittel noch eine etwa ein Viertel höhere Auslastung aufwiesen (19% zu 15%)1.

 

Zusätzlich kann man auch direkt sehen, dass die Auslastung von Windenergieanlagen allgemein zunimmt. Dieser Trend kommt auch durch die immer grösser werdenden Anlagen, die von den höheren Windgeschwindigkeiten in grösseren Höhen profitieren.

 

Auch in der Schweiz ist eine hohe Ausbeute an Windenergie möglich


In der Schweiz wurden in den letzten Jahren meist nur einzelne Anlagen an unterschiedlichen Standorten errichtet, was einen Vergleich schwierig macht. Eine Ausnahme ist der Windpark auf dem Mont Crosin im Berner Jura, den die JUVENT SA, an der die BKW eine Beteiligung von 65 Prozent hält, betreibt.

 

Von 2010 bis 2016 wurden im Windpark insgesamt 16 moderne Windenergieanlagen installiert, welche die älteren acht Anlagen ersetzten (Eine Übersicht, Videos und Bilder zur Entwicklung des Windparks gibt es auf der Juvent Website). Durch die neuen Windturbinen stieg die mittlere Auslastung des Windparks von 13 Prozent auf 22 Prozent, was etwa dem Niveau von neuen Anlagen in Süddeutschland in diesem Zeitraum entspricht (schön zu sehen auf der folgenden Grafik).

 

 

 

Für die Schweiz heisst das: Dank der technischen Entwicklung ermöglichen die vorhandenen Standorte eine hohe Ausbeute an Windenergie. Damit ist die Schweiz – zumindest an einigen Standorten – sehr wohl für die Windenergienutzung geeignet. Deshalb plant die BKW in der Schweiz weitere Windparks – unter anderem auf dem Montagne de Tramelan und in Jeanbrenin im Berner Jura.

 

Übrigens ist der Windpark JUVENT auf dem Mont-Crosin nach seiner Erweiterung der grösste Windpark der Schweiz, und das mit lediglich 16 Windturbinen. Die 37.2 MW Gesamtleistung entsprechen gar der Hälfte der in der Schweiz installierten Leistung von 75 MW und mehr als der Hälfte der produzierten Windenergie.

Quellenangabe:
[1] Eigene Berechnung auf Basis von Daten der Agentur Erneuerbare Energien und Bundesnetzagentur
Andreas Jöckel

Andreas Jöckel

Energiewirtschafter Andreas Jöckel arbeitet im BKW Kompetenzzentrum für längerfristige Markt- und Preisentwicklungen. Dabei analysiert er unter anderem, wie sich regulatorische und technische Entwicklungen auf die Strommärkte in Europa auswirken werden.