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Man nehme sechs Studierende, stecke sie für vier Tage in ein Glashaus und gebe ihnen eine Aufgabe: «Findet ein Rezept für die Energiewelt von morgen!» Die BKW hat genau das gemacht. Es zeigt sich: Die Zutaten liegen vor der eigenen Haustüre.

Die Energiewirtschaft ist im Umbruch. In der Schweiz hat sich die Stimmbevölkerung letztes Jahr entschieden, keine neuen Kernkraftwerke zu bauen. Mittelfristig wird das Land ganz aus der Kernenergie aussteigen. Gleichzeitig produzieren neue erneuerbare Energiequellen immer mehr Strom. Das Ergebnis: Die Stromproduktion der Zukunft ist vermehrt dezentral.

Der Boxenstopp der BKW

Welche Fragen bringt diese schöne, neue Energiewelt mit sich? Viele. Eine davon: «Wie konsumieren wir zukünftig effiziente Energiedienstleistungen im Hinblick auf die Dezentralisierung?». Diese Frage stellte sich auch die BKW. Und weil die BKW neue Lösungen und den Blick von aussen wollte, nahm sie als Partnerin an der diesjährigen InCube Challenge des ETH Enterpreneur Clubs teil. Bei dem viertägigen Projekt lösten Studentengruppen an fünf Standorten Herausforderungen. Das Besondere dabei: Die Studierenden wohnten und arbeiteten in dieser Zeit in einem Glaswürfel. In Boston, Crans Montana, Zürich und in Bern. Dort, auf der Grossen Schanze, befand sich am letzten Wochenende der Boxenstopp der BKW.

Die sechs «Cubees» auf der Grossen Schanze setzten sich also mit der dezentralen Stromproduktion von morgen auseinander. Sie wohnten zwar für vier Tage in einem Glashaus, doch sassen sie nicht im Elfenbeinturm. Ganz im Gegenteil: Sie suchten den Kontakt mit der Bevölkerung. Denn sie wollten verstehen, was sich die Menschen von der Energiezukunft erhoffen. So machten sie sich auf den Weg und interviewten Pendler und Passanten rund um den Bahnhof Bern.

Das Gute liegt so nah

Viele Ideen kamen zusammen. Was zunächst eine Sammlung farbiger Post-its an den Wänden des Glaskubus war, wurde nach und nach geordnet. So erkannten die Studierenden auch ein Bedürfnis, das immer wieder auftauchte: Die Stromproduktion soll nachhaltig sein. Oder anders gesagt: lokal und erneuerbar. Daraus entstand ihre Geschäftsidee. Am Montagabend stellten sie die sechs Studierenden beim grossen Finale an der ETH in Zürich vor, genauso wie ihre Kollegen aus den anderen vier Glaswürfeln. «Solarent» heisst das Projekt, das im Kubus auf der Grossen Schanze entstanden ist. Die Idee: Auf ungenutzten Industriedächern werden Solarpanels installiert und diese an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) vermietet. Das KMU bezieht seinen eigenen, nachhaltigen und lokal produzierten Strom. Auch wer kein eigenes Dach hat, kann so erneuerbaren Strom aus nächster Nähe beziehen.

Und wie weiter?

Mit «Solarent» sicherten sich die Cubees aus Bern den dritten Platz in der diesjährigen InCube Challenge. Ein schöner Erfolg. Nach vier langen Tagen und kurzen Nächten gönnen sich die sechs Studierenden erstmal eine wohl verdiente Pause. Wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest. «Wir sind motiviert, unsere Idee weiterzuentwickeln», sagt Armon Bättig, der an der ETH Management, Technology und Economics studiert. Wer weiss, vielleicht vermietet schon bald ein Start-up Solardächer von Industriegebäuden an umweltbewusste KMU. Sicher ist: Während den vier Tagen im Glaswürfel haben die Studierenden nicht nur eine spannende Geschäftsidee entwickelt, sondern auch eine zwischenmenschliche Erfahrung fürs Leben gemacht. Und die BKW hat als Partnerin der Challenge ganz neue Ideen erhalten. InCube – und outside the box.

Sabrina Schellenberg

Sabrina Schellenberg

Stellvertretende Leiterin Medienstelle bei der BKW

  • Ivana Jazo