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Wetterstation
Bildquelle: Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz

Bei Sonnenschein kostet die Kilowattstunde Strom bis zu 15 Rappen weniger als bei schlechtem Wetter: Im jüngsten Feldversuch im Swiss Energy Park wurde der Strompreis für 600 Haushalte stündlich der Wetterprognose angepasst. Die Kunden sollten dadurch animiert werden, ihren Stromverbrauch dem Produktionsverlauf der Sonnenenergie anzupassen. Das Resultat überrascht.

 

Normalerweise kocht niemand sein Abendessen bereits nachmittags um 14:00 Uhr. Und wer morgens nach dem Duschen seine Haare föhnen will, kann nicht wirklich darauf warten, bis die Sonne hoch am Himmel steht und genügend Solarstrom liefert.

In der Stromversorgung gibt es zurzeit eine grosse Lücke zwischen dem Stromverbrauch der Haushalte und der Solarstromproduktion: Die Sonne liefert zur Tagesmitte am meisten Energie, während der Stromverbrauch der Gesellschaft abends ihren Höchststand erreicht.

Strompreis sinkt, wenn die Sonne scheint

Vor etwas mehr als drei Jahren kam das Projektteam «Flexi 2», bestehend aus Experten der EPFL und der Universität Neuenburg, mit der Idee eines Feldversuches auf Cédric Zbinden, den Direktor der BKW Tochtergesellschaft La Goule, zu. Das Team, das finanziell vom Bundesamt für Energie (BFE) unterstützt wurde, wollte Folgendes herausfinden: Lassen sich die Konsumenten mit flexiblen Tarifen in ihrem Stromverbrauch steuern, damit sie immer öfters dann Energie konsumieren, wenn viel Solarenergie zur Verfügung steht?

Zu diesem Zweck wurde der Strompreis anhand der Wetterprognose für den jeweils nächsten Tag berechnet. Ausgewählte Kundinnen und Kunden erhielten jeweils am Vorabend eine SMS mit stündlich variierenden Strompreisen. Für die Zeiten, in denen die Meteo-Stationen viel Sonnenschein voraussagten, war die Kilowattstunde bis zu 15 Rappen günstiger als bei schlechtem Wetter.

Fasziniert von der Idee

Natürlich hat La Goule mitgemacht. Der innovative Charakter dieses Feldversuchs hat Cédric Zbinden auf Anhieb fasziniert. «Als ich jung war, hatten wir nur einmal im Jahr einen Kontaktpunkt zu den Stromzählern unserer Kunden – nämlich dann, wenn der Kontrolleur vor Ort im Keller den Verbrauch abgelesen hat.»

Und nun sollte La Goule zu den ersten gehören, die dank Smart Meter mit künstlich intelligenten Messmethoden im 15-Minuten-Takt digital mit den Kunden interagieren und ihnen Preise anbieten, die von Wetterstationen berechnet werden. Cédric Zbinden betont: «Wir sind schon ein bisschen stolz, dass wir dieses herausfordernde Projekt durchführen konnten.»

Es braucht noch mehr, damit die Kunden mitmachen

Etwas weniger Freude hat die Auswertung des Feldversuches gebracht. Die Anzahl Kunden, die ihren Verbrauch aufgrund der flexiblen Preise tatsächlich dem Lauf der Sonne angepasst haben, liegt im tiefen einstelligen Prozentbereich. «Um ehrlich zu sein: Wir hatten uns einen grösseren Effekt erhofft», sagt Cédric Zbinden.

Energieexperten schätzen das Potential zur zeitlich flexiblen Stromnutzung bei rund 17 Prozent des Gesamtverbrauches ein. Was muss also noch passieren, um den Stromverbrauch der Kundinnen und Kunden zu lenken? «Ich denke, durch die zunehmende Automatisierung im Smart Home der Zukunft werden die Menschen ihren Stromverbrauch vermehrt zeitlich anpassen», sagt Cédric Zbinden. Denn dann schaltet sich die elektrische Wärmepumpe, die Waschmaschine oder die Ladestation fürs Elektroauto automatisch ein, wenn draussen die Sonne scheint.

Reales Labor für die Energieversorgung der Zukunft

Im Swiss Energy Park zwischen St. Imier (BE) und Le Noirmont (JU) testet die BKW zusammen mit den Kantonen Bern und Jura unter realen Alltagsbedingungen, wie die Energieversorgung im Jahr 2050 aussehen könnte. Das Gebiet, das durch die BKW Tochter La Goule mit Energie und einem Stromnetz versorgt wird, verbraucht zu 100 Prozent erneuerbare Energie aus Wind-, Sonnen- und Wasserkraftwerken. «Wir sind im Swiss Energy Park schon heute fast so weit, wie die Gesellschaft laut der Energiestrategie des Bundes im Jahr 2050 sein soll», sagt Cédric Zbinden, Direktor von La Goule.

Tobias Habegger

Tobias Habegger

Senior Communication Manager