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Die BKW befindet sich mitten im Stilllegungsverfahren für das Kernkraftwerk Mühleberg. Während die Behörden unser Gesuch prüfen und voraussichtlich Mitte 2018 die Stilllegungsverfügung erlassen, bereiten wir den Rückbau im Detail vor. Was heisst das genau? Wie gehen wir bei der Planung vor? Darüber gibt uns Jürgen Stefanowski Auskunft. Er ist Maschinenbauingenieur und verantwortlich für die Planung der ersten Arbeiten nach der endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs.

Jürgen Stefanowski, Maschinenbauingenieur

Ein Kernkraftwerk zurückbauen, bedeutet nicht einfach abschalten und abreissen. Es braucht eine sehr genaue Planung, damit wir Systeme ausser Betrieb nehmen können, ohne andere Systeme zu beeinträchtigen, die noch in Betrieb bleiben müssen. Wir sprechen hier von Rückwirkungsschutz, der einen sehr hohen Stellenwert im gesamten Rückbau hat. Unser Stilllegungsgesuch beschreibt die Arbeiten übergeordnet und hat einen konzeptionellen Charakter. So können die Behörden feststellen, ob das geplante Vorgehen sicher und gesetzeskonform ist. Zudem können sie entscheiden, welche Arbeiten durch das ENSI freigegeben werden müssen. «Dafür müssen wir umfangreiche Unterlagen einreichen. Deshalb arbeiten wir bereits jetzt die Details für die Arbeiten nach dem Abschalten aus», erklärt Jürgen Stefanowski.

System um System abschalten

Zur Vorbereitung des Rückbaus werden noch etliche Systeme benötigt, damit das Kernkraftwerk auch sicher bleibt, solange noch Brennelemente auf dem Areal sind. Am Anfang können wir den Zustand mit einer Revision vergleichen: Wir bringen die Brennelemente in das Brennelementlagerbecken, wo sie einige Jahre abkühlen, bevor sie nach Würenlingen ins nationale Zwischenlager abtransportiert werden. Während dieser Zeit reduziert sich die Wärmeproduktion eines Brennelementes um das 4000-fache. «Wenn wir die Stromproduktion endgültig einstellen, kommt ein zusätzlicher Aspekt dazu», meint Jürgen Stefanowski, «bereits dann benötigen wir hauptsächlich nur noch die Systeme, welche für die Kühlung der Brennelemente im Lagerbecken notwendig sind sowie die dazugehörigen Sicherheits- und Notsysteme. Bei der Planung ist es nun wichtig zu definieren, welche Systeme wir ausser Betrieb nehmen können oder allenfalls modifizieren müssen.» Wer einmal ein Kernkraftwerk besichtigt hat, weiss, dass es von Leitungen und Systemen geradezu wimmelt. Deshalb müssen die Arbeiten sehr sorgfältig geplant sein.

Speisewasserpumpen und -leitungen im Maschinenhaus des KKM

Wenn die Spraydose zu einem wichtigen Werkzeug wird

Jürgen Stefanowski hat bereits Rückbauprojekte in Deutschland begleitet und war sowohl als Gutachter aber auch auf Betreiberseite bei Rückbauprojekten tätig. Dabei hat er festgestellt, dass die Planung zwar gut funktioniert, dass aber einiges in der Umsetzung optimiert werden kann. Sein Wissen bringt er nun seit knapp zwei Jahren in der BKW ein. Sein Team hat spezielle Abläufe und Prozesse für die Ausserbetriebnahme entwickelt. Wenn es Ende 2019 soweit ist, können die Mitarbeitenden sehr effizient identifizieren, was mit jedem einzelnen System geschehen muss: Wird ein System noch betrieben oder ist es bereits ausser Betrieb? Wird es im nächsten Schritt demontiert oder muss es für den Nachbetrieb modifiziert werden? Dafür gehen dann Betriebsteams vor Ort, prüfen die Systeme, definieren Massnahmen, bestätigen das Vorgehen und markieren Rohre und Komponenten mit einer Spraydose. «Mit dem Verfahren, wie wir Leitungen vor Ort markieren, kann auch ein Mitarbeiter, der jahrelang andere Systeme betreut hat, die Arbeit an einem beliebigen System sicher und effizient durchführen. Früher war der Ausserbetriebnahmeprozess sehr stark wissensbasiert und personenabhängig.» Jürgen Stefanowskis Team ist davon überzeugt, ein effizientes Verfahren implementiert zu haben, das höchste Sicherheit gewährleistet.

Kleine Planungsänderungen mit grosser Wirkung

Jürgen Stefanowski trifft sich täglich mit Kollegen der Maschinen- und Elektrotechnik sowie Bauingenieuren. Die Herausforderung bei der Planung ist die Abhängigkeit von einzelnen Systemen untereinander. Wenn ein Projektteam eine Modifikation oder Ausserbetriebnahme eines Systems definiert hat, müssen alle Teams, welche davon betroffene Systeme betreuen, informiert sein, damit sie allfällige Anpassungen vornehmen können. «Nicht selten haben kleine Änderungen grosse Folgen. Die Abstimmungsprozesse der interdisziplinären Projektteams nehmen einen wesentlichen Teil meiner Arbeit in Anspruch. Die Koordination fordert mich immer wieder aufs Neue heraus.»

Weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Abschalten

Ende 2017 reichen wir die Unterlagen für die Arbeiten nach dem Abschalten für die Prüfung und Freigabe beim ENSI ein. Dazu gehören die Vorbereitung des Rückbaus und die Stilllegungsphase 1 – die Zeit zwischen der Endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs und der Brennelementfreiheit. Während das ENSI die Konzepte prüft, geht es jedoch bereits mit der weiteren Detaillierung der bestehenden Planung sowie der Konzeption der nächsten Phasen weiter. Für Jürgen Stefanowski ist klar: «Bis zur endgültigen Einstellung des Leistungsbetriebs steht noch viel Arbeit an.»

Schauen Sie, was nach dem Abschalten passiert:

Yolanda Deubelbeiss

Yolanda Deubelbeiss

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW DE