Ruth und Heinz Brog mit ihren Tieren im Stall im Haslital, im Vordergrund Schwarznasenschafe.

Schafe als Innovationsmotor: Über sechs Tonnen Wolle werden im Wollreich in Meiringen BE jährlich verarbeitet. Die Spezialität sind die selbst entwickelten Schafwollkugeli für Bett­ und Stillkissen.

Angefangen hat alles mit drei Schwarznasenschafen, die Landwirt Heinz Brog zum Geburtstag geschenkt bekam. Knuddlig waren sie, mit ihrem gelockten und langhaarigen Fell und der schwarzen Nase. Und nicht nur das: Die seltene Rasse aus dem Wallis brachte beim Scheren reiche Ernte. Ruth Brog wollte diese Wolle unbedingt verarbeiten, besuchte einen Kurs zum Filzen und stellte die ersten Produkte her.

Leserreise Juni 2018: Erleben Sie das Wollreich und die Grimselwelt

Die BKW unterstützt als Standortpartnerin drei Projekte der Berghilfe Trophy – eines davon ist das Wollreich. Im Juni bieten wir deshalb eintägige Leserreisen ins Wollreich und in die Grimselwelt an.

Wollen Sie wissen, was alles aus Schafwolle produziert wird und sind Sie auch so fasziniert von der «Energie im Granit»? Erleben Sie auf unserer Leserreise, wie der faszinierende Rohstoff Wolle verarbeitet wird und tauchen Sie mit uns ein ins Innere der Grimselwelt der Kraftwerke Oberhasli AG und entdecken den Zauber der Kristallkluft.

Alle Termine und weitere Informationen zum Programm finden Sie unter bkw.ch/leserreise 

Das war 1996 und sollte einen Wendepunkt im Leben der Brogs darstellen. Fortan war Wolle das zentrale Thema in ihrem Betrieb: Heinz erlernte das Karden, das Verarbeiten der geschorenen Wolle in eine filzige Matte, die das Spinnen und Weiterverarbeiten erst möglich macht. Heute haben Brogs rund 180 Tiere (Merino-, Schwarznasen- und Weisse Alpenschafe) auf ihrem Hof Geissholz im Haslital. Dazu kommt ein Betriebsgebäude in Meiringen und das Wollhaus Oberzwirgi am Eingang des Reichenbachtals. Hier können Feriengäste Wolle in all ihren Formen erleben und erfahren.

Längst hat sich das Wollreich zum Kompetenzzentrum entwickelt: Rund sechs Tonnen Wolle – neben der eigenen Wolle liefern inzwischen weitere Bauern aus der ganzen Schweiz – werden vom Ehepaar Brog und einem halben Dutzend Angestellten jährlich verarbeitet. Der Prozess ist aufwendig: Zuerst wird die geschorene Wolle gewaschen. Dafür verwenden sie eine selber entwickelte und geheime Waschsubstanz. «Es ist wichtig, dass nur ein Teil des Lanolins in der Wolle entfernt wird», sagt Ruth Brog. Danach wird das Material sorgfältig in Körben getrocknet, und aus den Wollflocken müssen von Hand allfällige Verunreinigungen entfernt werden. «Die Wolle der Schafschur im Sommer ist sauberer, im Winter bleiben mehr Sachen wie Hölzchen im Fell hängen, da die Schafe im Körben getrocknet, und aus den Wollflocken müssen von Hand allfällige Verunreinigungen entfernt werden. «Die Wolle der Schafschur im Sommer ist sauberer, im Winter bleiben mehr Sachen wie Hölzchen im Fell hängen, da die Schafe im Stall waren», so Heinz Brog. Er ist der Spezialist für das Karden: Die Wollflocken werden in eine Maschine mit bürstenartigen Stahlrollen geschoben und kommen als feines, gekämmtes Vlies raus. Dieses Vlies ist der Grundstoff für Duvets, die auf Mass gefertigt werden, oder fürs Spinnen der Wolle, die zum Filzen verwendet wird.

Wolle von Schweizer Schafen ist qualitativ hochwertig – aber zum Stricken eignet sie sich nicht. Dafür zum Filzen, für Duvets, für wärmende Einlagen in Bekleidung oder als Kugeli für Kissen.

Zum Stricken eignet sich die grobe Wolle der Schweizer Schafe nicht, sagt Ruth Brog. Besonders stolz sind Brogs auf die Zusammenarbeit mit der Sportbekleidungsfrma Ortovox, für die sie als Swisswool-Sammelstelle Wolle für wärmende Einlagen liefern. «Wolle ist natürlich und reguliert Wärme und Feuchtigkeit besser als Daunen», weiss Ruth Brog. Das Wollreich produziert aber auch die selbst entwickelten Schafwollkugeli: Sie eignen sich für Bett- und Stillkissen und Lagerungsringe. Ruth Brog: «Die Wollkugeli verhindern das Schwitzen und sind 100 Prozent natürlich.» Der Innovationsgeist des Ehepaars blieb nicht unbemerkt: Neben dem Unesco-Welterbe-Kristall gewann der Betrieb auch den Innovationspreis für die Berglandwirtschaft im Rahmen der Berghilfe Trophy.

Nachdem die Wolle gewaschen und getrocknet worden ist, wird sie aufgelockert und gekardet.

Brogs färben die Wolle in allen Farben des Regenbogens. Insgesamt verarbeiten sie sechs Tonnen Schurwolle pro Jahr.