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Statt dass Baumaschinen Strassen aufreissen, erledigen Roboter Reparaturarbeiten in der Kanalisation. Ein Fall für Arpe, eine Firma der BKW Infra Services.

Die Zahlen sind eindrücklich: Rund 48 000 Kilometer öffentliche und schätzungsweise 150 000 Kilometer private Kanalisationsleitungen liegen unter dem Boden. Das Netz, das die Schweizer Abwässer den Kläranlagen zuführt, ist teilweise über 100 Jahre alt, ein Grossteil der Rohre ist seit 60 und 80 Jahren in Betrieb. Der gute Zustand dieser Infrastruktur ist wichtig, da durch Risse oder Brüche beispielsweise verschmutztes Wasser ins Grundwasser gelangen kann. Die Leitungen müssen auch richtig dimensioniert und hindernisfrei sein, damit die Abwässer von Haushalten und Gewerbe sicher abgeführt, aber auch Wassermassen wie bei Starkregen aufgenommen werden können. Die Kantone müssen deshalb einen generellen Entwässerungsplan vorlegen, der auch den Sanierungsbedarf enthalten muss. «Ein Grossteil des Netzes wird in den nächsten Jahrzehnten saniert werden müssen», weiss Fabrizio Naro. Er ist Bereichsleiter Kanalsanierung und Mitglied der Geschäftsleitung von Arpe, einer Firma der BKW Infra Services, die auf grabenlose Kanalsanierungen spezialisiert ist.

Von Innen geflickt

Das geht ins Geld, denn der Wert der Kanalisationsleitungen übersteigt den Wert anderer Infrastrukturen wie etwa Strassen oder Wasserleitungen, wie eine Berechnung der Stadt Basel 2014 ergab. «Grabenlose Sanierungen haben den Vorteil, dass alle Arbeiten über die Schächte erledigt werden können und die Kosten so tiefer sind», erklärt Fabrizio Naro. Dieses Vorgehen verhindert auch langwierige Grabungsarbeiten, Verkehrsumleitungen und Staus. Die Lastwagen von Arpe sind deshalb wahre Hightech-Zentren: Auf einem Bildschirm im Wagen kontrolliert ein Mitarbeiter die Bilder der Kanalfernsehkamera, die durch die gereinigten Rohre fährt. Werden Risse oder Brüche entdeckt, kommt das Schlauchliner-Verfahren zum Einsatz: Entweder wird der einzelne Riss mit einem Kanalroboter geflickt oder aber das Rohr über eine ganze Strecke frisch renoviert. Ein Schlauch aus Glasfasern und Harzen wird in den zu sanierenden Kanal eingezogen und mit Druckluft aufgestellt. Danach wird er mit UV-Licht gehärtet und bildet ein neues Rohr, das eine Lebensdauer von rund 50 Jahren hat. Die Gemeinde Delémont JU setzt bei rund jeder zweiten Sanierung auf das grabenlose System. «Wenn wir nicht auch andere Leitungen sanieren müssen und vor allem wenn die Kanalisation sehr tief im Boden liegt, entscheiden wir uns für die grabenlose Variante. Es ist kostengünstiger, schneller und verursacht weniger Umtriebe. Zudem können wir damit die Lebensdauer verdoppeln», erläutert Gabriel Meusy, bei der Gemeinde verantwortlich für Bauarbeiten. «Bedingung ist, dass die Leitungen nicht arg kaputt sind. Es lohnt sich deshalb, das Netz regelmässig und gut zu unterhalten», rät Meusy. Doch nicht nur die grossen Netze lassen sich grabenlos instandhalten, es funktioniert ebenso bei Hausanschlüssen. Auch in diesem Fall könnte die Lebensdauer der bestehenden Leitungen um Jahrzehnte verlängert werden.

SI Gruen

SI Gruen

Beitrag aus dem Magazin SI Grün der Schweizer Illustrierten im Rahmen einer Zusammenarbeit der BKW mit Ringier.