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Jetzt wird Sonnenenergie auch für Mehrfamilien­häuser interessant: Ab 2018 können Hausbesitzer den Strom vom Dach den Mietern direkt verrechnen. Damit soll die Sonnenenergie gefördert werden.

Private Solarstromanlagen sieht man heute vor allem auf Einfamilienhäusern. Der Grund: Die lokalen Elektrizitätswerke haben bei den Haushalten ein Liefermonopol, und der Besitzer einer Liegenschaft kann den Strom seiner Solaranlage nicht einfach direkt verrechnen. Das ändert mit der Energie­strategie 2050. Ab 2018 wird der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch vereinfacht. Das heisst, der Eigentümer einer Liegenschaft kann sich mit den Mietparteien zu einer Eigenverbrauchsgemeinschaft zusammenschliessen und die interne Verrechnung der Energiekosten selber übernehmen. Das macht das Installieren einer Solaranlage auch für Mehrparteienhäuser interessanter.

Der Architekt Michel Cordey ist ein Pionier und hat in seinem Vier-Familien-Neubau in Ins BE das neue System bereits eingerichtet. Das Gebäude ist ein Plus-Energie-Bau: Mit Minergiestandard, Wärmegewinnung durch die Luft-Wasser-Wärmepumpe und der Solaranlage auf dem Dach produziert das Haus mehr Energie, als es verbraucht.

© Sophie Stieger

Saubere Energie ist zum wichtigen Verkaufsargument geworden

Seine Frau Ines, die für die Vermietung zuständig ist, erklärt: «Für viele, vor allem jüngere Paare, ist saubere Energiegewinnung ein wichtiges Argument, sich für eine Wohnung zu entscheiden.» So sind denn bereits alle 4,5-Zimmer-Wohnungen im Seeländer Dorf vermietet.

Im Neubau ist noch genau ein Wasser- und Stromzähler des lokalen Elektrizitätswerks installiert. Die einzelnen Wohnungen haben Zähler, um separat abzurechnen. Möglich macht das die von smart-me entwickelte Tech­nologie, die es auch erlaubt, den in Echtzeit gemessenen Strom- und Wasserverbrauch auf einer App anzuschauen. Mit der Technologie des Start-ups engytec – einer gemeinsamen Firma von smart-me und BKW – wird die Verrechnung gemacht. «Die Mieterschaft hat so mehr Transparenz über den Stromverbrauch, und der Vermieter kann den Strom seiner Solaranlage im Haus verkaufen, statt ins Netz zu speisen», erklärt Meropi Nassikas, Product Manager von engytec. Weiterer Vorteil: «Es gibt immer mehr Elektroautos. Heute werden diese oft an Buchsen des Allgemeinstroms aufgeladen. Wir können das verursachergerecht installieren.» Engytec hilft bei der Planung bis zur Inbetriebnahme der neuen Technik mit.

Dieses Angebot hat auch Michel Cordey genutzt. Zurzeit verrechnet er den Stromverbrauch der Mieter noch nach den Hoch- und Niedertarifen des lokalen Werkes. «Wir haben das System erst eingerichtet und müssen Erfahrungen sammeln.» Klar ist aber: «Der Energieanteil bei den Nebenkosten ist viel tiefer als in älteren Liegenschaften.» Cordey glaubt an die Nutzung von Solarstrom und baut auch bereits ein weiteres Mehrfamilienhaus mit Eigentumswohnungen in Ins mit dem gleichen System.

Mehrfamilienhaus in Ins von Architekt Michel Cordey © Sophie Stieger