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In der Schweiz wurde im letzten Jahr 30 Prozent mehr Photovoltaikleistung installiert. Davon geht der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie aus. Roman Grabherr, Leiter des Energy Centers der ISP Electro Solutions AG, über das besondere Corona-Jahr, den Status quo und die Zukunft der Photovoltaik.

Roman Grabherr, Leiter Energy Center ISP Electro Solutions AG

Herr Grabherr, woher kommt das gesteigerte Interesse an der Solarenergie?

Da spielen wohl mehrere Faktoren ineinander: Zunächst einmal ist das Thema Nachhaltigkeit stärker in den Medien und damit auch im Bewusstsein der Menschen präsent. In den vergangenen Jahren hat ein Umdenken stattgefunden. Nicht nur Bewegungen wie die Klimajugend, sondern gerade auch ältere Menschen möchten etwas Gutes für das Klima und kommende Generationen tun – ökologisches Denken und Handeln ist endlich massentauglich. Darüber hinaus hatte vermutlich auch die Corona-Pandemie einen Einfluss. Denn viele Menschen hatten plötzlich mehr Zeit und teilweise auch weniger Ausgaben. Zuletzt verbessern sich die politischen Rahmenbedingungen kontinuierlich und es ist lukrativer, sein Geld in eine Photovoltaikanlage zu investieren, als es auf dem Konto liegen zu lassen.

Welche Schritte muss man durchlaufen, wenn man sich für eine Solaranlage entscheidet und wie lange dauert es, bis schliesslich der Strom fliesst?

Ein typisches Projekt dauert in der Regel drei Monate ab Vertragsunterzeichnung. Wir empfehlen, zunächst mit dem Solarrechner zu prüfen, ob sich das Dach oder die Fassade für eine Photovoltaikanlage eignet. Mittels Richtofferte erhält der Kunde erste Anhaltspunkte zur geplanten Anlage. Bei einem persönlichen Beratungsgespräch vor Ort erstellt unsere Fachperson anschliessend eine Detailofferte. Dabei beraten wir unsere Kunden umfassend, denn mit der modularen Lösung Home Energy sind Photovoltaikanlagen, Speicher, Wärmepumpen und E-Ladestationen unkompliziert und auch zeitlich verzögert miteinander kombinierbar. Egal, wofür sich der Kunde entscheidet, als Projektverantwortliche kümmern wir uns um Bewilligungen und Vergütungen und koordinieren alle am Bau beteiligten Handwerker und Unternehmen.

Was kostet eine neue Photovoltaikanlage?

Grob rechnen wir bei Einfamilienhäusern mit einer Photovoltaikanlage mit etwa 10 Kilowatt-Peak (kWp) Leistung, was umgerechnet etwa 23’000 Franken kostet. Bei Mehrfamilienhäusern kann man von etwa 30 kWp und 60’000 Franken ausgehen. Bei einer Fabrik steht mehr Fläche zur Verfügung, sodass eine Anlage von etwa 80 kWp für 120’000 Franken installiert werden kann. Das sind jedoch reine Richtwerte. Insgesamt werden Photovoltaikanlagen seit Jahren stetig günstiger und Panels sowie auch Speicher effizienter.

Das eigene Kraftwerk für zu Hause

Den eigenen Solarstrom produzieren und sinnvoll in den eigenen vier Wänden nutzen, ihn für später speichern oder mit den Nachbarn teilen – all das ist möglich, mit der modularen Energielösung Home Energy. Nutzen Sie die Kraft der Sonne und tragen Sie aktiv zur Energiewende bei. Mit Home Energy werden Sie zum unabhängigen Stromproduzenten.

Jetzt mehr erfahren: https://home-energy.ch/de/

Mit welchen Kostenbeteiligungen darf man rechnen?

Schweizweit zahlt Pronovo, die Vollzugsstelle für Förderprogramme des Bundes, eine einmalige Investitionsförderung (EIV) von gut 20 Prozent der Investitionssumme. Diese ziehen wir bei unseren Offerten bereits ab und treten für unsere Kunden in Vorleistung. Je nach Kanton oder Gemeinde bestehen weitere Förderprogramme wie Energieregionen oder überregionale Fonds.

Wie hat sich die erhöhte Nachfrage auf das ISP Electro Solutions Energy Center ausgewirkt?

Die offiziellen Solar-Statistiken 2020 erscheinen zwar erst diesen Juli, aber auch wir haben bemerkt, dass Photovoltaikanlagen im letzten Jahr stärker gefragt waren. Unseren Umsatz konnten wir um etwa 30 Prozent steigern und entsprechend auch zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Da es nach wie vor schwierig ist, Photovoltaik-Fachkräfte zu finden, sind wir sehr froh, dass es uns nach einem längeren Rekrutierungsprozess gelungen ist, unser Team zu verstärken. Zudem durften wir uns aufgrund der guten Auftragslage nach zusätzlichen Räumlichkeiten und Lagerräumen umsehen, haben zwei neue E-Dienstfahrzeuge beschafft und unsere Ladeinfrastruktur vor Ort ausgebaut.

Sind Sie zuversichtlich, dass die Schweiz die Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht?

Laut Swissolar lag der Anteil der Solarstromproduktion am Stromverbrauch der Schweiz 2019 bei 3.8 Prozent. Um die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen, muss der Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion rasch erfolgen. Dieser wird vor allem durch Photovoltaik geprägt, deren Zubau gegenüber heute um ein Vielfaches steigen müsste. Sicherlich keine einfache Aufgabe, aber sowohl die politischen Rahmenbedingungen als auch das allgemein wachsende ökologische Bewusstsein ebnen den Weg für diese Entwicklung. Die Elektrifizierung der Automobilbranche wird nun rasant vorangetrieben und auch auf politischer Ebene tat und tut sich in der Schweiz viel. Etwa mit den Anpassungen der Förderbestimmungen, insbesondere für jene Objekte ohne Eigenverbrauch, den Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich (MuKEn) und dem revidierten CO2-Gesetz, über das wir am 13. Juni 2021 abstimmen.

Kompetenzzentrum für Photovoltaikanlagen

Die Installation einer Photovoltaikanlage nimmt in etwa drei Monate in Anspruch. © ISP Electro Solutions AG

Das Energy Center der ISP Electro Solutions AG ist auf die Installation und den Betrieb von Photovoltaikanlagen für Private, Geschäftskunden und die öffentliche Hand spezialisiert. Mit seinen 23 Mitarbeitenden bietet es von der Beratung über die Installation bis zur Wartung fachmännische Unterstützung im Kanton Bern sowie in angrenzenden Kantonen an. Die ISP Electro Solutions AG ist Teil des BKW Building Solutions Netzwerkes.

Merith Heinemann

Merith Heinemann

Senior Communication Manager, BKW Building Solutions AG