Tim Hug ist der perfekte Botschafter für Pellets: Er studiert Erneuerbare Energien und Umwelttechnik und erlebt als Wintersportler den Klimawandel hautnah.

«Wenn ich an Weihnachten Heuschnupfen habe, weil es viel zu warm ist, dann frage ich mich schon, warum wir nicht mehr Sorge zur Umwelt tragen», sagt ein nachdenklicher Tim Hug. Er ist zu Besuch im Werk der AEK Pellet AG in Balsthal, der schweizweit grössten Pelletfabrik. Hier wird Sägemehl, also Holzabfall, zu hochwertiger Heizenergie in Form von Pellets umgewandelt. Als Student der Erneuerbaren Energien und Umwelttechnik ist Tim Hug interessiert, wie
der CO2-neutrale Heizstoff entsteht. «Als Wintersportler erlebe ich den Klimawandel hautnah. Die letzten paar Winter waren eine Katastrophe. In der Altjahreswoche 2016 trainierte ich in Einsiedeln auf der Sommerschanze!» Auch wenn nun dieses Jahr der Schnee in Massen kam und die Olympischen Spiele in Südkorea kalt und schneereich waren, täusche das nicht darüber hinweg, dass sich das Klima weltweit verändere.

Der Nordisch Kombinierer Tim Hug mit einem Holzpellet, das aus gepresstem Sägemehl besteht.

«Diese Erfahrungen waren auch einer der Gründe, weshalb ich mich für das Studium der Erneuerbaren Energien und Umwelttechnik in Rapperswil SG eingeschrieben habe, sagt der 30-jährige Gerlafinger. Es ist sein zweites Studium, Maschinenbau an der ETH hat er abgebrochen – vor allem auch, weil es sich nicht mit seiner Karriere als Spitzensportler vereinbaren liess. Tim Hug ist der Einzige im Swiss-Ski-Nationalmannschaftskader, der Nordische Kombination (Skisprung und Langlauf) betreibt. An den Olympischen Spielen enttäuschte er mit einem 24. und einem 27. Rang, nachdem er am vorangegangenen Weltcuprennen in Japan den 9. Platz erreicht hatte. Kaum zurück aus Südkorea, besuchte er gleich Vorlesungen und muss nun wieder Studium und Weltcup unter einen Hut bringen. Der Besuch im Werk der AEK Pellet AG, die zum BKW Konzern gehört, hilft ihm, Theorie und Praxis zu verbinden. Geschäftsleiter Bruno Jordi erklärt: «Bäume entziehen der Luft ständig CO2 und lagern es im Holz ein. Bei der Verbrennung wird dieses wieder freigesetzt. Aufnahme und Abgabe halten sich so die Waage. Holzheizungen sind im Gegensatz zu gas- oder ölbetriebenen Anlagen CO2-neutral.»

Bruno Jordi an der Anlage, in der das angelieferte Sägemehl getrocknet wird.

Holzpellets haben keine Kursschwankungen und sind im Preis stabil

Pelletheizungen eignen sich für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Dies im Gegenteil zu Holzschnitzeln, die nur für Grossgebäude eingesetzt werden. «Für ein Einfamilienhaus braucht es etwa fünf Tonnen Pellets pro Jahr. Die Kosten dafür liegen bei rund 1800 Franken», so Jordi. Holzpellets unterliegen nicht wie Öl und Gas grossen Preisschwankungen. Seit Jahren sind sie stabil. Ende Januar kosteten sie gar zwanzig Prozent weniger als Heizöl. Ein weiterer Vorteil: Pelletheizungen benötigen wenig Wartung. Trotzdem sind sie ein Nischenprodukt. In Neubauten werden gemäss Bundesamt für Energie fast nur noch Wärmepumpen eingebaut, der Anteil von Öl- und Gasheizungen tendiert in diesem Bereich gegen null. Anders sieht es beim Ersatz einer Öl- oder Gasheizung in einem bestehenden Gebäude aus, viele bleiben bei fossilen Energieträgern. Doch gerade hier empfehlt Jordi den Umstieg auf Pellets. Holz sei finanziell interessant. «Die CO2-Abgabe fällt bei den Kosten stark ins Gewicht. Holz hat einen klaren Vorteil.»

Anlieferung von Sägemehl in der AEK Pellet AG in Balsthal SO

Pellets taugen auch fürs Katzenklo – eine Kundin animierte zur Innovation

Im Pellet-Werk hat diese Überlegung dazu geführt, dass neun Millionen in eine neue Trocknungsanlage investiert wurden. «Das kostet uns bei der Investition zwar mehr, aber über die Lebensdauer gesehen, ist es wegen der CO2-Abgabe billiger», so der Geschäftsleiter. Pro Jahr werden in Balsthal 60 000 Tonnen Pellets gepresst. Die Maschine dafür ist eine Weiterentwicklung aus der Düngerindustrie, weiss Jordi.

«Die Technik wurde in Kalifornien entwickelt.»

Sechs Personen arbeiten während fünf Tagen in der Woche im Schichtbetrieb in der ehemaligen Von-Roll-Halle. Der meiste Teil der Pellets geht in Grossmengen an Liegenschaftsbesitzer, ein kleiner Teil wird in 15-Kilogramm-Säcken über die Grossverteiler für den Gebrauch in Schweden- oder anderen Wohnungsöfen verkauft. Auch Innovation bleibt nicht aus: «Eine Kundin hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass sie Pellets im Katzenklo einsetze und dass das gut funktioniere», erinnert sich Jordi schmunzelnd. Die Spezialisten in der Firma nahmen sich des Themas an und modifizierten die Pellets, sodass sie unter dem Namen Chatnelle eine umweltfreundliche Alternative fürs Katzenklo sind.

Prüfung des angelieferten Sägemehls

Nur ein kleiner Teil geht als Säcke in den Detailhandel, der Grossteil landet direkt bei den Hausbesitzern.

Tim Hug mit 15-Kilo-Säcken Pellets für den Gebrauch in Schwedenöfen. Auch sein Helm ist mit Pellets bemalt.