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Verteilnetzbetreiber müssen zukünftig fähig sein, deutlich mehr Informationen rascher nutzbar zu machen. Nur so sind sie langfristig imstande, in einem zunehmend dezentralen Energiesystem ihr Netz stabil zu betreiben. Mit NetIntel hat die BKW eine Antwort auf diese Herausforderung erarbeitet. Die BKW entwickelt und betreibt diese Plattform für das Verteilnetz basierend auf Big-Data-Technologien.

Wie gross darf eine Photovoltaik-Anlage sein, damit sie das Netz nicht übermässig belastet? Welche Leitungen werden künftig besonders stark beansprucht sein? Und mit welchen Investitionsstrategien reagiere ich darauf? Genau solche Fragen stellen sich Verteilnetzbetreiber immer häufiger, wenn die dezentrale Stromproduktion oder die E-Mobilität zunehmen. Denn plötzlich wird aus dem sehr gut voraussehbaren und zentral steuerbaren (deterministischen) ein komplexes und dezentrales (probabilistisches) System mit den Konsumenten als Akteuren (Prosumern). Diese Herausforderungen sind mit den bisherigen Strategien und Arbeitsweisen bald nicht mehr zu bewältigen.

Täglich beliebig viele Berechnungen zum Netz

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die BKW die Plattform «NetIntel» entwickelt. NetIntel erlaubt es der BKW, technische und kaufmännische Berechnungen täglich über das gesamte Netzgebiet durchlaufen zu lassen, um betriebsrelevante Entscheide jederzeit fundiert zu treffen. Beispielsweise berechnet die Plattform tagesaktuell für alle Gebäude im Versorgungsgebiet, wie gross neue Photovoltaik-Anlagen maximal sein dürfen, ohne im Netz Grenzwerte zu verletzen. So lassen sich Anschlussgesuche zuverlässiger und rascher beantworten. Die BKW weiss dank NetIntel auch, bei welchen Leitungen zukünftig Überlastungen oder gar sicherheitsrelevante Grenzwertverletzungen zu erwarten sind und kann langfristige Investitionen darauf ausrichten. Eine beeindruckende Zahl zu NetIntel: Pro Nacht kann die Plattform so viele Berechnungen durchführen, wie ein Ingenieur in 75 Jahren – und dies erst noch mit einer sehr geringen Fehlerquote.

In Blau: Maximale Grösse einer Photovoltaik-Anlage ohne Netzverstärkung. Ein Beispiel: An der Dorfstrasse 14 kann eine Photovoltaik-Anlage mit maximal 41kVA Einspeiseleistung installiert werden, ohne dass das Netz verstärkt werden muss.

Mehr als Cloud-Computing

Aus technischer Sicht bilden zwei Komponenten die Basis von NetIntel: einerseits hat die BKW Lösungen entwickelt, um Technologien aus dem Umfeld von Cloud, respektive Distributed Computing (z.B. Hadoop oder Spark) auf Fragestellungen von Verteilnetzbetreibern anwenden zu können. Andererseits werden systemunabhängige Datenmodelle wie CIM (Common Information Model) implementiert, um Daten aus den unterschiedlichsten Kernsystemen rasch und eindeutig integrieren zu können. NetIntel steht jedoch auch für moderne Zusammenarbeitsmodelle, welche Interdisziplinarität, Geschwindigkeit und Automation betonen (Agile, DevOps).

Grosser Nutzen für Netzbetreiber

Die BKW nutzt NetIntel seit mehreren Jahren erfolgreich und baut die Services laufend aus. Die Plattform gibt Asset Managern eine ganzheitliche Sicht auf den aktuellen Zustand des Netzes sowie auf eine Vielzahl an zukünftigen Szenarien der Entwicklung. Ingenieure unterstützt NetIntel bei Entscheidungen rund um die Planung und Projektierung von Netzinfrastrukturen – wenn gewünscht sogar vollautomatisiert. Zusätzlich trägt die Plattform dazu bei, die Interaktion mit Kunden und Elektroinstallateuren zum Beispiel im Bereich von Anschlussgesuchen transparenter und digitaler gestalten zu können.

Raffael Hilber

Raffael Hilber

Leiter digitale Lösungen Verteilnetz BKW