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Technische Berufe sind nach wie vor eine Männerdomäne. Doch es tut sich was, und das schon seit einigen Jahren. Dazu trägt auch der Nationale Zukunftstag bei, der Mädchen und Buben Einblick in die Arbeitswelt gibt und dabei hilft, die starren Geschlechterrollen aufzubrechen. Auch Corinne Montandon kennt diese Rollen. Als Leiterin Strategie und Entwicklung Netze verantwortet sie einen hoch technischen Bereich und führt mehr als zwanzig Mitarbeitende. In Sitzungen und wichtigen Verhandlungen ist sie oft die einzige Frau am Tisch. Im Interview blickt sie auf ihren eigenen Werdegang zurück und legt jungen Mädchen ans Herz an sich selbst zu glauben.

Corinne, als Leiterin Strategie und Entwicklung Netze bist du in einem äusserst technischen Umfeld tätig. Wie kam es dazu?

Ich habe Betriebswirtschaft studiert mit Spezialisierung auf Wirtschaftsinformatik. Also die technischste Ausprägung eines Wirtschaftsstudiums. Das habe ich ganz bewusst gemacht. Denn eigentlich wollte ich Informatik studieren. Doch dazu fehlte mir damals der Mut. Ich hatte zu viel Respekt davor, eine der wenigen Frauen unter vielen Männern im Vorlesungssaal zu sein und hab’s mir schlicht nicht zugetraut. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte es machen sollen. Denn das Technische hat mich schon immer sehr interessiert.

Und jetzt bist du trotzdem in einem technischen Umfeld gelandet.

Ja das stimmt, obwohl ich meinem Interesse nicht zu hundert Prozent konsequent gefolgt bin, finde ich mich hier in einem technischen Beruf wieder. Das zeigt, dass viele Wege zum Ziel führen.

«An meine berufliche Zukunft wollte ich damals gar nicht denken. Erst im Gymer zeigte sich dann mein Interesse für Mathematik und Technik.»

Was wolltest du denn ursprünglich werden, also als kleines Kind?

Als ich ganz klein war, wollte ich immer Lehrerin werden. Denn meine Mutter ist Lehrerin. Das war aber noch in der Unterstufe. Später hatte ich dann ganz andere Interessen, wie Sport und Freunde. An meine berufliche Zukunft wollte ich damals gar nicht denken. Erst im Gymer zeigte sich dann mein Interesse für Mathematik und Technik.

Woher kam dann die plötzliche Begeisterung für Technik?

Mathematik lag mir immer besonders gut. Daran hatte ich viel mehr Freude als an Sprachen oder anderen Fächern. Und mein Vater ist Ingenieur. Durch ihn kam ich schon früh in Berührung mit Technik. Er war es auch, der in mir die Faszination für Mathematik geweckt hat.

Am Internationalen Zukunftstag dürfen ja Kinder von der 5. bis zur 7. Klasse ihre Eltern oder Freunde bei der Arbeit besuchen. Zu deiner Schulzeit gab es den Tag noch nicht. Warst du aber trotzdem ab und zu bei deinem Vater im Büro zu Besuch?

Ja, das waren immer ganz spezielle Momente. Da haben mich die riesigen Ingenieurspläne unheimlich fasziniert. Damals war ja alles noch nicht digital, es wurde von Hand gezeichnet mit Geodreieck und Zirkel. Ich war ganz begeistert. Da wusste ich, dass ich auch mal so etwas machen will.

«Ich habe mir nie gesagt, dass ich so und so viele Leute führen möchte oder zu der und der Position aufsteigen möchte.»

Der Zukunftstag bezweckt ja genau das. Dass junge Leute einen Einblick in die Arbeitswelt bekommen und sich damit auseinandersetzen, was sie mal werden möchten.

Ja, ich bereue fast ein bisschen, dass es ihn zu meiner Zeit noch nicht gab. Ich finde es ganz wichtig, dass man sich in dem Alter ein Bild von seinen Möglichkeiten macht. Und auch sieht, wo der Vater oder die Mutter den Tag verbringen, wie ihr Büro aussieht, wer ihre Arbeitskollegen sind. Das alles kennt man ja sonst nur aus Erzählungen.

Du bist nun in einer sehr hohen Position, führst über 20 Mitarbeitende und bist direkt dem Leiter des Geschäftsbereichs Netze unterstellt. Was hat dich am meisten angespornt und vorwärts gebracht in deiner Karriere?

Ich habe mir nie gesagt, dass ich so und so viele Leute führen möchte oder zu der und der Position aufsteigen möchte. Ich habe es einfach auf mich zukommen lassen. Nach meinem Studium habe ich eine Dissertation geschrieben, damals noch als erste und einzige Frau bei diesem Professor. Mein erster Job wurde dann mehr oder weniger an mich herangetragen. Und auch heute überlege ich mir nicht gross, wie es weitergehen soll. Es geht einfach weiter, ohne dass ich es erzwinge.

«Insbesondere in einer Männerwelt müssen sich Frauen oft mehr beweisen. Immer wieder. Bis man ihnen endlich glaubt, dass sie das, was sie schon längst machen, auch wirklich können.»

Dennoch hast du die Chancen, die du hattest, genutzt.

Ja, die habe ich genutzt. Man muss seinen Weg schon selbst beschreiten. Und was ich gemerkt habe, ist, dass man vor allem an sich selbst und seine Fähigkeiten glauben muss.

Das An-sich-glauben ist doch so ein klassisches Frauenproblem, nicht? Also dass man mit viel weniger Selbstvertrauen auftritt, als die männlichen Kollegen.

Oh ja. Das ist in der Tat so. Und zu diesen Frauen zähle ich auch mich. Auch ich bin sehr selbstkritisch. Insbesondere in einer Männerwelt müssen sich Frauen oft mehr beweisen. Immer wieder. Bis man ihnen endlich glaubt, dass sie das, was sie schon längst machen, auch wirklich können.

Bist du schon an diesem Punkt? Bekommst du in deinem Geschäftsbereich das nötige Vertrauen?

Ja, absolut. Hier bin ich völlig akzeptiert und aufgenommen. Am Anfang brauchte es schon ein bisschen Zeit. Aber mittlerweile ist das kein Thema mehr. In der BKW allgemein sind Frauen sehr akzeptiert.

«Glaub an dich. Und sei offen.»

Glaubst du, dass das damit zusammenhängt, dass unsere CEO eine Frau ist?

Ja, das macht sehr viel aus. Suzanne Thoma ist eine Vorreiterin, ein Vorbild.

Was würdest du einem jungen Mädchen raten, das gerade selbst vor der Berufswahl steht?

Glaub an dich. Und sei offen. Man sollte sich nicht auf etwas versteifen. Ziele und Träume zu haben ist toll und auch sinnvoll, aber man darf sich nicht verunsichern lassen, wenn es doch anders kommt. Denn manchmal öffnen sich ganz unerwartete Wege, die einen trotzdem zum richtigen Ziel bringen. So wie bei mir.

Der Nationale Zukunftstag bei der BKW

Am Nationalen Zukunftstag erhalten Jugendliche die Gelegenheit in den Arbeitsalltag ihrer Eltern und Bekannten einzutauchen. Auch die BKW macht mit und öffnet die Türen für interessierte Fünft- bis Siebtklässler. Diese sollen vor allem Berufe kennen lernen, die häufig dem anderen Geschlecht zugeordnet werden. Ziel ist es, die Kinder möglichst früh für eine offene Berufswahl zu sensibilisieren.

Ivana Jazo

Ivana Jazo

Redaktorin Digital Communications bei der BKW und verantwortlich für den Unternehmensblog