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Fotos: Gabi Vogt

Licht beeinflusst die Stimmung und gibt einem Raum Atmosphäre. «Neue, energiesparende Leuchtmittel erweitern die Möglichkeiten», sagt Bruno Crivelli, der Experte von Lightpeak.

Das «Ayverdi’s» in Zürich ist unter einigen Titeln einmalig: Nicht nur isst man hier Kebab in gepflegter Atmosphäre, es hat auch einen Luxus-Kebab mit Wagyu-Fleisch im Angebot und serviert eigens entwickelte Bio-Drinks. Für Lichtplaner Bruno Crivelli war die Arbeit im «Ayverdi’s» in Wiedikon eine Herzensangelegenheit: «Die Besitzer legen Wert auf die Details, und zwar in allen Bereichen. Das schloss auch das Lichtdesign ein, was sonst oft vernachlässigt wird», sagt der Leiter von Lightpeak, einem Unternehmen der BKW.

Bruno Crivelli im «Ayverdi’s». Das Deckenlicht im Gang kommt von rechts und nicht von der Mitte.

Bruno Crivelli, wir sehen hier die verschiedensten Leuchten. Nach welchen Kriterien werden sie ausgewählt?

Licht sollte immer unterstützend wirken und nicht mit Dominanz protzen. Das «Ayverdi’s» ist im Erdgeschoss eines Rundbaus. Es ging darum, mit dem Licht die Architektur zu unterstützen und sicherzustellen, dass der Blick von aussen ins Lokal führt und es nicht in einem schwarzen Loch verschwindet.

Ein Lavabo wird zum Objekt. Licht ist ein Stilelement und schafft Stimmung.

Wie wählen Sie die Leuchtmittel aus?

Nach dem heutigen technischen Standard LED. Einfach gesagt erzeugen sie mit weniger Energie besseres Licht. In einem zweiten Schritt geht es darum, zu entscheiden, ob warmes oder eher kälteres Licht besser passt. Dies wird in Kelvin gemessen, wobei 6500 Kelvin dem Tageslicht entsprechen, 2000 Kelvin dem Kerzenlicht. Wer angenehmes Licht für einen Wohnraum sucht, liegt mit 2700 Kelvin richtig.

«Morgens eher kaltweisses Licht, das macht wach, gegen Abend dann warmes Licht, das lässt uns besser schlafen.» Bruno Crivelli

Wir sind hier in einem Restaurant, da möchte man doch genau sehen, was auf dem Teller liegt?

Die Leuchten über den Tischen geben ein warmes, gemütliches Licht, sind aber trotzdem so hell, dass die Speisen gut zur Geltung kommen. Dasselbe gilt zu Hause für den Esszimmertisch. Je nach Tageszeit und Witterung können hier sämtliche Leuchtmittel gedimmt werden. Dimmen ist ein wichtiges Instrument der Lichtplanung, um Stimmung zu erzeugen. Wenn es nicht durch die elektrische Installation bereits möglich ist, sollte man ein Lichtmittel mit App-Steuerung wählen.

Die Leuchten im «Ayverdi’s» in Zürich Wiedikon geben warmes Licht, sind aber hell genug, um die Speisen ins rechte Licht zur rücken.

Wie wichtig ist Licht für den Menschen und die Stimmung?

Sehr wichtig. Am wohlsten ist uns bei warmem Kerzenlicht. In südlichen Ländern sieht man oft kaltes Licht – es erzeugt ein Gefühl von Kühle, was dort gewünscht ist. Grundsätzlich gilt: Morgens eher kaltweisses Licht, das weckt und macht wach. Gegen Abend dann warmes Licht, das regt den Melatoninstoffwechsel an und lässt uns besser schlafen. Handy- und Computer-Bildschirme haben blaues Licht, deshalb: mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen aus der Hand legen!

Wie kann ich im Geschäft das Licht auswählen, das ich will?

Der CRI-Index definiert die Farbwiedergabe – je höher, desto besser. Lumen sind der Lichtstrom, also die Power. Es lohnt sich, nicht an Leuchten zu sparen, Licht hat einen grossen Einfluss auf uns.

TIPPS UND TRICKS: AKZENTE SETZEN

Bruno Crivelli empfiehlt, mit Licht in jedem Raum Akzente zu setzen. Als Grundsatz gilt: indirekt beleuchten. Vorher unbedingt entscheiden, was man mit der Beleuchtung will – lesen, TV schauen, handarbeiten. Für den Gewerbebereich gibt es beispielsweise optimales Licht für Bäckereien oder Metzgereien: «Dabei wird nicht geschummelt, sondern sichergestellt, dass die Lebensmittel in ihrer Ursprungsfarbe zur Geltung kommen. Lichtfarben gibt es beispielsweise für Fleisch, Fisch und Brot.»

In jedem Fall sollten mehrere Lichtquellen geplant und so auf die jeweiligen Bedürfnisse eingegangen werden. Licht ist auch ein Mittel, die Architektur oder die Gestaltung eines Raums zu unterstützen oder ihn grösser oder kleiner wirken zu lassen. «In einem Gang das Deckenlicht besser links oder rechts statt in der Mitte platzieren und mit Reflexionen spielen.» In niedrigen Räumen gehören Pendelleuchten nur über den Tisch. «Dabei beachten, dass niemand geblendet wird.»

Pendelleuchten in der Mitte eines Raums sind ein No-Go. «Das sieht nie gut aus und ist meist auch nicht nützlich.» Besser: eine Pendelleuchte in einer Ecke platzieren und eine zweite oder dritte Lichtquelle mit Stand- oder Tischleuchten schaffen. Crivelli plädiert auch für mehr Mut: «Beispielsweise verschieden grosse Leuchtmittel zusammen arrangieren. Dabei immer eine ungerade Zahl einhalten.» Zudem: Schöne, farbige Textilkabel – und nicht traditionell in Schwarz oder Weiss gehaltene – werten den Raum auf.