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Eine Störung im Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) beheben? Das haben – zumindest im Simulator – einige Studierende gemacht. Sie haben an der Messe «lange Nacht der Karriere» der ETH Zürich eine einmalige Abendführung im KKM gewonnen – rund ein Jahr bevor es endgültig vom Netz geht. Wir haben die fünf Gewinnerinnen und Gewinner auf ihrer Nachtschicht begleitet.

Kurz nach 17 Uhr: Fünf Studierende treffen im KKM ein, neugierig und gespannt, was sie erwarten wird. Der Eingang erinnert an einen Flughafen: Zuerst werden Ausweise kontrolliert, dann geht es durch die Zutrittskontrolle – inklusive Durchleuchten der Jacken und Taschen. Dahinter warten nicht die Pilotinnen und Stewards eines Airbus A320, sondern Roland Bönzli und Philippe-André Künzi, Mitglieder der Kraftwerksleitung.

Über das Kraftwerksareal geht es direkt zum Kommandoraum. Durch eine Glasscheibe können die Studierenden einen Blick in den Raum werfen, in dem das Kraftwerk gesteuert und kontrolliert wird. Sechs Schichten sorgen hier rund um die Uhr für den sicheren Betrieb des Kernkraftwerks. Roland Bönzli, Leiter Betrieb und Pikettingenieur kündet den Studierenden an: «Nachher könnt ihr das, was die Kolleginnen und Kollegen hier im Ernstfall machen, auch durchspielen.»

Philippe-André Künzi erklärt den Studierenden die Funktionsweise des KKM
Philippe-André Künzi erklärt den Studierenden die Funktionsweise des KKM

«Reaktoroperateure» am Werk 

Roland Bönzli hat nicht zu viel versprochen: Nach umfassenden Informationen zum Betrieb und der Stilllegung gehen die Studierenden zum Simulator – einem praktisch exakten Nachbau des Kommandoraums. Hier üben die Reaktoroperateure an rund zehn Tagen im Jahr das An- und Abfahren der Anlage sowie Stör- und Notfälle.

Roland Bönzli zeigt das Reaktorpult

Von Pult zu Pult begleitet Roland Bönzli die Studierenden und erklärt ihnen, was die verschiedenen Lichter, Schalter und Knöpfe bedeuten. Ähnlich wie in einem Flugsimulator üben die Operateure hier hunderte von Störfallszenarien – ohne jeweils zu wissen, was sie erwartet. Das ist heute Abend anders: «Wir testen jetzt einen Scram – eine Schnellabschaltung», so Roland Bönzli. Lange muss er nicht suchen, um einen freiwilligen «Reaktoroperateur» zu finden. Unterbruch der Eigenversorgung, Störung an einer Turbine: Kaum ist das Störfallszenario eingestellt, gehen die entsprechenden Alarme los, auf die es zu reagieren gilt. Die Zeit vergeht wie im Flug. Die Studierenden hätten noch lange zugehört und Störfälle durchgespielt.

Mit den eigenen Augen sehen

«Der Simulator war ein echtes Highlight», sagt Malvina Pauchard, die derzeit an der ETH ihre Masterarbeit in Materialwissenschaften schreibt. Alle pflichten ihr bei. Überhaupt hat ihnen die Führung gut gefallen: «Kernkraftwerke kannte ich praktisch nur von den Simpsons», lacht Isabelle Schlatter, «hier in einem so kleinen Rahmen Einblick zu erhalten, war eine tolle Gelegenheit», sagt die Studentin der Informationstechnologie und Elektrotechnik. Mit der Materie bereits bestens vertraut ist Gabriel Tomic. Der Masterstudent aus der Fachrichtung Nuclear Engineering meint: «Im Studium begegne ich jeden Tag Theorien und Zeichnungen. Hier konnte ich das alles mit eigenen Augen sehen. Ich wünschte mir, auch meine Kommilitonen hätten diese Gelegenheit.»

Nach einem gemütlichen Schluss in der Cafeteria «Aareblick» checken die Studierenden gegen 21.15 Uhr ordnungsgemäss wieder aus. Wer weiss, ob nicht der eine oder die andere wiedermal im KKM einchecken wird? Gabriel Tomic zumindest möchte sich im Bereich Rückbau spezialisieren: «Das wird in Zukunft ein grosses Geschäft sein», sagt er. In der Schweiz geht dieses Geschäft ab Ende 2019 nach langjähriger Vorbereitung erstmals in die Umsetzung. Im KKM.

Das Angebot der BKW für Hochschulabsolventen

Die BKW nimmt nicht nur an der «langen Nacht der Karriere» teil, sondern bietet Hochschulabsolventinnen spannende Herausforderungen, an denen sie wachsen können. Mehr Informationen unter: https://www.bkw.ch/hochschulabsolventen

Sabrina Schellenberg

Sabrina Schellenberg

Deputy Head of Media & Newsroom bei der BKW