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Foto: peterschreiber.media - stock.adobe.com

Die BKW spielt beim Solarausbau in der Schweiz eine wichtige Rolle. Doch was bedeutet das für das Verteilnetz? Wir haben uns darüber mit zwei BKW Experten unterhalten: Markus Eberhard, Head of Digital Business, und Stefan Witschi, Leiter Verteilnetz Management.

 

Die BKW hat die sogenannte Solaroffensive gestartet. Mit welchem Ziel?
Markus Eberhard: Rund ein Drittel der Einfamilienhausbesitzer schweizweit macht sich ernsthafte Gedanken darüber, in eine Photovoltaikanlage zu investieren. Wir rechnen mit einem grossen Zubau und sind die ideale Partnerin. Denn die Investition in eine Solaranlage ist für viele der erste Schritt zu nachhaltigem Wohnen. Wir sehen gute Chancen, mit diesen Kundinnen und Kunden eine langfristige Geschäftsbeziehung aufzubauen.

 

«Am besten vermeidet man das Einspeisen von Spitzenenergie durch eine auf möglichst vollständigen Eigenverbrauch ausgelegte Gesamtlösung vollständig.»

Markus Eberhard

Wo setzen Sie an?
Markus Eberhard: Die Produktefamilie BKW Home Energy, bestehend aus Solaranlage, Ladestation, Wärmepumpe und Stromspeicher, bieten für Liegenschaftsbesitzer ideal abgestimmte Komponenten, damit eine Photovoltaikanlage rentiert. Und wir stellen die Betriebsüberwachung sicher. Unser Vorteil ist, dass wir – im Vergleich zu einigen Mitbewerbern – die gesamte Dienstleistungspalette anbieten.

 

Stefan Witschi, Leiter Verteilnetzmanagement bei der BKW: «Müssen den Solarausbau ressourcenschonend gestalten.»

Ist das BKW Verteilnetz stark genug für die Solaroffensive?
Stefan Witschi: Das Netz wurde beim Bau nicht auf Solarenergie ausgerichtet, sondern auf grosse zentrale Kraftwerke. Deshalb werden die Stromleitungen vom Kraftwerk zum Verbraucher hin «immer dünner». Wenn nun aber immer mehr Haushalte durch dezentrale Photovoltaikanlagen selber Strom einspeisen, ist eine Verstärkung des Netzes vom Prosumer – sprich dem Verbraucher, der selber Produzent ist – her notwendig.

Wie gross ist der Ausbaubedarf?
Stefan Witschi: Das hängt von der Kapazität der zuzubauenden PV-Anlagen und der lokalen Netzsituation ab. Generell gilt: In ländlichen Gebieten muss eher ausgebaut werden. Denn auf dem Land ist das Verhältnis von der Dachfläche zum Verbrauch viel grösser, entsprechend fliesst mehr Energie zurück ins Netz und die Stromaufnahme ist wegen dem weitläufigen Netz technisch aufwändiger.

 

Der SP-Nationalrat Roger Nordmann fordert einen Ausbau der Sonnenenergie auf 50 Gigawatt, der über 40 Milliarden Franken kosten würde. Ist das sinnvoll?
Markus Eberhard: Die Summe ist auf den ersten Blick gigantisch. Doch es gilt auch die Aufwände zu bedenken, die entstehen können, wenn wir dies nicht tun: Welche Kosten kommen auf uns zu, wenn der Klimawandel ungebremst fortschreitet? Welches Erbe hinterlassen wir nachfolgenden Generationen? Diese zentralen Fragen müssen wir berücksichtigen.

Stefan Witschi: Gerade deshalb müssen wir den Solarausbau möglichst ressourcenschonend gestalten. Auch wenn bei Solaranlagen die Maximalkapazitäten nur an wenigen Stunden im Jahr auftreten, muss das Netz trotzdem für diese Maximalkapazitäten ausgebaut werden. Können wir diese Spitzenleistungen auf 70 Prozent reduzieren, vermeidet dies Zusatzkosten und schont die Umwelt. Zusätzliche Leitungen würden nämlich Kupfer, Beton und Kunststoffe benötigen.

 

«Betreiber von PV-Anlagen mehr sind als einfach nur Stromkunden. Sie werden zu Partnern und sind mitverantwortlich für die Stabilität des Gesamtsystems.»

Stefan Witschi

 

Markus Eberhard, Head of Digital Business: «Das beste für die Energiewende ist mehr Eigenverbrauch.»

Wie erklärt man den Hausbesitzern, dass die Leistung ihrer Solaranlage auf 70 Prozent beschränkt werden soll?
Markus Eberhard: Indem wir aufzeigen, was man selber investieren müssten, um diese überschüssige Leistung vor Ort zu speichern, dann zeigt sich, wie wenig wirtschaftlich das auch im grossen Massstab ist. Am besten vermeidet man das Einspeisen von Spitzenenergie durch eine auf möglichst vollständigen Eigenverbrauch ausgelegte Gesamtlösung vollständig.

Stefan Witschi: Zum Verständnis hilft sicher auch der Hinweis, dass eine Solaranlage die allermeiste Zeit über sowieso mit einer Leistung von unter 70 Prozent produziert. Denn wie bereits erwähnt, ist die maximale Leistung nur unter besten Wetterbedingungen an wenigen Stunden im Jahr abrufbar. Somit verliert ein Anlagebesitzer durch die Einspeisebeschränkung in der Regel weniger als drei Prozent der jährlich produzierten Energiemenge. Dies erachten wir als tragbaren Beitrag an die Senkung der Netzkosten.


Sind sich Besitzer von Solaranlagen der Herausforderung, über die wir sprechen, überhaupt bewusst?

Markus Eberhard:: Wir bieten gegen aussen primär Lösungen an und thematisieren nicht Probleme. Wir helfen nicht nur dabei, die Leistung privater PV-Anlagen zu optimieren, sondern helfen auch beim aktiven Verwalten durch Batteriespeicher oder der smarten Steuerung von Ladestationen für die Elektromobilität. Das Gesamtbild zählt. Die BKW Gruppe hat genau solche umfassenden Lösungen. Einerseits für Einfamilienhäuser und KMUs als auch Mehrfamilienhäuser bis hin zu grösseren Wohnüberbauungen. Unser Ziel ist eine wirtschaftlich auch für den Investor attraktive Energiewende zu ermöglichen.

Stefan Witschi: Ich weiss nicht, ob sich alle Besitzer dessen bewusst sind. Klar ist aber, dass Betreiber von PV-Anlagen mehr sind als einfach nur Stromkunden. Sie werden zu Partnern und sind mitverantwortlich für die Stabilität des Gesamtsystems. Es ist im Interesse aller, dass PV-Anlagen möglichst optimal in die Stromversorgung integriert werden.

So steigern Sie Ihren Eigenverbrauch

Laut einer Endkundenbefragung der Marktforschungsgesellschaft EuPD Research ist der Anteil derjenigen Anlagenbetreiber, die große Teile des erzeugten Solarstroms direkt vor Ort verbrauchen, in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Jeder zehnte Betreiber verbraucht sogar mehr als 80 Prozent des erzeugten Solarstroms selbst. Mit der Home Energy Produktfamilie hat die BKW eine Komplettlösung für Gebäudebesitzer auf ihrem Weg zu mehr Eigenverbrauch. Unter dem Strich sparen sie dadurch Geld. Wer gemeinsam mit dem Nachbarn ein eigenes Mini-Solarkraftwerk betreiben will, findet bei der Tochtergesellschaft engytec die besten Lösungen, um die Kosten und den Verbrauch unter den beteiligten Parteien abzurechnen.

Tobias Habegger

Tobias Habegger

Senior Communication Manager