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Delshad Mohammad bewegt sich über das Dach und montiert die Solarmodule, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dabei arbeitet der bald 20-Jährige erst seit Anfang Juni bei der ISP Electro Solutions AG in Solothurn, wo er noch bis Ende August ein Praktikum macht.

Der junge Syrer, der vor vier Jahren aus seinem Heimatland in die Schweiz geflüchtet ist, hat zusammen mit acht weiteren jungen anerkannten Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen im Rahmen eines Integrationsprojekts ein bezahltes Berufspraktikum bei einer renommierten Schweizer Solarfirma erhalten. Erfahrene Bauleiter begleiten die Praktikanten. Sie werden in alle notwendigen Arbeitsschritte miteinbezogen. Auf diese Weise sollen sie möglichst viele Kenntnisse gewinnen und Erfahrungen sammeln. Das Projekt ist auf Initiative der unabhängigen Schweizer Non-Profit-Organisation Solafrica, dem Sozialunternehmen «Youth on the Roof», dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie Swisssolar sowie dem Ausbildungs- und Integrationsprogramm Root + Branch der Kollektivunterkunft Büren an der Aare zustande gekommen.

«Das Team ist sehr wichtig»

Die Arbeit sei sehr spannend und gefalle ihm, sagt Delshad. «Ich habe in kurzer Zeit viel gelernt», betont der sympathische Syrer, der die Chance, ein Praktikum zu absolvieren, schätzt. «Die Arbeitskollegen zeigen und erklären mir alles ganz genau. Dann ein zweites Mal, und schliesslich kann ich es selber machen.» Zu seiner Aufgabe gehört unter anderem das Legen von Schienen und Unterkonstruktionsteilen auf dem Dach mit anschliessendem Montieren von Solarmodulen. Diese Module sind gross und schwer. «Eine Person bringt die Module, zwei andere montieren und stecken sie zusammen», erklärt Delshad. «Die Leute sind alle sehr nett, ich kann jederzeit Fragen stellen und wir passen auf dem Dach gut aufeinander auf.» Bemerkenswert: Obwohl Delshad erst seit vier Jahren in der Schweiz lebt, spricht er schon recht gut Deutsch.

In der Freizeit gehts in die Aare

Eine Ausbildung hat Delshad in Syrien nicht machen können. Im Malerbetrieb seines Vaters in Damaskus half er aber regelmässig und konnte so handwerkliche Erfahrung sammeln. Seine drei Schwestern, sein Bruder und die Eltern leben immer noch in Syrien.

Delshads Arbeitstage beginnen um 7 Uhr. Meist erledigt er bereits in Solothurn erste Arbeiten, bevor es dann auf die Baustelle geht. Bisher war er unter anderem im Grossraum Bern, im Oberland, im Seeland und im Grossraum Solothurn im Einsatz. «Letzthin hatten wir einen Auftrag in Thunstetten. Weil die Mutter eines Arbeitskollegen dort wohnt, kochte sie zwei Mal für uns zu Mittag. Das war sehr schön», sagt Delshad. Man merkt: Er fühlt sich bei der ISP Electro Solutions AG wohl. In seiner Freizeit geht er gerne in der Aare schwimmen und trifft sich mit Freunden.

Das Ziel: Eine Lehre als Elektroinstallateur

Im besten Fall bleibt Delshad der ISP respektive der BKW auch nach Ablauf seines Praktikums erhalten. Nachdem er bereits jetzt mit Monteuren oder Servicetechnikern unterwegs war und damit einen Einblick in die vielfältige Arbeit erhielt, wünschen sich seine Vorgesetzten ein längeres Engagement. «Wir sind mit Delshad sehr zufrieden», sagt Roman Grabherr, Leiter des Energy Centers der ISP Electro Solutions AG. «Er leistet grossen Einsatz, ist engagiert und motiviert. Delshad ist eine Bereicherung für das ganze Team», betont Grabherr. Hinzu komme, dass das Engagement auch für Delshads Integration in der Schweiz sehr positiv sei.

Und so überrascht es nicht, dass die ISP Electro Solutions AG Delshad gerne auch über sein Praktikum hinaus beschäftigen würde. «Wir sind daran, eine Anschlusslösung zu finden», sagt Grabherr. Das Ziel: Delshad absolviert ab 2020 eine reguläre Lehre als Elektroinstallateur. Den Beruf des Solarteurs kann man nämlich nicht erlernen, es handelt sich um eine Zusatzausbildung. Bis zum Start der Lehre könnte Delshad eine Vorlehre absolvieren – mit drei Tagen Arbeit bei der ISP und zwei Tagen Schule. Das wäre ganz im Sinn von Delshad. «Ich würde sehr gerne hier bleiben», sagt er.

Engagement für unsere Gesellschaft

Rock your Life unterstützt in Ergänzung zur Schule und Berufsberatung 15-16-jährige Jugendliche im Übergang von der Schule in die Ausbildung. Das SRF Magazin Espresso berichtete am 6. August über Rock your Life.

Das gemeinnützige Projekt setzt auf junge berufserfahrene Mentorinnen und Mentoren, die Jugendliche unabhängig von ihrem sozialen, ökonomischen und familiären Hintergrund während achtzehn Monaten begleiten und unterstützen. Die Berufsbildung der BKW engagiert sich partnerschaftlich bei Rock your life. Diesen Frühling fand ein Bewerbungsworkshop statt, bei dem die Acht- und Neuntklässler den Bewerbungsprozess durchspielen konnten und Tipps zu ihrer Bewerbung erhielten. Das Engagement der BKW wurde von den Jugendlichen geschätzt und speziell im SRF Interview erwähnt.

Möchten Sie Jugendliche auf ihrem Weg in die berufliche Grundbildung begleiten? Hier finden Sie weitere Informationen zu Rock your Life.

Markus Ehinger

Markus Ehinger

Senior Editor