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Das Wasserkraftwerk Hagneck verfügt über ein Umgehungsgerinne für Fische. Weshalb braucht es eine solche „Umleitung“?

Fische machen je nach Art im Verlaufe ihres Lebens kürzere oder längere Wanderungen. Ausgedehnte Fischwanderungen finden beispielsweise während der Laichzeit statt. Kraftwerksanlagen sind jedoch unüberwindbare Hindernisse für wandernde Fische. Doch die freie Fischwanderung ist für das langfristige Überleben der Fischpopulationen eine zentrale Voraussetzung. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das Aussterben des Atlantischen Lachses in unseren Gewässern. Sein Verschwinden hängt mit dem Bau der grossen Flusskraftwerke im Rhein um die Jahrhundertwende zusammen. Das Bundesgesetz über die Fischerei schreibt aus diesem Grund vor, dass beim Bau von Wasserkraftsanlagen Massnahmen getroffen werden müssen, die die freie Fischwanderung möglich machen. In Hagneck wird die mit einem Umgehungsgerinne gewährleistet.

 

Wodurch zeichnen sich die baulichen Massnahmen aus?

Mündungsbereiche von grossen Flüssen in Seen sind besonders Fischarten- und individuenreich. Der Anspruch an das Umgehungsgerinne bei Hagneck lag darin, allen Fischarten mit ihren unterschiedlichen Vorlieben und schwimmtechnischen Möglichkeiten die freie Fischwanderung zu ermöglichen. Grosse Fische sollen ebenso steigen können wie kleine Fische, schwimmschwache Fischarten genauso wie schwimmstarke Arten, Freiwasserschwimmer ebenso wie bodenorientierte Arten. Diese Herausforderung braucht es einen grosszügig dimensionierten Fischpass mit genügendem Wasserabfluss, gut positionierten Einstiegsöffnungen, deutlicher Lockströmung und geringem Gefälle. Beim Kraftwerk Hagneck liess sich dies am besten mit einem Umgehungsgerinne realisieren. Das gewählte Bauwerk hat überdies den Vorteil, dass es einem Bach nachempfunden auch als Lebensraum für die Fische dienen wird.

 

Welchen Fischen kommt das Umgehungsgerinne zu gute?

Im Bielersee und Aare-Hagneck-Kanal lebt eine sehr artenreiche Fischfauna mit über 30 Arten. Grundsätzlich werden alle Fischarten von der freien Fischwanderung zwischen See und Fluss profitieren können. Die Seeforelle ist jedoch ein Paradebeispiel, wie wichtig ein gut funktionierendes Umgehungsgerinne beim Kraftwerk Hagneck ist. Die Seeforelle steigt im September bis Dezember aus dem See in die Fliessgewässer auf. Die Wanderungen können bis 100 km betragen. Auf flach überströmten Kiesflächen schlagen die Seeforellen-Weibchen Laichgruben und geben ihre Eier ab. Nach dem Laichgeschäft wandern die adulten Tiere wieder in den See ab. Die geschlüpften Jungfische hingegen bleiben jedoch noch rund ein bis zwei Jahre im Fliessgewässer, bevor sie dann ebenfalls in den See abwandern. Weitere häufige im Fischpass zu erwartende Fischarten sind Schneider, Rotaugen, Lauben, Barben und Hasel. Aktuell lassen sich viele grosse Alet im Umgehungsgerinne beobachten. Diese haben darin sogar gelaicht.

Hier das Video der laichenden Alet.

Quelle: Daniel Bernet, Fischereiinspektorat des Kantons Bern

Guy Hüsler

Guy Hüsler

Redaktor Digital Experience