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Der Ausbau von erneuerbaren Energiequellen ist ein wirksames Mittel im Kampf gegen den Klimawandel. Dieser Ausbau rentiert auch finanziell – weil Sonne, Wind und Geothermie keine Rechnung stellen. Je mehr erneuerbare Kraftwerke im System sind, desto seltener kommen die Kraftwerke mit Kohle, Gas, Öl und Atom zum Zug.

Die Elektrizität, die wir verbrauchen, stammt heute in der Schweiz bereits CO2 -neutral aus Wasserkraft, Atomenergie und immer mehr aus dezentralen Anlagen neuer Erneuerbarer. So hat sich zum Beispiel der Anteil PV-Strom in der Schweiz in den Jahren 2011 bis 2016 verdreizehnfacht. In den umliegenden Ländern machen Kernenergie, Kohle und Gas einen grösseren Anteil am Strommix aus.

Der Ausbau an erneuerbaren Energien wird politisch gefördert und kommt zügig voran. Die Förderung hat in den vergangenen zehn Jahren dazu geführt, dass Windanlagen und Solarmodule industrialisiert werden konnten und die Preise massiv gesunken sind. PV und Wind sind inzwischen die kostengünstigsten Energieerzeugungsanlagen für Strom in CHF/kWh.

Die Verdrängung der fossilen Energieträger durch die Erneuerbaren ist nicht nur technisch und preislich bedingt, sondern folgt auch dem politischen Willen. All das führt dazu, dass der Strommix über die Zeitdauer immer stärker von den Erneuerbaren geprägt und von CO2 befreit wird.

 

Die Abbildung zeigt die Veränderung im Strommix in Europa zwischen 2010 und 2018. Das Wachstum der Erneuerbaren von 679 auf 1051 TWh ist deutlich erkennbar. (Quelle: www.euwid-energie.de)

Die Grenzkosten sprechen für Erneuerbare

Firmen wie die BKW investieren in den Ausbau von erneuerbaren Energien, weil es sich dank der politischen Anschubförderung wirtschaftlich lohnt. Gleichzeitig dekarbonisieren sie damit den gesamten Strommix – für eine bessere CO2-Bilanz. Diese Investitionen zahlen sich in Zukunft aber auch ohne staatliche Förderung aus. Denn bei den erneuerbaren Energien sind die Grenzkosten für die Energieproduktion nahe bei null. Sonne, Wind und Geothermie schicken keine Rechnung, Wasser abgesehen von den Wasserzinsen ebenfalls nicht.

Für den Betrieb fossiler Kraftwerke muss hingegen der Energieträger für die Produktion jeder Kilowattstunde (kWh) beschafft werden, was die Grenzkosten in die Höhe treibt. Dies führt dazu, dass die erneuerbaren Energiequellen in der Merit Order (die Einsatz-Reihenfolge der Kraftwerke) weiter vorne liegen und häufiger zum Einsatz kommen als die fossil betriebenen Kraftwerke. Fossile können nur dann eingesetzt werden, wenn der erneuerbare Kraftwerkspark ausgelastet ist und die Nachfrage gewillt ist, einen höheren Preis für den Strom zu bezahlen.

 

Die Abbildung zeigt die Merit Order in einem beispielhaften Kraftwerkspark. Nachfrage, Preis, Verfügbarkeit und Grenzkosten der eingesetzten Kraftwerke beeinflussen sich gegenseitig.

Rentabilität der fossilen Energieträger sinkt

Je mehr erneuerbare Kraftwerke im System sind, desto seltener kommen die Kraftwerke mit Kohle, Gas, Öl und Atom zum Zug. Die Kosten steigen und die Rentabilität sinkt. Bereits heute kommt es hin und wieder vor, dass genügend Elektrizität aus Wasser, Sonne und Wind geliefert wird, um die gesamte Nachfrage zu befriedigen. Thermische Kraftwerke bezahlen dann dafür, dass sie weiterhin ihre Leistung einspeisen dürfen, weil sie diese nur schwerlich drosseln können.

Wenn auch nicht von heute auf morgen, so sind wir doch auf mittlere Frist auf dem richtigen Weg. Nun gilt es, diese Richtung einzuhalten und mit beherztem Ausbau von erneuerbaren Energieanlagen die Dekarbonisierung des Stromsektors voranzutreiben.

Martin Bolliger

Martin Bolliger

Martin Bolliger ist Leiter des BKW Technology Center und befasst sich dort mit verschiedenen Aspekten der Energiezukunft. Seine Schwerpunktthemen sind Solarenergie, Speicher und Elektromobilität. Er fährt seit 20 Jahren mit Elektroautos und Velos mit Stromunterstützung.