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Im Feuerweiher Limpach wurde ich geboren, hier bin ich aufgewachsen und habe stets ein ruhiges Leben am gemütlich-schlammigen Weiherufer geführt. Doch dann wurde es mit einem Mal turbulent. Dies ist die Geschichte einer Teichmuschel und ihrer abenteuerlichen Reise.

Es war Nacht und ich schlief gerade – neben ein paar der anderen Teichmuscheln hier im Weiher. Nachts ist es bei uns im Schuelwald sehr ruhig. Doch in jener Nacht hörte ich plötzlich Schritte am Ufer. Dann geschah etwas, das noch nie passiert war: Das Wasser im Teich begann zu verschwinden. Zuerst langsam, dann immer schneller und schneller.

Bange Stunden

Mir wurde angst und bange. Meine Schale war mit einem Mal an der Luft. Das gefiel mir gar nicht. So streckte ich meinen Fuss aus und bewegte mich auf den Seegrund zu, so schnell ich konnte. Als es nicht mehr weiterging, schloss ich meine Schale ganz. Tun konnte ich jetzt sowieso nichts mehr. «Der Teich ist ausgelaufen», hörte ich Menschen vom Ufer rufen. Meine schlimmsten Befürchtungen waren also wahr geworden. «Da sind ja Teichmuscheln, wir müssen den Schieber schliessen», rief einer und kurz danach spürte ich, wie das Wasser langsam wieder anstieg. Nochmals Glück gehabt.

Nicht schon wieder

Nach diesem Schrecken kehrte wieder Ruhe im Feuerweiher ein. Doch das sollte nicht so bleiben: An einem Nachmittag etwa zwei Jahre später, merkte ich plötzlich, wie das Wasser um mich herum weniger wurde. Wieder spürte ich, dass meine Schale halbwegs an der Luft lag. Auch jetzt standen Menschen um den Teich herum.  Einer packte mich und setzte mich zusammen mit meinen Freunden in einen Behälter. Dann muss ich eingeschlafen sein.

In einem Behälter wurde ich vom Feuerweiher wegtransportiert.

Heimweh nach dem Feuerweiher

Als ich aufwachte, war ich wieder ganz von Wasser umgeben. Und ein paar von meinen Artgenossinnen entdeckte ich ebenfalls. «Wisst ihr denn, was passiert ist?», fragte ich sie. «Ich glaube, sie haben das Wasser aus unserem Feuerweiher auslaufen lassen», rief eine. «Und weil wir nicht mehr ganz unter Wasser waren, haben uns die Menschen dabei entdeckt», eine andere. «Sie wollten uns retten und jetzt haben sie uns in einen anderen Weiher gebracht», sagte noch eine ganz eifrig. So war das also. Wie sehr hoffte ich in den kommenden Tagen und Monaten, in meinen Feuerweiher zurückzukehren.

Das neue, alte Zuhause

Als ich schon fast nicht mehr daran glauben mochte, wurde ich plötzlich wieder von Menschen hochgehoben und in einen Behälter gesetzt. Noch traute ich der Sache nicht ganz. Doch siehe da: Wenig später wurde ich aus dem Behälter gehoben. Ehe ich sanft ins Wasser gesetzt wurde, sah ich die mir wohlbekannte Umgebung. Die Bäume, das Unterholz, die kleine Lichtung. Aber halt? War da nicht was? Das war zwar ganz klar der Feuerweiher Limpach. Unter Tausenden hätte ich ihn wiedererkannt. Trotzdem schienen mir ein paar Sachen verändert. Ich war neugierig und wollte wissen, was es damit auf sich hatte. So liess ich mich nicht auf den Seegrund sinken, sondern ging mit meinem Fuss das Ufer hoch. Das ging viel besser als früher. Es war angenehm flach. Ob sie deshalb wohl das Wasser aus dem See entfernt hatten? Wie ich näher an die Oberfläche kam, bemerkte ich auch, dass es plötzlich viel heller war. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nun war ich also ganz unverkennbar in mein altes Zuhause zurückgekehrt. Es war aber gleichzeitig auch ein neues, ja sogar noch schöneres Zuhause.

Die Ufer am Feuerweiher sind jetzt angenehm flach.

Wiedersehen mit den Daheimgebliebenen

Daraufhin beschloss ich, erst einmal ein richtiges Schlammbad zu nehmen. Dort begegnete ich anderen Teichmuscheln, die offenbar unseren Feuerweiher gar nie verlassen hatten. Wir freuten uns sehr über das Wiedersehen. Die anderen erzählten mir, was in der Zwischenzeit geschehen war: «Es waren Menschen da. Sie sagten, sie wollten unseren Weiher ‘aufwerten’», erzählte eine. «Ja, und dann kamen sie immer wieder», schoss eine Jüngere, etwas Vorwitzigere dazwischen. «Sie haben in der Umgebung Teiche geschaffen und sie haben Bäume gefällt, damit es mehr Licht gibt. Weil es nur wenig Wasser im Teich hatte, haben wir das genau gesehen», sagte eine Dritte. «Sie haben das Ufer abgetragen und auch etwas Schlamm mitgenommen», ergänzte eine Vierte. Als sie merkte, dass mich das beunruhigte, versicherte sie mir, dass immer noch genug davon für uns alle da sei. Ich seufzte erleichtert. Erst jetzt merkte ich, wie müde ich war. Ich grub mich im Schlamm ein und schloss meine Schale. Selten habe ich so gut geschlafen, wie in jener ersten Nacht, in der ich nach langer Zeit wieder zurück im Feuerweiher Limpach war.

Der Feuerweiher, wie ich ihn nach meiner Rückkehr vorfand.

Mehr aufregende Zeiten

Ich hatte wohl gerade die aufregendste Zeit in meinem Leben hinter mir. Dachte ich zumindest. Doch dann, an einem Frühlingstag, war plötzlich viel mehr los als gewöhnlich an unserem ruhigen Weiher. Ein gutes Dutzend Menschen stand darum herum. Einer sprach ziemlich laut und bedankte sich bei den anderen für ihre Unterstützung bei der Revitalisierung des Feuerweihers Limpach. «Revitalisierung», so nannten die Menschen das also. «Wir haben sichergestellt, dass der Weiher nicht mehr unbeabsichtigt auslaufen kann». Ah, da war ich aber froh. Ich wollte mich gerade wieder beruhigt im Schlamm einbuddeln. Da hörte ich, wie der Mensch, der zu den anderen sprach, sagte: «Auch haben wir im Feuerweiher Limpach Lebensraum für den Edelkrebs und den Bitterling geschaffen. Für den Bitterling ist gerade auch die Anwesenheit der Teichmuscheln sehr wertvoll, weil sie in Symbiose leben». Was das wohl sein mochte? Offenbar würde ich bald noch mehr Gesellschaft bekommen. Ich beschloss, mir darüber für den Moment keine weiteren Gedanken zu machen. Doch vielleicht habe ich ja die spannendste Zeit in meinem Leben erst noch vor mir.

Ein Mensch erklärt, was beim Feuerweiher Limpach passiert ist – und offenbar noch passieren wird.

Der BKW Ökofonds

Die BKW nimmt ihre Verantwortung wahr und setzt sich für den Schutz von Gewässern ein. Der BKW Ökofonds fördert seit 18 Jahren die Biodiversität und revitalisiert Gewässerlandschaften. Ein Rappen pro verkaufter Kilowattstunde Strom aus naturemade star-zertifizierter Wasserkraft fliesst in den BKW Ökofonds. Diese Fondsgelder verwenden wir ausschliesslich für ökologische Aufwertungsmassnahmen. 180 Projekte konnten dadurch in den letzten 18 Jahren selber realisiert oder finanziell und fachlich unterstützt werden. Weitere Informationen gibt es unter www.bkw.ch/oekofonds

Mehr zur Revitalisierung des Feuerweihers Limpach gibt es in diesem Factsheet.

Sabrina Schellenberg

Sabrina Schellenberg

Stellvertretende Leiterin Medienstelle bei der BKW

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