Artikel teilen auf
In mehreren Schritten werden die Steine gebrochen.

Ausgedient, zerkleinert, wiederverwertet. Das ist die Geschichte der Splitterschutzsteine aus dem Kernkraftwerk Mühleberg (KKM). Einst dienten sie dort dem Schutz im Fall einer mechanischen Störung der beiden Turbinen. Nun sind sie zunächst zerkleinert und dann über mehrere Schritte zu Zement verarbeitet worden. Daraus wiederum wird Beton erstellt und dieser kann neu verbaut werden. Beispielsweise in einer Brücke, einer Strasse oder einem Gebäude. So schliesst sich der Wertstoffkreislauf.

Es ist der 20. Dezember 2019. Das Kernkraftwerk Mühleberg geht endgültig vom Netz. Die Drehzahl der Turbinen sinkt langsam, bis sie schliesslich ganz stillstehen. 47 Jahre lang haben sie sicher und zuverlässig Strom produziert. Umgeben waren sie von Splitterschutzsteinen, grossen Betonelementen, die bei einer mechanischen Störung vor Turbinensplittern geschützt hätten. In dieser Funktion sind sie glücklicherweise nie zum Einsatz gekommen. Doch nun, nach der Abschaltung, braucht es die Steine – wie viele andere Elemente im KKM – definitiv nicht mehr.

Während des Betriebs des KKM standen die Splitterschutzsteine rund um die Turbinen.

 

Eine Premiere

Die Splitterschutzsteine gehören zum ersten Material, das beim Rückbau des KKM entfernt wird. Doch bevor dies geschehen kann, müssen sie gereinigt und auf Radioaktivität geprüft werden. Diese Arbeiten starten sogleich am 6. Januar 2020. Dafür wird bei jedem der 165 Steine Rechteck für Rechteck überprüft, dass keine Radioaktivität vorhanden ist. Nach dieser ersten Prüfung werden die Steine aus dem Maschinenhaus entfernt und in einer Halle auf dem Gelände des KKM ein zweites Mal, mit einer anderen Methode, gemessen. Die Aufsichtsbehörde, das eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) prüft die zugehörige Dokumentation für jeden Stein und gibt anschliessend grünes Licht. Und so kommt es am 19. Februar 2020 zu einer Premiere: Als erstes Material aus dem Rückbau verlässt eine Ladung Splitterschutzsteine das KKM.

Nach der Abschaltung werden die Betonelemente gereinigt und auf Radioaktivität überprüft.

 

Dafür werden die Steine Rechteck für Rechteck gemessen.

Vom Maschinenhaus werden die Steine in eine Halle auf dem KKM-Areal transportiert.

 

Es folgt eine zweite Messung.

 

Die Steine sind bereit für den Abtransport. © KEYSTONE / Peter Klaunzer

 

Sie verlassen als erstes Rückbaumaterial das KKM. © KEYSTONE / Peter Klaunzer

 

Doch was passiert nun mit den Betonelementen, die lange Jahre um die Turbinen des KKM standen? Zuerst gelangen sie ins solothurnische Riedholz. Dort zerkleinert sie die Firma Vigier im Mai 2020 auf einem Umschlagplatz in einem mehrstufigen Verfahren bis sie schliesslich nur noch so gross sind wie Kieselsteine. Anschliessend geht die Reise weiter in den Berner Jura, wo sie in einem Werk von Vigier in Péry weiterverarbeitet werden.

Auf einem Umschlagplatz im solothurnischen Riedholz zerkleinert die Firma Vigier die Steine.

 

Bis sie schliesslich nur noch so gross sind wie Kieselsteine.

Die Geschichte geht weiter

Über mehrere Stufen wird daraus Zement, ein Bindemittel für Beton. So kann das Material, aus dem einst die Splitterschutzsteine aus dem KKM waren, wiederverwertet werden. Der Wertstoffkreislauf schliesst sich. Als Bestandteile von Brücken, Häusern oder Tunnels erhalten die Steine ein neues Leben. Wer weiss, ob es das letzte ist?

Beton von Vigier wird eingesetzt für den Bau von Gebäuden, wie beispielsweise hier dem Tropenhaus in Frutigen. © Ciments Vigier SA
Sabrina Schellenberg

Sabrina Schellenberg

Deputy Head of Media & Newsroom bei der BKW