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Künstlich angelegt und trotzdem malerisch: Der frisch entstandene Speichersee auf dem Betelberg

Der Klimawandel macht den Wintersportorten zu schaffen. Ohne Schneekanonen läuft nichts. Wie man die Anlagen möglichst schonend in die Landschaft integriert, zeigen im Simmental die Lenk Bergbahnen mit ihrem neuen Speichersee am Betelberg.

Nicolas Vauclair ist Geschäftsführer der Lenk Bergbahnen. «Bläst der Wind zu stark und aus der falschen Richtung, können wir nicht schneien», sagt er. Sich Gedanken über die weisse Pracht zu machen, ist für ihn Alltag – und das Wintersport-Geschäft trotz Erderwärmung und Schneemangels am Laufen zu halten eine stete Herausforderung. Denn: «Ski ist für uns immer noch die Einnahmequelle Nummer eins. Deshalb ist Schneesicherheit das A und O.»

So sieht die Beschneiungsanlage am Betelberg aus

Erreichen lässt sich Letztere heute aber praktisch nur noch dann, wenn technisch beschneit wird. Dafür braucht es unter anderem ausreichend Wasser. Dieses wird von den Kanonen in die Luft geblasen, wo es – bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum – zu feinem Schneestaub wird, der dann die Pisten winterlich überzuckert.

 

Innovativ für mehr Zukunft: Nicolas Vauclair, ­Geschäftsführer der Lenk Bergbahnen.

Für den diesjährigen Ausbau der Beschneiungsanlage am Betelberg haben die Lenk Bergbahnen einen neuen Speichersee angelegt. Gleich unterhalb der Bergstation Leiterli. «Er fasst 93 000 Kubikmeter Wasser und ermöglicht die Beschneiung von über 30 Pistenkilometern», sagt Nicolas Vauclair. Vor allem Familien mit Kindern oder Anfänger können sich auf der Strecke ideal vergnügen.

Höchst ungewöhnlich: Das Betelberg-Projekt hatte keine einzige Einsprache zur Folge, auch nicht seitens der Umweltverbände. Zu verdanken ist das dem Umstand, dass die Lenk Bergbahnen von Anfang an mit allen das Gespräch suchten und den Standort für den See sehr sorgfältig und mit Rücksicht auf alle Beteiligten und die Natur wählten.

«Wir prüften mit Geologen und Ingenieuren fünf Standorte. Wir haben mit 16 Grundeigentümern gesprochen und ihnen genau erklärt, was wir vorhaben. Und wir waren von Anfang an in engem Kontakt mit dem WWF, Pro Natura und dem Landschaftsschutz», sagt Vauclair.

 

Umweltverträgliches Vorgehen

Zudem musste ein Umweltverträglichkeitsbericht erstellt werden. Wie viel Lärm und Luftverschmutzung entstehen durch die Maschinen auf der Baustelle? Was bedeutet der Eingriff in den Boden für die vielen geschützte Pflanzen und Tiere? Was für Folgen hat er für die Gewässer? Inwiefern wird die Umwelt sonst noch tangiert?

«1,2 Hektar Land wurde wegen des Sees zu Wasser. Das müssen wir den Bestimmungen entsprechend durch Ersatzmassnahmen kompensieren», sagt Vauclair. «Wir werden zum Beispiel einen alten Wasserteich, der früher der Feuerwehr zur Brandbekämpfung diente, renaturieren und zu einem Laichgebiet für Amphibien machen.» Weitere Kompensations-Möglichkeiten bieten sich durch die Waldrandpflege oder das Aufforsten von Ersatzflächen.

Acht Kilometer Stromkabel verlegt

Sorgt für den nötigen Strom: Gilles Russi, Leiter Projekte Oberland bei der BKW.

Selbst der durchdachteste Speichersee nützt jedoch nichts, wenn der für die Schneekanonen nötige Strom fehlt. «Der ganze Berg wurde neu für Starkstrom verkabelt», erzählt Nicolas Vauclair. Acht Kilometer Stromkabel à 16 000 Volt wurden dafür verlegt. Wo möglich, wurden Freileitungen aufgehoben und die neuen Leitungen unterirdisch verlegt. Denn weniger Masten bedeuten sicherere Pisten für die Skifahrer.

Geplant und ausgeführt wurden die Arbeiten von der BKW. Gilles Russi, Leiter Projekte Oberland: «Vor sechs Jahren fanden die ersten Gespräche statt. Unsere Aufgabe war es, das Netz so anzupassen, dass wir die Mehrleistung an Strom gewährleisten können.» Von Vorteil sei dabei gewesen, dass die BKW Langzeiterfahrung mit derartigen Projekten und Betriebserfahrung von anderen Verteilnetzen habe. «Wir sind mit allen Eventualitäten vertraut und breit aufgestellt. Davon profitieren unsere Kunden.»

Die Baustelle hoch oben auf dem Berg war eine Herausforderung für Mensch und Maschine.

Besonderer Arbeitsplatz

Auf die grösste Herausforderung angesprochen, sagt Russi: «Die Zugänglichkeit des Geländes. Jeder Transport auf dieser Strasse war aussergewöhnlich, da enge Kurven und abschüssiges Terrain unseren Monteuren alles abverlangten.»

Weil aufgrund des Corona-Lockdowns im März der Skibetrieb geschlossen war, konnte aber früher als geplant Material an die relevanten Stellen gebracht werden. «Mit Pistenfahrzeugen, was den sensiblen Boden geschont hat. So konnten wir auch auf Helikopter verzichten», erzählt Nicolas Vauclair.

Mitte November wurden die Bautätigkeiten wegen der Kälte eingestellt. «Nächstes Jahr müssen wir noch die Strasse sanieren, dann sind wir fertig», so Vauclair weiter.

Die Bescheiungsanlage am Betelberg liefert bereits regelmässig Schnee. Die Energie, die dafür aufgewendet werden muss, stammt zu 100 Prozent aus ökologischer Wasserkraft. Wäre eine Solaranlage auch eine Option? Vauclair: «Das ist leider nicht möglich, denn um den nötigen Strom zu produzieren, müsste die Anlage riesig sein.»

Wie viel Energie wird an einem Skitag mit technischer Beschneiung denn verbraucht? «Pro Kopf um die 3 Kilowattstunden für die Beschneiung und bis zu 9 für die Bahnen und Lifte», sagt er. «Zum Vergleich: Im Hallenbad sind es pro Kopf im Schnitt 20 Kilowattstunden.»

Auch im Sommer attraktiv

Geht es nach ihm, lässt sich der Speichersee am Betelberg aber nicht nur für den Wintersport nutzen. «Er könnte auch eine Sommerattraktion sein, mit Spielplatz, Kiosk und ­Grillstelle. Das wurde bislang aber noch nicht bewilligt, was im ersten Moment eine schwere Enttäuschung war.» Doch Nicolas Vauclair hofft weiter: «Der Standort für Sommerangebote ist ideal, leider sind aktuell die raumplanerischen Voraussetzungen für die entsprechenden Bewilligungen noch nicht gegeben.»

Der See speichert 93 000 Kubikmeter Wasser. Mehr als 30 Kilometer Piste können damit beschneit werden.

Strom gibt es am Berg jedenfalls genug für alle Vorhaben. Dafür sorgt die BKW. Das Projekt sei jedoch nicht Standard gewesen, meint  Gilles Russi. Es habe die partnerschaftliche Zusammenarbeit vieler gebraucht. Sein Dank richtet sich neben der Projektleitung an alle Netzelektriker, Zeichner, Einkäufer und sonstigen Mitarbeitenden. Auch ein bisschen Glück und der gute Wille von Petrus seien nötig gewesen. «Am Ende hat alles reibungslos geklappt, trotz der Corona-Zeit», freut er sich. Sein Fazit: «Das Projekt stiftet Identität in der Region. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir es möglich machen konnten.»

Nachhaltigkeitspartnerin von Swiss-Ski

Seit fünf Jahren ist die BKW Nachhaltigkeitspartnerin des Schweizerischen Skiverbands Swiss-Ski. Dank ihren umfassenden Kompetenzen in Energie, Gebäude und Infrastruktur bietet sie Lösungen für eine lebenswerte Zukunft – auch im Schneesport. Mehr erfahren Sie unter diesem Link.

In Kooperation mit Blick.ch

In Kooperation mit Blick.ch

Beitrag aus blick.ch/green im Rahmen einer Zusammenarbeit der BKW mit Ringier