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An der E-world in Essen brauchte es nur wenige Schritte, um die aktuellsten Entwicklungen der Energiebranche zu sehen. Der BKW Experte Stefan Salzl hat sich mit Notizblock und Kamera auf den Weg gemacht und folgende sechs Trends aufgespürt.

Alljährlich versammelt sich an der E-world in der Messe Essen alles, was Rang und Namen in der Europäischen Strom- und Gasbranche hat: 780 Aussteller aus 26 Nationen. Auf fünf Messehallen kann man innerhalb weniger Schritte die neusten Entwicklungen in der Energiebranche sehen. Auch die BKW hat an drei Tagen Anfang Februar 2019 gezeigt, wie sie sich die «Zukunft ihrer Energie» vorstellt. Gemeinsam waren die Geschäftseinheiten Produktion, Handel und Sales an der Messe präsent. Sie haben unzählige Geschäftstermine absolviert. Daneben blieb auch noch Zeit, um über den Tellerrand zu blicken und die wichtigsten Trends in der Energiebranche aufzuspüren.

Trend 1: Die Energiewende ist tot. Es lebe die Digitalisierung

Gerade einmal ein Aussteller hatte das Wort Energiewende direkt am Stand plakatiert. Das Schlagwort Digitalisierung war dagegen omnipräsent: Von Zählerhersteller bis zum Big Data Dienstleister hatte jeder ein passendes Produkt im Angebot, das sich mit der Digitalisierung schmückte. Doch wie schafft man als Energieversorgungsunternehmen (EVU) eine erfolgreiche digitale Transformation? E.ON präsentierte sein Rezept: 

  1. Automatisierung
  2. Verbesserung und Optimierung der Customer Experience 
  3. Überarbeitung der bestehenden Geschäftsprozesse 
  4. Neue Geschäftsmodelle
E.ON: „Ein Kochrezept zum Mitnehmen“

Trend 2: Dienstleistungen sind für Stadtwerke oder Industriekunden da 

Der reine Vertrieb von Commodities, wie Strom und Gas, fristet auf den Schauflächen der Teilnehmer ein Schattendasein. Im Vordergrund stehen ganzheitliche Dienstleistungen und Lösungen. Und das Zielkundensegment ist auf der E-world klar definiert: Stadtwerke oder auch Industriekunden. Vor allem erstere werden heiss umworben.

„Shell verkauft auch Energielösungen“

Von der Cyber Security über Chartanalyse zum Portfoliomanagement: Know-how aus allen Bereichen wird von grossen Playern und von kleinen Startups an den Mann oder das Stadtwerk gebracht. Das Schema ist dabei immer gleich: Die Expertise in einem Gebiet wird monetarisiert, indem sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird.

Trend 3: Smart Metering nimmt Fahrt auf

Trotz des bisher in Deutschland nur schleppend verlaufenden Starts des Smart Metering hat der intelligente Zähler – zumindest was die Ausstellungsfläche betrifft – den Durchbruch geschafft. Eine ganze Halle auf der E-World widmete sich dem Thema digitale Messtechnik. Dabei wurden Zähler in unzähligen Varianten vorgestellt. Und auch vor Begrifflichkeiten wie Internet of Things (IoT) wurde nicht zurückgeschreckt. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der EU und das 2016 in Deutschland beschlossene Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende scheinen nun dennoch für den Durchbruch zu sorgen. Neue Geschäftsmodelle, die auf diesen Daten basieren, waren jedoch an den Ständen nicht zu finden. Die spannende Frage bleibt, ob Smart Meter jemals sein volles Potential entfalten kann, bevor die Konkurrenz aus dem IoT Bereich von Google und Co. den Markt beherrschen wird?

Trend 4: Von Direkt- zur Flexibilitätsvermarktung

Ein weit annonciertes Stichwort auf der Eworld war die Flexibilitätsvermarktung. Was früher auf den reinen Regelenergiebetrieb kleiner und mittlerer Assets (Kraftwerke oder auch flexible Verbraucher) oder die Vermarktung von Neuen Erneuerbaren wie Wind oder Solar reduziert wurde, bekommt nun mit diesem Begriff einen ganzheitlichen Ansatz. Flexibilität soll von den Terminmärkten bis zu Intraday und Regelenergiemärkten durchgängig vermarktet werden. Von den grossen Konzernen wie Uniper oder EnBW bis zu kleinen Start-ups: Alle priesen die bessere Vermarktung an. Die BKW selbst ist auch hier ein Vorreiter: Als Pionier der Direktvermarktung können wir inzwischen auf ein Portfolio von über 5000 MW zurückgreifen. Dank des innovativen Produkts „Energy Asset“, das bereits über ein Jahr bei Kunden in Betrieb ist, ist BKW auch in der Flexibilitätsvermarktung der Zeit voraus. Die Optimierung der Flexibilität der Kunden ist bei uns schon länger im Programm.

Trend 5: Raus aus dem EEG, rein ins PPA

Mit dem 20-jährigen Jubiläum des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nähert sich auch das Ende der fixen Einspeisevergütung für viele Altanlagen. Grund genug für viele Betreiber, sich erstmals mit den Bewirtschaftungsrisiken, wie Mengen-Preisrisiken, Ausgleichsenergierisken etc., zu beschäftigen. Erfahrene Marktteilnehmer, die sich schon seit Längerem mit diesen Risiken täglich auseinandersetzen, wittern einen grossen Markt und bieten langfristige Power Purchase Agreements (PPAs). Durch eine Preis- und Abnahmegarantie soll den Betreibern ein längerfristiges wirtschaftliches Auskommen bis 15 Jahre in die Zukunft gesichert werden. Marktteilnehmer wie BayWa r.e. erwarten sich durch die Übernahmen von solchen Risiken eine „angemessene“ Kompensation. Vorausgesetzt wird ein hoher Appetit auf Risiko, eine langfristige Marktsicht ist wünschenswert.

Altanlagen drängen in den freien Markt (Grafik: „Perspektiven für den Weiterbetrieb von Windenergieanalagen nach 2020“, WindGuard)

Trend 6: Die Zukunft der E-world ist mehrheitlich … Krawattenfrei

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Der legere Kleidungsstil hält Einzug auf der E-world… 

E-world: „Einzig der deutsche Staatssekretär Christoph Dammermann schert aus“ (Foto: https://twitter.com/MSEnterpriseDE/status/1093201660892069888)

Die Zukunft ist ungewiss. Nur eines steht fest, die nächste E-world kommt bestimmt und die BKW ist wieder dabei, ob mit oder ohne Krawatte…

Stefan Salzl

Stefan Salzl

Leiter Asset Structuring

  • Martin Bolliger