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Am Montag feierte Venture sein zwanzigjähriges Jubiläum. Seit nun zwei Jahrzehnten unterstützt Venture Jungunternehmer und Jungunternehmerinnen dabei, ihre Geschäftsideen in erfolgreiche Start-ups zu verwandeln. Beim diesjährigen Wettbewerb war BKW CEO Suzanne Thoma als Jurymitglied dabei. Im Interview gewährt uns die erprobte Businessfrau Einblick in ihre eigene Karriere und erklärt, warum auch die BKW auf Start-ups setzt.

Frau Thoma, Sie waren beim Venture Event in der Jury. Nach welchen Qualitäten suchen Sie bei einem Start-up?

Also ganz allgemein natürlich nach der Marktfähigkeit des Produkts oder der Dienstleistung. Und nach Hinweisen, ob das Jungunternehmen auch in der Lage ist, seine Idee umzusetzen. Sie muss realisierbar sein. Ohne Realitätscheck nützt eine gute Idee wenig.

Auch die BKW arbeitet mit Start-ups zusammen, im Rahmen ihrer Start-up-Initiative «Level-up». Was erhofft sich das Unternehmen davon?

Wir wollen ja nur bis zu einem gewissen Grad selber entwickeln. Die BKW selbst ist vielmehr eine Integratorin für Kundenlösungen. Unser Anspruch an die Zusammenarbeit mit Start-ups liegt darin, Ideen und Technologien, die bereits bis zu einem gewissen Grad entwickelt sind, aufzunehmen und in geeigneter Form ins Unternehmen zu integrieren. Seit Beginn der Start-up-Initiative gibt es nun schon einige Beispiele für die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie. Wie zum Beispiel unsere Zusammenarbeit mit Eturnity: Das Start-up hat eine Beratungsplattform für den effizienten Verkauf von Fotovoltaik-Systemen entwickelt, welche wir nun bei der Offertenerstellung für unsere modulare Energielösung Home Energy verwenden.

Die BKW will also mithilfe von Start-ups die Entwicklung von innovativen Energielösungen vorantreiben – In welchen Bereichen sehen Sie das grösste Potenzial dafür?

Ich sehe das grösste Potenzial dort, wo wir Kundenkontakt haben. Dort wo wir am Markt sind und Lösungen für unsere Kunden suchen, gibt es zahlreiche Möglichkeiten für eine erfolgreiche Kollaboration mit Start-ups.

…Sie sehen also bei der Kundenorientiertheit das grösste Potenzial. Oder ist es gar die grösste Not?

(lacht) Das ist jetzt eine freche Frage. Not ist sicher nicht das richtige Wort. Aber es sind schon der Gang raus in den freien Markt sowie die Kunden- und Kostenorientierung, wo wir noch Verbesserungspotenzial haben.

Momentan arbeitet die BKW mit mehreren Start-ups zusammen. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen? Hat sich die Initiative Ihrer Meinung nach für die BKW bereits gelohnt?

Mein Fazit ist positiv. Es hat sich gelohnt, in die Start-up-Initiative zu investieren. Es ist zwar noch kein Blockbuster-Produkt dabei entstanden, doch hat uns die Zusammenarbeit mit Start-ups sehr viel Inspiration gegeben. Und sie zwingt uns als BKW, die wir trotz allen Fortschritten, immer noch in manchen Bereichen kompliziert und behäbig sind, den Kulturwandel weiter zu treiben. Die Start-up-Initiative gibt uns die richtigen Impulse.

Sie haben es gerade selbst angesprochen: Die BKW ist strukturell geradezu das Gegenteil von einem Start-up. Wie schaffen Sie die Brücke zwischen diesen beiden Strukturen, um eine gewinnbringende Zusammenarbeit zu ermöglichen?

Wir haben noch viele Möglichkeiten, pragmatischer und agiler zu werden, ohne dass die Qualität und die Resultate schlechter würden. Oft ist es so, dass gerade pragmatische Lösungen auch besonders gut sind. Wir sollten diese Chance wirklich nutzen. Natürlich gilt das nicht für alle unsere Tätigkeitsgebiete im gleichen Ausmass und auf die gleiche Art. Wir bemühen uns generell, die Prozesse zu vereinfachen, weniger Weisungen zu haben und auch bei den Weisungen Spielraum für Entscheide der Vorgesetzten und Mitarbeitenden zu lassen, sodass man pragmatisch auf die jeweilige Situation reagieren kann. Übrigens, nicht alle mögen das. Es gab tatsächlich Reklamationen, dass zum Beispiel unser Spesenreglement zu wenig detailliert ausgefallen sei.

Und wie profitieren die Start-ups von dieser Zusammenarbeit mit der BKW?

Bei einer Zusammenarbeit bietet die BKW einem Start-up Zugang zu Markt, Kunden und Infrastruktur. Des Weiteren stehen viele Experten mit Know-How in verschiedenen Bereichen zur Verfügung, von welchem Start-ups profitieren können.  Die BKW ist natürlich auch eine gute Referenz für Start-ups und ihre Weiterentwicklung am Markt. Wir fungieren als Multiplikator.

Sie selbst haben Ihre Karriere grösstenteils in etablierten Unternehmen gemacht. Doch was viele nicht wissen: Auch Sie haben mal ein Start-up geleitet.

Ja das ist richtig. Rolic Technologies Ltd. heisst das Start-up und als ich dazukam, existierte es bereits seit drei, vier Jahren. Es ging darum, Technologien im Bereich Flachbildschirme marktfähig zu machen. Ich habe also schon Start-up-Erfahrung.

Und wenn Sie nun den Vergleich machen, was fägt mehr? Die Arbeit im Grossunternehmen oder im Start-up?

Nichts ist so toll wie die BKW, das möchte ich mal vorausschicken. Aber es gibt wichtige Unterschiede. In der Rolic damals ging natürlich alles viel schneller, die Kommunikationswege waren extrem kurz. Das lag aber auch am ökonomischen Druck. Einige Male wussten wir nicht, wie wir im übernächsten Monat die Löhne bezahlen würden. Die Toleranz für Verschwendung und unproduktive Meetings war sehr klein. Die Kollegen nahmen es richtig persönlich, wenn sie das Gefühl hatten, ihre Zeit werde verschwendet.

Wenn Sie heute neu beginnen müssten, könnten Sie sich vorstellen, selbst ein Start-up zu gründen?

(Thoma lacht) Wieso denn von vorne beginnen? Vielleicht gründe ich ja viel später einmal ein Start-up. Das ist ja nicht unbedingt nur jungen Leuten vorbehalten. Man muss lediglich jung im Geist sein und noch viel Energie haben.

Wie wahr. Und wenn Sie nun ein Start-up gründen würden, in welcher Branche würden Sie es ansiedeln?

Das kann ich so gar nicht sagen. Es müsste auf jeden Fall mit Technologie zu tun haben. Das ist der rote Faden, der sich durch mein Leben zieht. Ansonsten weiss ich nur, dass ich mir ein Gebiet suchen würde, das für die Menschen eine gewisse Bedeutung hat. Ich würde etwas machen wollen, was im Leben der Menschen einen Unterschied bewirkt. Diese Relevanz ist es auch, die mich bei der BKW immer weiter antreibt.

Ivana Jazo

Ivana Jazo

Redaktorin Digital Communications bei der BKW und verantwortlich für den Unternehmensblog