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Ein Haushalt verbraucht durchschnittlich zweitausend Kilowattstunden Strom pro Jahr, der Bauernhof gleich nebenan produziert mit seiner Solaranlage auf dem Dach hingegen 50mal so viel Strom. Auf den ersten Blick kein Problem – für unser Stromnetz jedoch eine grosse Herausforderung. Christophe Bossel, Leiter des Geschäftsbereichs Netze bei der BKW, beschreibt die neue Stromsituation folgendermassen. «War unser Stromnetz bis anhin gewohnt, Strom ‹von oben›, das heisst von grossen Kraftwerken zu erhalten, kommt nun durch den produzierten Strom der Solarzellen und der Wind­anlagen plötzlich Energie ‹von unten›, es herrscht sozusagen Gegenverkehr im Netz.»

BKW_Bossel_Nidau

Das Stromnetz wird intelligent

Gerade an sonnigen oder windreichen Tagen, an denen Solar- und Windanlagen voll produzieren, kann es zu starken Ungleichgewichten im Stromnetz kommen. Durch die teils umgekehrten Energie­flüsse – also den Gegenverkehr – wie auch durch die wetterbedingte, unplanbare Energieproduktion kommt es immer häufiger zu lokalen Überlastungen im Netz. Aus diesem Grund investiert die BKW in ein intelligentes Stromnetz, das so­genannte Smart Grid. «Bereits heute testen wir verschiedene smarte Technologien in unserem Netz», so Christophe Bossel. Mit einer aktiven Steuerung des Stromverbrauchs bei Unternehmen oder Haushalten, wie beispielsweise durch das flexible Einschalten von Boilern, können Kunden zukünftig von angepassten Strompreisen profitieren. «Damit können wir die Nachfrage dem Angebot anpassen.»

Neue Technologien für die Energiewende

Das intelligente Netz ermöglicht es der BKW, flexibel auf die Veränderungen zu reagieren. Es verteilt nun entweder die Stromflüsse anders oder es speichert die Energie zu einem gewissen Zeitpunkt, um die Lastspitzen auszugleichen. «Die neuen Technologien bewahren uns somit vor einem lokalen Stromunterbruch», sagt Christophe Bossel. Denn zu grosse Spannungsunterschiede führen dazu, dass die Kapazität des Netzes ständig zusätzlich belastet wird. «Wir setzen die neuen Technologien aber nicht flächendeckend ein, sondern nur dort, wo wirklich ein Bedürfnis besteht. Dadurch ist die Versorgungssicherheit gewährleistet, ohne die Kunden mit zusätzlichen Kosten zu belasten.»

Forschungsstätte für die Zukunft

Um die Energiewende aktiv mitzugestalten und dafür Produkte auf den Markt zu bringen, wurde in diesem Jahr das BKW Technology Center ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Hochschulen und Universitäten wird hier an innovativen Zukunftslösungen geforscht, wie beispielsweise der Stromspeicherung aus der Produktion von Solaranlagen. «Wir wollen die führende Energiedienstleisterin der Schweiz werden. Das bedeutet auch, dass wir frühzeitig neue Technologien und ihren Nutzen für unsere Kunden erkennen.»

Guy Hüsler

Guy Hüsler

Redaktor Digital Experience