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Auf dem idyllischen Spiezmoosweiher mitten im Naturschutzgebiet schwimmen Enten, Schwäne – und eine riesige Wasserspinne. Könnte man meinen. Doch das insektenartige Vehikel mit Armen und Saugrüssel ist eine neue Maschine der BKW. Warum dieser «Schwimmsaugbagger» nötig ist, erzählt der Leiter des Wasserkraftwerks Spiez, Hans-Ueli Sieber.

Seit zwei Wochen schwimmt ein neuer Saugbagger auf dem Spiezmoosweiher bei Spiez. Wofür braucht es eine solche Maschine?

Hans-Ueli Sieber, Leiter des Wasserkraftwerks Spiez

Hans-Ueli Sieber: Der Spiezmoosweiher ist ein künstlich angelegtes Staubecken, das durch die Kander und die Simme mit Wasser gespeist wird. Das Staubecken dient der flexiblen Regulierung des Kraftwerkes Spiez. Ohne Ausbaggerung des Spiezmoosweihers würde sich das Staubecken rasch mit Sedimenten und Sand aus den Flüssen füllen. Das Stauvolumen würde abnehmen bis das Becken verlandet.

Wie funktioniert der Saugbagger?

Der 35 Tonnen schwere Schwimmbagger – eine Art Schiff – hat eine schwenkbare Saugpumpe an einem hydraulischen Baggerarm montiert. Ein Fräskopf löst die Sedimente vom Seegrund und eine Pumpe saugt das Wasser-Sand-Gemisch an. Danach befördert sie das Material über eine schwimmende Abschwemmleitung bis in den Thunersee, der zirka zwei Kilometer entfernt ist. Seitlich hält der Bagger das Gleichgewicht mit zwei Schwimmarmen, hinten stützt er sich mit zwei weiteren ausfahrbaren Armen auf dem Beckengrund ab. All diese Arme steuern wir direkt aus der Führerkabine mit modernsten Armaturen.

Wie häufig steht der Bagger im Einsatz?

Praktisch täglich. Pro Jahr müssen wir rund 25’000 Kubikmeter Material in den See leiten, damit der Spiezmoosweiher nicht verlandet. Da wir mit dem neuen Bagger pro Stunde bis zu 450 Kubikmeter absaugen können, sind wir nun sehr gut ausgerüstet. Das heisst jetzt nicht, dass wir pro Tag acht Stunden à 450 Kubikmeter absaugen können. Viel Zeit beansprucht nämlich auch das Verschieben des Baggers in die jeweils richtige Position, aber auch regelmässige Wartungsarbeiten.

Der Bagger wird elektrisch betrieben, da sich der Weiher in einem Naturschutzgebiet befindet. Besteht die Gefahr, dass sich der Bagger im eigenen Stromkabel verheddert?

Tatsächlich wird der Bagger mit einem langen Stromkabel elektrisch betrieben – nicht wie üblich per Dieselmotor. Wir müssen das Kabel während der Arbeit schon im Auge haben. Da es aber mit gelben Schwimmkörpern versehen und zusätzlich an der Abschwemmleitung befestigt ist, sind wir schon sehr sicher. Das Stromkabel ist so auch geprüft und von den Behörden abgenommen.

Aufpassen müssen wir bei starkem Wind: Dann müssen wir die Leitungen zusätzlich am Ufer befestigen, da sonst der Schwimmbagger weggezogen werden kann.

Das Geschiebe kommt danach in den Thunersee. Ist dieser tief genug oder kann dieser am Ausfluss der Leitung verlanden?

Nein, der See ist gross genug. Jeder Fluss, der in einen See mündet, bringt viel Geschiebe über den natürlichen Flusslauf mit. Weil wir das Wasser in den Spiezmoosweiher ableiten, setzen sich die Sedimente einfach früher ab. Wir geben die Sedimente wieder dorthin, wo sie ohne Kraftwerk sowieso hingelangen würden.

Nicht auf jedem Stausee macht ein solcher Saugbagger Sinn. Warum hat die BKW gerade im Spiezmoosweiher einen im Einsatz?

Der Spiezmoosweiher ist nicht sehr tief, maximal 6 Meter. Bei grösseren Stauanlagen hat es meist einen Grundablass, über welchen regelmässig Seespülungen gemacht werden können. Der Spiezmoosweiher hat keinen Grundablass, nur eine Überlaufklappe. Zudem gelangen die Sedimente aus gleich zwei Bergflüssen in den Stausee. (Kander und Simme)

Wasserkraftwerk Spiez

Das ursprüngliche «Kanderwehr» entstand in den Jahren 1897 bis 1899. Die produzierte Energie diente der Stromversorgung der Umgebung, der Stadt Bern sowie der ersten elektrischen Normalspurbahn von Burgdorf nach Thun.

1903 erwarb das Elektrizitätswerk Hagneck das Kraftwerk Spiez und gründete die «Vereinigte Kander- und Hagneckwerke», den Ursprung der heutigen BKW. Das damalige Kraftwerk wurde zwischen 1982 und 1986 vollständig erneuert. Das Wasser der Kander und der Simme wird über den Ausgleichsweiher Spiezmoos auf die zwei Francisturbinen geführt.

Inbetriebnahme: 1899/1986
Installierte Leistung: 18.6 MW
Mittl. Jahresproduktion: 101 GWh
Gewässer: Kander/ Simme
Maschinen: 2x Francis
Gefälle: 65 m
Nutzwassermenge: 32 m3/s

Andreas Schmidt

Andreas Schmidt

Senior Communication Manager