Artikel teilen auf

Die BKW führt in diesem Winter einen Pilotversuch durch. Das Ziel: Dank intelligenten Thermostatventilen und intelligenten Algorithmen soll beim Heizen bis zu 25 Prozent Energie und bei fossilen Energieträgern auch CO2 gespart werden.

Draussen kalt, drinnen warm – Heizung sei Dank. In grossen Bürogebäuden, wie jenen des BKW Hauptsitzes am Viktoriaplatz, wird jedoch oft auch in Räumen geheizt, die nur unregelmässig genutzt werden, zum Beispiel in Sitzungszimmern. Hier stellt sich die Frage: Wer schraubt am Abend die Heizung runter, damit nicht umsonst geheizt wird? Die Antwort: (meist) niemand.

Dem soll ein Pilotversuch Abhilfe schaffen. Die Idee: Das manuelle Runterdrehen der Heizung entfällt, stattdessen übernehmen dies intelligente Thermostatventile und noch intelligentere Algorithmen. Damit werden Büro- und Sitzungszimmer präsenzorientiert gesteuert. Die These: Bis zu 25 Prozent Energie und, wo möglich, auch CO2 einsparen.

70 Thermostaten am Viktoriaplatz ausgerüstet

Entwickelt hat das neuartige Heizsystem das Start-up Cleveron AG aus Stettlen bei Bern. Die BKW hat im zweiten Stock des hinteren Bürogebäudes (HS2) rund 70 Thermostatventile respektive Radiatoren mit dem intelligenten Heizsystem ausrüsten lassen. «Neben dem eigentlichen Steuern des Radiators messen die intelligenten Thermostatventile mit Sensoren die Präsenz, Temperatur und Luftfeuchtigkeit in den Räumen», sagt Martin Kauert, Experte Product & Ecosystem Development, der bei der BKW für das Projekt verantwortlich ist.

Neben der Integration von baulichen Gegebenheiten und der aktuellen Wettervorhersage lernt ein Algorithmus zusätzlich auch die Nutzungsgewohnheiten kennen, respektive die Zeit, welche Mitarbeitende im Büro oder Sitzungszimmer verbringen. Entsprechend werde das Ventil gesteuert. Ein Beispiel: «Wenn am Freitagnachmittag kein Meeting im Sitzungszimmer stattfindet, wird nicht mehr geheizt und die Temperatur geht runter bis auf eine einstellbare Minimaltemperatur, zum Beispiel 19 Grad», sagt Martin Kauert. «Der Komfort der Mitarbeitenden soll dabei aber immer gewährleistet sein und hat oberste Priorität.» Deshalb werde der Raum automatisch und rechtzeitig wieder auf die Komforttemperatur von zum Beispiel 21 Grad erwärmt, wenn er für ein Meeting am Montagmorgen um 9 Uhr reserviert sei.

Bis zu 60 Prozent der Zeit werden Büros nicht genutzt

Auch in den normalen Büros regeln die intelligenten Radiatoren die Temperatur. Wenn zum Beispiel der erste Mitarbeitende um 7.30 Uhr erscheint, weiss der Radiator, dass er um 5.30 Uhr mit dem Heizen beginnen muss, damit die Komforttemperatur bis zum Arbeitsstart parat ist. Das clevere Heizsystem macht Sinn, wenn man bedenkt, dass knapp 50 Prozent des Primärenergieverbrauchs durch den Schweizer Gebäudepark beansprucht wird. Kommt hinzu, dass in bis zu 60 Prozent der Zeit Büros gar nicht genutzt werden.

Martin Kauert liefert eine weitere eindrückliche Zahl: «Um einen Raum 1 Grad aufzuwärmen, ist sechs Prozent mehr Energie nötig.» Dank CLEVERON könne diese Energie und der damit verbundene CO2-Ausstoss nun eingespart werden.

Einfach Energie sparen

Was war die Motivation für die BKW, an diesem Pilotversuch teilzunehmen? «Das Problem des ‹Heizens für niemanden› ist markant. Es gibt viele Bürogebäude aber etwa auch öffentliche Gebäude wie Schulen, die das Problem kennen», sagt Martin Kauert. Dabei könnte man sehr einfach Energie sparen. «Man wird nicht ‹geprügelt›, die Heizung abzuschalten und man muss keine App steuern. Alles geschieht automatisch. Energieeffizienz leicht gemacht.»

Der Pilot dauert noch bis im März. «Dann schauen wir, wie viel Energie wir gespart haben und ob das System auch andernorts kommerziell eingesetzt werden soll», sagt Martin Kauert.

Das ist die Cleveron AG

CLEVERON ist ein Start-up aus Stettlen, das ein intelligentes System für Radiatorenheizungen in Geschäfts- und Verwaltungsgebäuden entwickelt hat. Mit der B2B-Lösung von CLEVERON lässt sich die Raumtemperatur in jedem einzelnen Raum eines Gebäudes individuell und optimal steuern. Damit können Kosten und Energie gespart werden. CLEVERON leistet so mit seiner Technologie einen aktiven Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen. «Wir haben die Vision, einen Teil der grossen, öffentlichen Gebäude in der Schweiz und Europa wie Schulhäuser und Verwaltungsgebäude umweltfreundlicher zu machen. Damit uns dies gelingt, wollen wir Städte und Gemeinden überzeugen, ihre Gebäude möglichst schnell auf die CLEVERON-Technologie umzurüsten. Denn mit der Umrüstung leisten sie ab sofort einen konkreten Beitrag zur Klimarettung», schreibt das Unternehmen auf seiner Webseite www.cleveron.ch.

Markus Ehinger

Markus Ehinger

Senior Editor