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Das Klima leidet unter unseren Abgasen. E-Fahrzeuge gelten als grösste Hoffnung, um das Problem zu lösen. Doch viele haben immer noch Vorbehalte dagegen – meist zu unrecht. Ist Elektromobilität zu teuer? Gibt es zu wenig Ladestationen? Oder sind Elektroautos nicht genügend ökologisch?  Unser Experte Peter Arnet trennt Fakten von Fiktion.

 

1. Behauptung: E-Autos sind teurer als Verbrenner

Peter Arnet ist Leiter der BKW Smart Energy & Mobility AG und fährt selbst ein Steckerfahrzeug.

«Im Moment ist es so, dass Elektrofahrzeuge in der Anschaffung leicht mehr kosten», sagt Peter Arnet, Leiter der BKW Smart Energy & Mobility AG. «Ich denke aber, dass sie schon in ein, zwei Jahren gleich teuer sein werden wie Bezinfahrzeuge.» Schaue man nicht nur auf den Anschaffungspreis, sondern auf die Gesamtkosten, seien E-Autos bereits heute günstiger als herkömmliche Wagen. «Sie sind zum Teil subventioniert, so zahlt man weniger Steuern. Und meistens werden sie zu Hause aufgeladen, was viel günstiger ist als Benzin.» Auch bräuchten Elektrofahrzeuge weniger Service, so der Fachmann. «Ich habe bei meinem Tesla immer noch die ersten Bremsbeläge drauf, obwohl ich damit schon 270’000 km gefahren bin. Beim E-Auto braucht man die Bremsen praktisch nie, denn sobald man vom Gas geht, gibt es bereits durch die Rekuperation einen Brems-Effekt.»

 

2. Behauptung: Die Reichweite von Elektroautos ist zu gering
«Das war einmal», sagt Peter Arnet. «Seit 2020 haben E-Fahrzeuge eine Reichweite zwischen 300 bis 600 km. Das ist die Norm. Privatpersonen legen im Schnitt pro Tag im durchschnitt 38 Kilometer zurück.» Für Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen, ihren Fuhrpark auf Elektrofahrzeuge umzustellen, empfiehlt sich vorgängig der Flottencheck. Dabei wird von jedem Fahrzeug ein Datenreport erstellt, an dem sich ablesen lässt, ob sich das Umsteigen tatsächlich lohnt. Die längste Fahrstrecke mit einem Geschäftsauto, die dabei bislang gemessen wurde, betrug übrigens 250 Kilometer. Auch dort können die aktuellen E-Wagen-Modelle also in Sachen Reichweite problemlos mithalten.

 

3. Behauptung: Elektroautos verursachen mehr CO2 als Verbrenner
Es ist tatsächlich so: Die Batterie ist die Achillesferse eines E-Autos. Bei ihrer Produktion
fallen rund 20 Prozent mehr CO2 an als etwa bei einem Dieselfahrzeug. «Elektrofahrzeuge verursachen dafür aber im Betrieb nur die Hälfte des CO2-Ausstosses eines Benzinfahrzeugs. Künftig wird es sogar nur noch ein Drittel sein, weil immer mehr umweltfreundlicher Strom zum Laden verwendet wird», sagt Peter Arnet. Personen, die das Gegenteil behaupten, würden zur Begründung oft einen Strommix heranziehen, den es in der Schweiz in dieser schlechten Form sowieso nicht gebe.

 

4. Behauptung: Wir haben zu wenig Ladestationen
«Das stimmt nicht», sagt Peter Arnet. «In der Schweiz gibt es 4000 bis 5000 öffentliche Anlagen, die einem das Aufladen ermöglichen.» In 90 Prozent der Fälle reiche es aber sowieso, sein E-Auto zu Hause oder im Geschäft ans Stromnetz zu hängen. «Doch der Mensch hat immer Angst vor dem einen Tag im Jahr, an dem er nach Spanien fährt», meint Arnet schmunzelnd. Sein Rat: «Bei weiten Reisen einfach dort einen Kaffeehalt einplanen, wo es eine Schnellladestation hat. In 15 bis 30 Minuten ist man bereit zur Weiterfahrt.» Kompliziertes Planen ist dabei nicht nötig: «Meist sagen einem E-Fahrzeuge, wo man aufladen muss, wenn sie die Route zum Ziel berechnen.»

 

5. Behauptung: An den Ladestationen gibt es lange Warteschlangen
In diesem Punkt winkt Peter Arnet ebenfalls ab. «Wie gesagt: Es gibt genügend Ladestationen. Und sie sind noch lange nicht ausgelastet! Mich persönlich würde Stau freuen, denn das würde bedeuten, dass die Betreiber ausbauen, weil sie Geld verdienen können.» Im Moment gibt es in der Schweiz 200 bis 300 Bauprojekte für Ladestationen. «Irgendwann wird es vor jedem Einkaufszentrum oder Kino und an allen Tankstellen Ladesäulen geben», prognostiziert Arnet. So können Personen, die zu Hause oder im Geschäft keine Lademöglichkeit haben, noch einfacher an Strom für ihr E-Fahrzeug kommen.

 

 

E-Mobilität für Private, Immobilieneigentümer und -verwaltungen und Geschäftskunden

Planen Sie, auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen? Oder fahren Sie bereits elektrisch und möchten eine Elektro-Ladestation zu Hause, in Ihrer Einstellhalle, Ihrem Unternehmen oder Ihrer Gemeinde installieren? Wir bieten von der Erarbeitung Ihrer Lösung, der Evaluation des passenden Ladesystems über die Integration in Ihr Gebäude-Management bis zur Steuerung der Ladestationen alles aus einer Hand an. Weitere Informationen zu Smart Mobility finden Sie auf unserer Website.

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6. Behauptung: Batterien von E-Autos sind nicht recyclebar
«Das stimmt so nicht», sagt Peter Arnet. Weit über 90 Prozent einer Batterie seien wiederverwertbar. Zudem würden die Autohersteller grosse Recyclingwerke planen. «Im Moment kommen aber sowieso noch fast keine Batterien zurück, weil sie noch nicht verbraucht sind.» Und diejenigen, die zurückkommen, bekommen meistens ein zweites Leben. «Wir haben mit diesen Second-Life-Batterien an Autobahnen Anlagen in Containern gebaut. Sie dienen als Strom-Zwischenspeicher und können Schnellladestationen in Spitzenzeiten mit zusätzlicher Power versorgen. Die Batterien lassen sich so etwa noch zehn Jahre nutzen.» Für eine dieser Anlagen wurden in Glarus beispielsweise Batterien von Audi e-trons verwendet.

 

7. Behauptung: Das Aufladen von Batterien ist teuer
Es ist richtig: An Schnellladestationen werden weit höhere Strompreise erhoben als zu Hause. Aber wie häufig «tankt» man da schon Strom? Und wenn, wie oft füllt man voll auf? Wie bereits erwähnt, geschieht das Aufladen in 90 Prozent der Fälle zu Hause oder im Büro. «Im Schnitt zahlt man so für 400 Kilometer etwa 12 bis 15 Franken», sagt Peter Arnet. Äusserst günstig und dazu noch umweltfreundlicher fährt natürlich, wer zu Hause Solarstrom vom eigenen Dach bezieht. Wer mit dem Gedanken spielt: Mit dem Solarrechner lässt sich schnell und unkompliziert herausfinden, ob sich im eigenen Fall eine PV-Anlage auf dem (Garagen-)Dach rechnet.

Ökologisch optimal: Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert Sonnenstrom für das eigene E-Fahrzeug.

 

8. Behauptung: Die Rohstoffe für Batterien sind knapp
«Das ist zum Teil richtig», sagt BKW-Fachmann Peter Arnet. «Betroffen sind vor allem Kupfer und Kobalt. Das Lithium ist weniger ein Problem, denn dieses lässt sich auch aus Meerwasser gewinnen.» Das Thema betreffe aber nicht nur E-Fahrzeuge: «Auch bei normalen PWs werden Metalle, die knapp werden, verbaut. Die Hoffnung ruht auf der Forschung, die nach alternativen Stoffen sucht und auch grosse Fortschritte macht.» Ein Beweis dafür sei die Tatsache, dass bereits die Elektrifizierung von Schiffen und Flugzeugen diskutiert werde.

 

9. Behauptung: E-Autos sind weniger sicher als Benziner
«Im Gegenteil: Elektrofahrzeuge sind sicherer!», betont Peter Arnet. «Die meisten erfüllen diesbezüglich höchste Anforderungen und verfügen über zahlreiche Sicherheitssysteme. Diese leiten zum Beispiel automatisch eine Notbremsung ein oder verhindern durch Kameras und Sensoren Kollisionen.» Sollte es trotzdem zu einem Aufprall kommen, habe man bei Stromern keinen Motor vor den Beinen, der einen erdrücken könne. Ein weiterer Vorteil zu Benzinern: «Wenn ein E-Auto brennt, entsteht zwar grosse Hitze, aber es gibt keine Explosion. Und Brände sind viel seltener als bei herkömmlichen PWs.» Beispiel Tesla: Dort kam es laut eigenen Angaben in den USA zwischen 2012 und 2020 alle 330 Millionen gefahrene Kilometer zu einem Brand. Bei mit Benzin und Diesel betriebenen Fahrzeugen brannte es alle 30 Millionen zurückgelegte Kilometer – also elf Mal häufiger. Bei Elektrofahrzeugen gebe es zudem vorbestimmte Stellen, an denen Feuerwehrleute im Notfall die E-Leitungen kappen können. «Die Schweizer Feuerwehr ist in dieser Hinsicht geschult.» Gelöscht wird im Brandfall ganz normal mit Wasser. Grosse Abschleppfirmen verfügen zudem über Container, in denen beschädigte E-Fahrzeuge sicher gelagert werden können, bis von ihnen keine Brandgefahr mehr ausgeht.

 

10. Behauptung: Wenn alle auf E-Mobilität umsteigen, reicht der Strom nicht mehr
«Das ist Quatsch», so Arnet. «Wir haben das ausgerechnet. Wenn man heute alle Benzinfahrzeuge gegen E-Autos austauschen würde, würden in der Schweiz 10 bis 15 Prozent mehr Strom gebraucht. Für die Kraftwerke, die wir heute haben, ist das Peanuts.» Das Leitungsnetz hätte ebenfalls keine Probleme. «Nur der letzte Kilometer ins Gebäude ist die Herausforderung – und die Leistungsverstärkung zu den Trafostationen.» Das weil die Leitungen und Absicherungen in den Häusern oft sehr knapp bemessen sind.
Im Bezug auf die Zukunft und den Ausstieg aus der Kernenergie stellt sich die Frage, was die Politik macht und wie schnell die Schweiz etwa beim Zubau von Photovoltaik- und Windanlagen vorankommt. «Geht es nur langsam vorwärts, müssten wir unter Umständen mehr Strom aus dem Ausland importieren.»

 

11. Behauptung: Wasserstoff-Autos sind die bessere Lösung
«Das stimmt nicht», sagt Peter Arnet. «Wasserstoff wird seine Einsatzzwecke haben, er ist aber sehr teuer und hat eine schlechte Energiebilanz, weil die Umformung in elektrische Energie, die Speicherung und Kühlung viel Energie verbrauchen. PWs werden deshalb in Zukunft Elektrofahrzeuge sein.» Firmen würden auch zunehmend aus Wasserstoff-Pilotprojekten aussteigen, die Lastwagen betreffen, meint er weiter. «Doch bei Lkws, die sehr weit fahren, würden Elektro-Wasserstoff-Hybride Sinn machen. Dann könnte der erste Teil der Strecke die Batterieladung zum Einsatz kommen. Und wenn sie leer ist, könnte der zweite Teil mit dem Wasserstoffantrieb bewältigt werden.» Auch hier geht es also nicht ohne E-Faktor.

In Kooperation mit Blick.ch

In Kooperation mit Blick.ch

Beitrag aus blick.ch/green im Rahmen einer Zusammenarbeit der BKW mit Ringier