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Es ist kurz vor 20 Uhr abends. Langsam wird es etwas ruhiger in der Zentralen Leitstelle in Mühleberg. Doch die Schachteln mit den mittlerweile ausgekühlten Pizzas auf den Tischen im Kommandoraum deuten darauf hin, dass dieser 3. Januar alles andere als ein normaler Tag war.

Hinter vielen der Mitarbeitenden, die hier sind, liegen lange Stunden intensiver Arbeit. Von denen, die erst später dazugekommen sind, hätten einige noch Weihnachtsferien. Sie sind aber ebenfalls in die Zentrale Leitstelle (ZLS) gekommen, um ihre Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. Es ist der Wintersturm Burglind, der im Versorgungsgebiet der BKW Gruppe für zahlreiche Stromausfälle gesorgt hat und seither auch die Mitarbeitenden in der ZLS auf Trab hält.

Auch wenn es am Abend in der ZLS langsam wieder etwas ruhiger ist – die Pizzakartons deuten auf einen nicht ganz gewöhnlichen Tag hin.

Die Drähte laufen heiss

So auch Juan Pablo Fernandez, seit einem guten halben Jahr Betriebsingenieur bei der BKW. Heute beantwortet er am Telefon Kundenanfragen. Auch er hätte eigentlich noch Ferien. Aber als ihn seine Kollegen um Unterstützung gebeten haben, hat er nicht gezögert. Pablo, wie ihn hier alle nennen, ist französischer Muttersprache und so kümmert er sich vor allem um die Anrufe aus dem Jura, wo Burglind besonders gewütet hat. In einer solchen Ausnahmesituation stehen für die Störungsnummer zwanzig Linien zur Verfügung. Weil bis zu 40’000 Kundinnen und Kunden teilweise von den Versorgungsunterbrüchen betroffen waren, konnten trotz Sondereinsatz nicht alle Anfragen direkt entgegengenommen werden. Die Drähte laufen heiss und der eine oder andere Kunde hinterlässt eine Nachricht auf dem Telefonbeantworter. Nicht immer sind die aufgezeichneten Anrufe freundlich, manch einer ist mit seiner Geduld am Ende. Das bekommt manchmal auch Pablo am Telefon mit den Kunden zu spüren. Er aber bleibt ruhig, zeigt Verständnis, erklärt, man arbeite mit Hochdruck daran, die Stromversorgung überall wiederherzustellen – und werde dies dennoch nicht überall noch am selben Tag tun können.

Juan Pablo Fernandez gibt einem Kunden Auskunft. Kollege Daniel Stanciu schaut ihm über die Schultern und gibt Tipps für den Umgang mit dem Netzleitsystem.

Neues Leben für den alten Kommandoraum

Ruft statt einem französischsprachigen Kunden ein deutschsprachiger an, nimmt meistens einer der Kollegen oder Kolleginnen von Pablo den Anruf entgegen. Darunter auch Cattia Roduner, die früher in der ZLS gearbeitet hat. Jetzt ist sie Netzplanerin bei der BKW, doch in der heutigen Situation wusste sie, dass ihre ehemaligen Kollegen um jede Unterstützung froh sind und so hat auch sie sich von Bern nach Mühleberg, wo sich die ZLS befindet, begeben. Nun sitzt auch sie mit Pablo und weiteren Kollegen im ehemaligen Kommandoraum, der zur Meldestelle umgewandelt worden ist. Normalerweise ist es hier ruhig, es werden an ein oder zwei Plätzen Arbeiten am Netzleitsystem ausgeführt. Burglind hat dem alten Kommandoraum nun neues Leben eingehaucht und auch abends nach 20 Uhr klingelt im Minutentakt das Telefon. Normalerweise sind es die Dispatcher im heutigen Kommandoraum, die sich um die Kundenanrufe kümmern. Doch was Burglind verursacht hat, ist eine Ausnahmesituation. Die Dispatcher sind nun in erster Linie damit beschäftigt, durch Umschaltungen Kunden wieder ans Netz anzuschliessen. Oder sie koordinieren mit den Regionenleitern und den Monteuren draussen im Gelände die Reparaturarbeiten. Da ist es sehr hilfreich, wenn die Aufgaben aufgeteilt werden können und sich die Dispatcher ganz auf diese anspruchsvollen Arbeiten konzentrieren können.

Einsatz bei Wind und Wetter

Und da gab es während des Tages alle Hände voll zu tun. Dann waren bis zu 100 Monteure unter teils sehr schwierigen Wind- und Wetterbedingungen viele Stunden im Gelände am Arbeiten, um Leitungen zu reparieren und die Kunden möglichst bald wieder ans Netz anzuschliessen. Als um 20 Uhr die Nachtschicht in der ZLS beginnt, sind nur noch wenige Monteure draussen unterwegs. In der Nacht, bei dem teilweise noch immer stürmischen Wetter und bei Niederschlag ist die Arbeit draussen zu gefährlich. So können bis zum Ende des Tages leider nicht alle Kunden wieder mit Strom versorgt werden. Allerdings konnte inzwischen in der grossen Mehrheit der Gebiete die Versorgung wieder sichergestellt werden und die Zahl der Kunden ohne Strom ist auf 4’500 gesunken.

Anton Lüthi trägt die Kundenmeldungen im System nach und bereitet die Reparaturarbeiten des nächsten Tages vor.

Der nächste Tag wird vorbereitet

Schon in den frühen Morgenstunden werden die ersten Monteure wieder draussen im Einsatz sein. Damit sie schnell vorankommen und so eingesetzt werden können, dass möglichst schnell möglichst viele Kunden wieder am Netz sind, braucht es gute Planung. Das ist eine der Aufgaben für die Dispatcher in der Nachtschicht. Normalerweise sind dabei zwei Leute im Einsatz. Heute sind es doppelt so viele. Anton Lüthi ist einer von ihnen. Seit elf Jahren arbeitet er in der ZLS, aber Tage wie dieser sind ihm nicht manche begegnet. Nun, in der Nacht nach Burglind, arbeitet er die zahlreichen Kundenmeldungen, die während des Tages eingegangen sind, ab. Ein ganzer Haufen erfasster Meldungen liegt vor ihm. Er trägt sie im System nach, so dass dieses auf dem aktuellen Stand ist. Normalerweise geschieht dies laufend. Aber dieser 3. Januar war eben alles andere als normal. Und bei den vielen Reparaturarbeiten, die es in den nächsten Tagen auch dort zu koordinieren gibt, wo die Kunden schon längst wieder mit Strom versorgt sind, ist es gut möglich, dass bald wieder Pizzakartons im Kommandoraum der ZLS zu sehen sein werden.

Sabrina Schellenberg

Sabrina Schellenberg

Stellvertretende Leiterin Medienstelle bei der BKW