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Jeden Winter zieht Davos Nordic bis zu 18’000 Besucher ins Bündnerland. Die Langlaufrennen sind ein Beispiel, wie ein Grossanlass nachhaltig gestaltet werden kann.

 Es sind anmutige Szenen, die sich im Wald in Richtung Flüelatal abspielen. Mit gleichmässigen Bewegungen gleiten bunt gekleidete Athleten auf ihren Ski im Sonnenschein durch die verschneite Landschaft im Bündnerland, passieren mächtige Tannen, drehen Runde um Runde. Immer wieder.

«Bei solch perfekten Bedingungen schmerzt es schon, dass ich nicht selbst auf den Ski stehen kann», sagt Barbara Flury. Sie ist OK-Präsidentin der Internationalen Ski-Langlauftage Davos Nordic und gehörte in den Neunzigerjahren zu den besten Schweizer Langläuferinnen. Während die Elite trainiert, steckt die 47-Jährige mitten in den Vorbereitungen für den zweitägigen Anlass, der jeden Dezember bis zu 18’000 Besucher ins Bündnerland lockt und seit 1980 zum FIS-LanglaufWeltcup gehört. Flury und ihr Team versuchen wie schon ihre Vorgänger, Davos Nordic so nachhaltig wie möglich zu gestalten: «Da ich selbst diesen naturnahen Sport betreibe, ist es mir wichtig, der Umwelt so wenig wie möglich zu schaden.» So gibt es seit 2011 das Ressort für Umwelt und Nachhaltigkeit. Luft nach oben gebe es noch, meint Flury. «Aber wir versuchen im Rahmen unserer Möglichkeiten das Beste.»

Barbara Flury ist seit drei Jahren OK-Präsidentin von Davos Nordic. Früher war sie selber aktive Langläuferin. Sie setzt sich für einen nachhaltigen Anlass ein. (Foto: Gabi Vogt)

Das Davos-Nordic-OK will so lokal wie möglich agieren

Das beginnt schon mit der Anreise: Die Rhätische Bahn bietet mit der Aktion «Einfach für retour» Zugtickets zum halben Preis. So sollen die Besucher animiert werden, mit dem ÖV anzureisen.

Bei der Verpflegung lautet die Devise: so lokal, wie es geht. Das Essen stammt wenn möglich von regionalen Lieferanten. Die Milch beispielsweise kommt aus der Molkerei Davos. Angeboten werden die Esswaren auf kompostierbarem Geschirr. Auch bei der Infrastruktur wird Wert auf möglichst kurze Wege gelegt. Eine nahe Schreinerei liefert die Pfosten für das Zielgelände. Zudem nutzt das OK Synergien mit anderen Grossanlässen. Das grosse Verpflegungszelt wird nach dem Anlass nicht abtransportiert, sondern für den Spengler Cup, der etwas später stattfindet, nochmals eingesetzt.

Ein anderer wichtiger Punkt ist der Schnee und damit verbunden die Schneesicherheit. Diese garantiert die Gemeinde Davos mit dem sogenannten Snowfarming. Norbert Gruber, der Teil des Davos-Nordic-OK-Aus­schusses ist, hat diese Art der Konservierung in die Schweiz gebracht. Den Schnee, der im Winter mit den Schneekanonen produziert wird, formen sie zu einem Haufen und bedecken ihn mit einer dicken Sägemehlschicht. So bleibt er zu grossen Teilen erhalten und kann im Herbst wieder genutzt werden. Das Loipenteam achtet darauf, dass es den Schnee nur in den kältesten Wintermonaten produziert, wenn der Energieaufwand dafür am geringsten ist. In diesem Jahr wurden 20’000 Kubikmeter Schnee «übersommert». Damit konnten Gruber und sein Team auf Ende Oktober vier Kilometer Loipe präparieren, ohne bei herbstlichen Temperaturen die Schneekanonen nutzen zu müssen.

Norbert Gruber und sein Team achten darauf, mit den Schneekanonen nur in sehr
kalten Monaten Schnee zu produzieren, um so energieeffizient wie möglich zu sein.

Wie nachhaltig können eigentlich solche Grossanlässe organisiert werden? Mit dieser Frage beschäftigen sich Simona Degiacomi und Tanja Kreis vom Start-up Insembel in Silvaplana. Sie beraten Organisatoren und zeigen ihnen die Stärken und Schwächen ihres Events auf.

Mehrweggeschirr wäre ökologischer als kompostierbare Teller

Die Bündnerinnen geben Davos Nordic gute Noten: «Es gibt viele positive Punkte anzumerken.» Die vergünstigten ÖV-Tickets, das Einsetzen eines Ressorts für Nachhaltigkeit, die Berücksichtigung lokaler Lieferanten und Produzenten sowie die Nutzung von Synergien mit anderen Anlässen. Einen Verbesserungsvorschlag haben sie allerdings: «Die Einführung von Mehrweggeschirr wäre ein wichtiger Faktor, um die Abfallmenge zu reduzieren. Nach Ökobilanz ist dies die nachhaltigste Lösung im Verpflegungsbereich.»

Die BKW, die Hauptsponsorin von Davos Nordic ist und Swiss-Ski seit 2015 unterstützt, bringt ihre Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz mit ein. Sie hat ein Tool mitentwickelt, das den Organisatoren von Grossanlässen hilft, Verbesserungspotenzial zu erkennen. Man gibt beispielsweise ein, wie viel Energie ver­braucht wurde, und kann sich dann mit anderen Anlässen vergleichen. Auch Davos Nordic wird das Tool nutzen. Im Bereich Geschirr arbeitet die Gemeinde Davos bereits an einem Konzept für ein Mehrwegbecher-System, das nach ausgereifter Planung bei Grossanlässen wie Davos Nordic und dem Spengler Cup zum Einsatz kommen würde.

Davos Nordic und die BKW

Internationale Ski-Langlauftage: www.davosnordic.ch

Die Tourismusregion Davos Klosters: www.davos.ch

Langlauf / Swiss-Ski: www.swiss-ski.ch/langlauf

BKW als Sponsorin von Swiss-Ski: www.bkw.ch/swissski

SI Gruen

SI Gruen

Beitrag aus dem Magazin SI Grün der Schweizer Illustrierten im Rahmen einer Zusammenarbeit der BKW mit Ringier.