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Der Klimawandel ist in aller Munde. Netto Null CO2 ist die Forderung des IPCC, die durch die #fridayforfuture Jugend und die weltweiten Klimastreiks verstärkt wird. Martin Bolliger, Leiter des BKW Technology Centers, zeigt auf, wie dieses Ziel erreichbar wird – und wie Haushalte davon profitieren.

Eines vornweg: Das Ziel Netto Null CO2 ist ambitiös aber erreichbar. Erreichbar mittels Effizienzsteigerung beim Energieverbrauch und dem Ausbau der erneuerbaren Energiequellen. Die Elektrizitätsbranche ist herausgefordert, die Stabilität der Netze rund um die Uhr und über das ganze Jahr zu gewährleisten und den Strommix ohne fossile Energien bereit zu stellen.

Dekarbonisierung bedeutet die Elimination des CO2-Ausstosses. Dieses Treibhausgas wird bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Heizöl, Benzin, Diesel, Gas oder Kohle freigesetzt. Von Netto Null CO2 spricht man, wenn nicht mehr CO2 durch Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt wird, als im gleichen Zeitraum in Biomasse, Ozeanen, Böden und anderen Materialien dauerhaft eingelagert wird. In der Schweiz betrifft der CO2-Ausstoss die Bereiche Verkehr, Gebäudewärme, Industrie, Abfallwirtschaft und Landwirtschaft.

Die Elektrizität wird in der Schweiz aus Wasserkraft, Atomenergie und einem wachsenden Anteil an neuen Erneuerbaren bereitgestellt und ist deshalb Teil der Lösung der Klimakrise. Strom ermöglicht bei wichtigen Anwendungen eine grosse Effizienzsteigerung. Besonders grosses Potenzial liegt in der Elektrifizierung von Verkehr und Gebäudewärme. Und diese hat bereits begonnen.

Effizienz verdrängt Verschwendung

Technologien, die mit weniger Input den gleichen Nutzen stiften, setzen sich durch: Rund zwei Drittel der Energie wird in der Schweiz für die Heizung von Gebäuden und Warmwasser sowie für den motorisierten Strassenverkehr verbraucht.

 

 

In diesen Bereichen verbreiten sich effiziente Technologien, welche die herkömmlichen aus dem Markt verdrängen.

  1.  Elektrische Wärmepumpen verdrängen zunehmend Öl-, Gas- und direktelektrische Heizungen aus dem Markt. Weshalb? Die Wärmepumpe macht mit einer Einheit elektrischer Energie zirka vier Einheiten Wärme, indem sie drei Einheiten aus der Umgebungsluft, Grundwasser oder einem andere Umweltmedium bezieht. Hätte eine Wärmepumpe einen Kamin, würde gekühlte Luft herauskommen. Der Hausbesitzer spart Geld, weil er statt vier Einheiten Öl, Strom oder Gas nur noch eine Einheit Strom beziehen und bezahlen muss. Aus diesem Grund dominieren Wärmepumpen den Markt bei Neubauten und energetischen Sanierungen.
  2. Im Verkehr lösen Elektromotoren die Verbrennungsmotoren ab. Elektroautos liefern mit gleich viel Energie viermal mehr Antriebsleistung als Autos mit einem Verbrennungsmotor. Verbrennungsmotoren (man vermutet es schon aufgrund der Bezeichnung) verpuffen 80 Prozent der Energie als Wärme über das Kühlersystem und den Auspuff, weniger als 20 Prozent der Energie wird in Fahrleistung umgesetzt. Inzwischen setzen alle namhaften Autohersteller auf die neue Technologie und das Angebot wird laufend breiter und interessanter.

Energieeffizienz heisst auch, haushälterisch mit dem Geld umzugehen

Der Ersatz fossiler Energieträger durch effiziente und erneuerbare Lösungen im Bereich Mobilität und Wärme ist ein Schlüssel dazu, den Energieeinsatz und den CO2-Ausstoss massiv zu verringern und Kosten zu sparen. Weniger Energie wird gebraucht und diese kann aus CO2-neutralen, erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden.

Jeder Haushalt, der diese Entwicklung vom ineffizienten Einsatz fossiler Energieträger hin zum effizienten Einsatz von Elektrizität macht, spart nicht nur Energie, CO2 und

Geld, sondern ist Teil der Lösung der Klimakrise.

 

Fortsetzung folgt… Erneuerbare verdrängen fossile Energieträger

Wenn auch nicht von heute auf morgen – mittelfristig sind wir auf einem guten Weg, fossile Energieträger durch Effizienzsteigerung und Erneuerbare zu ersetzen. Die aktuelle Entwicklung zeigt ein Wachstum bei Solar, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Geothermie sowie Stilllegungen bei Atom- und Kohlekraftwerken. Mehr dazu lesen Sie am Dienstag, 9. April 2019, im BKW Blog.

Das BKW Technology Center

Martin Bolliger, der Autor dieses Blogbeitrages, leitet das BKW Technology Center. Dieses konzentriert sich seit 2014 auf Forschungsthemen entlang der Megatrends Dezentralisierung und Dekarbonisierung der Energieproduktion. Von besonderem Interesse sind die Auswirkungen der Megatrends auf das

  • elektrische Verteilnetz
  • Gebäudetechnik inklusive Mobilität
  • Neugestaltung von Geschäftsmodellen und Rollen

Konkrete Themen der Projekte waren Speicher und Flexibilität, Digitalisierung und Smart Grid, Sektorkopplung und Power2X, Blockchain und lokaler Handel, Contracting, Solarenergie, HomeEnergy, Kreislaufwirtschaft, Elektromobilität, Eigenverbrauchsoptimierung etc.
Im Rahmen der Swiss Competence Centers of Energy Research #sccer wurde gemeinsam mit den Hochschulen viel neues Wissen geschaffen, das von der Industrie umgesetzt werden kann.

Martin Bolliger

Martin Bolliger

Martin Bolliger ist Leiter des BKW Technology Center und befasst sich dort mit verschiedenen Aspekten der Energiezukunft. Seine Schwerpunktthemen sind Solarenergie, Speicher und Elektromobilität. Er fährt seit 20 Jahren mit Elektroautos und Velos mit Stromunterstützung.

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