Energiethemen sind abstrakt und technisch. Sie werden auf der grossen politischen und wirtschaftlichen Bühne diskutiert und die eigentlichen Probleme verschwinden oft hinter langen Debatten. Dabei ist jeder Einzelne von uns tagein tagaus mit dem Thema Energie konfrontiert: Vom allmorgendlichen Antippen der Espressomaschine, dem Starten des Dieselmotors bis zur automatischen Aktivierung der Nachtabsenkung der Heizung und dem rundsteuerungsgeschalteten Erhitzen des Warmwasserboilers. So verbrauchen wir zwei Drittel der gesamten Energie im Haushalt und im Verkehr, ohne dass sich die meisten Menschen dessen bewusst sind.

Wollen wir die Energiewende anpacken, müssen wir dies dort tun, wo sie am greifbarsten ist: im täglichen Leben. Das Gebäude, wo sich das alltägliche Leben abspielt, ist kein abstraktes Konstrukt, sondern der Ort, den wir am besten kennen. Hier setzen wir bei der BKW an mit unseren Bestrebungen.

Im BKW Technology Center fördern wir die Entwicklung neuer Technologien und deren Nutzung im Alltag. Die Grundlage dafür ist das Verständnis des Systems und die Bereitschaft, Technologien neu einzusetzen. Oft besteht die Lösung nicht darin, das Rad ganz neu zu erfinden, sondern in einer geschickten Kombination von Bestehendem.

Das Gebäude übernimmt wichtige Funktionen im Energiesystem – vom Kraftwerk bis zur Tankstelle

Das Energiesystem ändert sich radikal. Das Gebäude, seine Subsysteme und seine Bewohner stehen im Zentrum dieses Wandels. Gegenwärtig hat das Gebäude einen wesentlichen Anteil am Energieverbrauch, aber damit auch ein grosses Energiesparpotenzial durch Effizienzgewinn. Im Laufe der Dezentralisierung des Energiesystems wandelt sich jedoch auch die Funktion des Gebäudes: Es wird vom reinen Energieverbraucher zum Kraftwerk und zum Energiespeicher. Ausserdem wird es zur Ölquelle und zur Tankstelle und bildet die energetische Verbindung zur Mobilität.

Heizung und Mobilität müssen effizient und CO2-arm werden

Ein Haushalt verbraucht fürs Autofahren und Heizen rund drei Mal mehr Energie als für das Duschen, Kochen, Waschen, die Beleuchtung und Unterhaltungselektronik zusammen. Weil für die Deckung dieser grossen Energiemenge eine hohe Energiedichte vorteilig ist, wird traditionell Öl, Gas und Benzin für Heizung und Mobilität eingesetzt, mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Klima. Die Energiestrategie schreibt vor, den Energieverbrauch und CO2-Ausstoss über Effizienzsteigerung und Dekarbonisierung in den Griff zu kriegen. Das heisst konkret, dass grosse Mengen fossiler Energien durch weniger Energie aus erneuerbaren Quellen ersetzt werden müssen. Logisch, dass Strom aus Wasser, Wind und Sonne ideal ist, um dies zu tun. Doch schaffen wir das auch beim Auto und der Heizung?

Effiziente Technologien setzen sich durch und ersetzen viel fossile Energie mit wenig erneuerbarer

Für energieeffizientes und CO2-neutrales Heizen setzt sich seit mehr als einem Jahrzehnt die Wärmepumpe als Standardtechnologie durch. Sie macht gleichviel Wärme wie eine Ölheizung mit drei Mal weniger Energieverbrauch. Der benötigte Strom kommt vom Netz bzw. aus der Solaranlage am Gebäude. Jährlich werden in der Schweiz rund 20’000 neue Wärmepumpen und 10’000 Solaranlagen installiert. Smart gesteuert bringen sie die Trends Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung zusammen und machen sie gemeinsam zukunftsfähig.

Dass auch das Auto vermehrt mit Solarstrom betrieben wird, ist nur möglich, weil elektrische Autos ebenfalls rund drei Mal weniger Energie brauchen als solche mit konventionellem Antrieb. Die Energieeffizienz des Elektroantriebs ermöglicht dessen Versorgung mit erneuerbarer Energie. Aufgeladen werden die Akkus an der Steckdose. Seit Jahren revolutioniert Tesla den Premium Markt mit seinen Limousinen. Auch die übrigen Hersteller ziehen mit: Über 40 rein elektrische Modelle stehen in der Schweiz zur Verfügung, mehr als 20 davon haben eine Reichweite von über 200 Kilometern. Hinzu kommen über 30 Plug-in-Hybride, die ebenfalls an der Steckdose aufgeladen werden und für längere Strecken über einen Verbrennungsmotor verfügen.

Die Energiewende hat begonnen – und wir sind Teil davon

Das Gebäude ist das Herzstück der Energiewende. Es übernimmt die Funktionen von Kraftwerk, Speicher, Tankstelle und Ölquelle. Hier kann jeder von uns nachhaltig, effizient und erneuerbar leben, von der LED Beleuchtung bis hin zum Elektroauto. Die grossen Energieverbraucher und CO2-Produzenten Heizung und Mobilität werden gerade jetzt dank neuer Technologien revolutioniert und wir alle können Teil dieser Revolution sein. Denn sie findet in unserem Zuhause statt.

Martin Bolliger

Martin Bolliger

Martin Bolliger ist Leiter des BKW Technology Center und befasst sich dort mit verschiedenen Aspekten der Energiezukunft. Seine Schwerpunktthemen sind Solarenergie, Speicher und Elektromobilität. Er fährt seit 20 Jahren mit Elektroautos und Velos mit Stromunterstützung.