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Die Corona-Krise hat Auswirkungen auf die Zentrale Leitstelle (ZLS) der BKW. Die ZLS steuert und überwacht das Stromnetz der BKW sowie Unterstationen, Trafoanlagen und Kleinwasserkraftwerke. Erstmals in der Geschichte der BKW betreibt die ZLS über längere Zeit aktuell eine Notleitstelle.

20’000 Kilometer lang ist das Stromnetz der BKW. Es erstreckt sich von der französischen Grenze über den Jura bis ins Berner Oberland und versorgt mehr als eine Million Menschen mit Strom – rund um die Uhr – auch in Zeiten der Corona-Krise. Überwacht wird das Verteilnetz aus der hochmodernen Zentralen Leitstelle (ZLS) vor den Toren des Kernkraftwerks Mühleberg.

Während im Januar 2018 in der ZLS wegen des Sturms Burglind emsiges Treiben herrschte, zeigt sich derzeit ein völlig anderes Bild: Es ist ruhig in der Leitstelle. Wegen der Corona-Krise arbeitet der Grossteil der 50-köpfigen Belegschaft von Zuhause aus. «Corona bedeutet für uns vor allem Isolation», sagt Stephan Schmitt, Leiter der Netzleitstelle. In der Leitstelle stünden momentan nur jene Mitarbeitenden im Einsatz, die für den täglichen Betrieb zwingend nötig seien, also die Dispatcher. Sie verantworten die Überwachung und Fernsteuerung von Mittel- und Hochspannungsnetzen sowie von Wasserkraftwerken und stehen mit Kundinnen und Kunden bei Störungen in Kontakt. Ebenfalls vor Ort ist ein Pikettingenieur.

Notleitstelle in Betrieb

Die Netzleitstelle hat die Corona-Krise schon früh antizipiert. Bereits am 16. März ging deshalb die Notleitstelle, welche sich mehrere Kilometer von Mühleberg entfernt befindet, in Betrieb. «Bisher nutzten wir die Notleitstelle nur während einzelner Tage, etwa während einer Übung», sagt Stephan Schmitt. In der Geschichte der BKW sei die Redundanz noch nie so lange Zeit wie jetzt in Betrieb gewesen. Er betont, dass die ZLS-Mechanismen gut spielen, «wir waren gut vorbereitet». Dies ist wichtig, denn die Stromnetze gelten als kritische Infrastruktur in einer ausserordentlichen Lage. Deren Betrieb ist entsprechend aufrechtzuerhalten.

Kommunikation als grösste Herausforderung

An einem normalen Tag arbeiten sechs Leute sowie ein Pikettingenieur in der ZLS – in der Nacht sind es zwei und der Pikettingenieur ist Zuhause auf Abruf. «Jetzt, während der Corona-Krise, ist eine Gruppe von sieben Dispatchern in die Notleistelle eingeteilt. In Abhängigkeit des Schichtplans arbeiten in der Folge bis zu drei Dispatcher gleichzeitig in der Notleitstelle, während die Dispatcher in Mühleberg die übrigen Schichten übernehmen», erklärt Schmitt.

Weil alle Dispatcher nun an zwei verschiedenen Standorten die gleiche Arbeit ausführen und sich ergänzen müssen, sei die Kommunikation eine der grössten Herausforderungen. «Doch diese Herausforderung meistern meine Mitarbeitenden sehr gut», sagt Schmitt.

Kein Homeoffice für Dispatcher

Ein wichtiger Punkt für die Leitstelle ist die Cyber-Sicherheit: Die hochmoderne Technik in der Zentralen Leitstelle muss gegen Cyber-Angriffe geschützt sein: «Wir können unser System deshalb nicht gegen aussen öffnen, entsprechend ist Homeoffice für die Dispatcher unmöglich. Sie müssen zwingend vor Ort sein», erklärt der Leiter der Netzleitstelle.

Positiv ist, dass die schweren Winterstürme vorbei sind, so dass es derzeit wenig Störungen gibt. Ansonsten herrscht «Business as usual». Bei einem Stromausfall wird der Pikettmonteur im betroffenen Gebiet informiert. Er klärt dann vor Ort ab, was passiert ist. Die Prozesse der Leitstelle für die Dispatcher sind praktisch unverändert, «das läuft ganz normal wie immer», sagt Schmitt.

«Wir sind zufrieden wie es läuft»

Corona bringt Stephan Schmitt nicht aus der Ruhe, er wirkt entspannt. Das überrascht nicht, sagt er doch, dass die Corona-Krise auf die Steuerung des Netzes keine Auswirkungen habe. Seinen Mitarbeitenden in den beiden Leitstellen und im Homeoffice windet Schmitt ein Kränzchen: «Die Leute sind alle sehr positiv eingestellt und stellen sich der besonderen Herausforderung. Das freut mich sehr.»

Markus Ehinger

Markus Ehinger

Senior Editor