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Philipp Reust (links) und Michael De Martin.

Michael De Martin, Co-Geschäftsführer der ADZ, zählt zu den führenden Köpfen, wenn es um die Digitalisierung der Schweizer Baubranche geht. Und er spricht Klartext. «Die Digitalisierung hält in der Schweizer Baubranche zu langsam Einzug. Viele nehmen es zu gemütlich.» Dabei gibt es bereits genügend Technologien, allen voran Building Information Modeling – kurz BIM.  

Sein Unternehmen hat bereits 2004 das erste Projekt geleitet, bei dem ein 3D-Modell explizit vom Architekten verlangt wurde. «Der Wunsch für den Umstieg auf 3D-Modelle kam damals schon vom Kunden. Allen voran von Bauherren, die international tätig sind und heute solche 3D-Modelle mit BIM-Standard auch in der Schweiz einfordern. Das kommt uns entgegen, denn wir stehen voll und ganz hinter BIM», erklärt De Martin.

« Eine Fachperson, die einmal BIM angewendet hat, wird nie wieder ohne arbeiten wollen.»

Philipp Reust stiess vor einem halben Jahr mit dem Auftrag zur ADZ, die Digitalisierung bei der BKW Antec Group voranzutreiben. Auch er schlägt in die gleiche Kerbe: «BIM vereinfacht ein Projekt sehr. Ich bin überzeugt, dass in zehn Jahren selbst kleine Projekte wie Einfamilienhäuser mit Unterstützung dieser Technologie gebaut werden. Eine Fachperson, die einmal BIM angewendet hat, wird nie wieder ohne arbeiten wollen.»

Alles spricht für BIM

Die Baubranche hat heute nicht den besten Ruf: oft liest man, dass sie zu fehleranfällig, zu träge und zu wenig transparent sei. «BIM ist eine riesige Chance, um mit diesen Vorurteilen aufzuräumen», ist De Martin überzeugt: «Wer baut, wünscht sich Sicherheiten. Ein 3D-Modell des Bauwerks ist für den Auftraggeber zu Projektbeginn eine wichtige und verständliche Entscheidungsgrundlage. Wir können zudem während des Projekts schnell auf mögliche Änderungswünsche reagieren.»

Mit BIM arbeiten alle, die für den Bau eines Gebäudes im Einsatz sind, auf derselben Grundlage. Alle Beteiligten haben dieselbe Sicht auf das Projekt und immer die neuste Version vor Augen. Auf der Baustelle minimiert dies die Fehlerquelle erfahrungsgemäss enorm. Viele Bauherren fordern heute BIM explizit ein. Vor allem weil der besseren Qualität keine Mehrkosten gegenüberstehen. «Mit der klassischen Planung auf Papier kam es früher während der Installationsphase oft zu Koordinationsproblemen zwischen den involvierten Parteien. Daraus resultierten Mehraufwand und Mehrkosten», beschreibt Reust. Mit BIM gibt es diese Koordinationsprobleme nicht. Die Planungskosten sind im Gegenzug jedoch höher. Daher ist es momentan noch ein Nullsummenspiel –mit Potenzial auf langfristige Kosteneinsparungen, sobald die Technologie etabliert ist.

Die BKW will den Vorsprung nutzen

Viele Schweizer Ingenieure haben sich in den vergangenen Jahren nur vorsichtig an BIM herangetastet. Dadurch hat sich ADZ und die Antec Group mit ihrem beherzten Einsatz einen wesentlichen Vorsprung erarbeitet. De Martin schätzt ihn auf fünf Jahre: «BIM wird immer gefragter. Unsere langjährige Erfahrung ist deshalb ein grosser Vorteil gegenüber unseren Mitbewerbern. Dank der Unterstützung der Antec Group und der BKW können wir diesen Vorteil wahren und ausbauen».

ADZ und die Antec Group vernetzen sich zum Thema nicht nur intern, sondern mit Forschungszentren in der ganzen Welt. Die Antec Group pflegt zudem Kooperationen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz, die als Innovationsquelle für Digitalisierung im Bauwesen gilt. Damit positionieren sie auch die BKW als Expertin für BIM und bilden Mitarbeitende weiter – ganz im Sinne unserer Kunden.

Was ist BIM?

BIM steht für «Building Information Modeling» und ist eine Technologie, mit der ein digitales 3D-Modell eines Gebäudes hergestellt werden kann. Im 3D-Modell sind sämtliche relevanten Baueinheiten eines Gebäudes nicht nur modelliert und erfasst, sondern auch mit Informationen versehen. Klickt der Bauherr zum Beispiel auf ein Rohr, erfährt er sofort, wozu das Rohr dient, wie lang es ist und aus welchem Material es angefertigt wurde. So haben Architekt, Planer und Installateure dieselbe Sicht auf das zu bauende Gebäude.

Antuan Pace

Antuan Pace

Kommunikationsmanager bei der BKW