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Das EPFL-Spin-off SThAR benutzt riesige Mengen an Telekommunikationsdaten, um herauszufinden, wie sich Menschen bewegen und wo und wann eine Botschaft am effektivsten abgesetzt werden kann. SThAR-CEO Alberto Hernando sieht auch in der Energiebranche eine mögliche Anwendung seiner Technologie.

Das Startup SThAR entwickelt Big Data Algorithmen basierend auf einer Wissenschaftsdisziplin namens «Social Thermodynamics». Mit ihren Algorithmen kann man Migrationsströme sowie das Bevölkerungswachstum berechnen, aber auch Menschenansammlungen vorhersehen. Mithilfe von festgestellten Korrelationen zwischen Population und Migration kann SThAR mit seiner Technologie Prognosen machen – und das bis zu 15 Jahre in die Zukunft.

Für die Erhebung der Daten nutzt SThAR die Angaben von Mobilfunknutzern. Diese Daten zeichnen eine Art Karte, die zeigt, wo überall Menschen unterwegs sind und wo sie sich hin bewegen. Dabei ist trotz «Big-Brother-Feeling» aber alles anonym. Keiner kann wiedererkennen, wer die Mobilfunkdatennutzer sind. Sie erscheinen nur als Daten, bis zur Unkenntlichkeit anonymisiert.

Eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten

Mit der Technologie von SThAR lässt sich beispielsweise berechnen, wann und wo eine Botschaft am effektivsten abgesetzt werden kann. Der Erfolg setzt dann ein, wenn SThAR Menschen findet, die zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind und die veröffentlichte Information aufnehmen können. Bisher hat sich das Startup vor allem auf Marketingaktivitäten konzentriert. Besonders Wahlkampagnen können mithilfe dieser Technologie geführt werden. So konnte SThAR bei regionalen Wahlen und bei Präsidentschaftswahlen in Spanien bereits erste grosse Erfolge verbuchen, als es mit seiner Methode dem klassischen Campaigning klar überlegen war, wie die Auswertung gezeigt hat.

Da die Algorithmen auf Mobilität und Kommunikation basieren, können sie aber ebenso gut in anderen Kontexten eingesetzt werden. SThAR sieht vor, seine Technologie in Zukunft für Verkehrsvorhersagen und -steuerungen

SThAR-CEO Alberto Hernando, Foto: Alain Herzog

zu nutzen, oder auch bei der Planung von öffentlichen Verkehrsnetzen. Man könnte mit der Technologie auch die geeignetsten Standorte für Geschäfte und Restaurants bestimmen. Viele verschiedene Einsatzgebiete sind denkbar, darunter auch die Energiebranche.

Nutzen für die Energiebranche

Das Startup sieht auch eine mögliche Anwendung ihrer Technologie in der Energiebranche. So könnte man mit ihrem demografischen Modell berechnen, wie viel Energie die Menschen in Zukunft brauchen werden. Und auch wo genau diese Energie gebraucht wird. Mit diesem Wissen kann man ein optimiertes Energienetz für die Zukunft bauen, das Energie genau dorthin liefert, wo sie in einigen Jahren gebraucht wird. Je nach Datenmenge können solche Berechnungen lokal, innerhalb einer Stadt oder einer Region, aber auch global erfolgen. Damit liesse sich eine der grössten Herausforderungen der Energiebranche optimieren: Das Smart Grid. Denn wenn man weiss, wie die demografischen Verhältnisse in 10 bis 15 Jahren aussehen werden, kann man das intelligente Netz entsprechend planen und umsetzen.

Doch bis es so weit ist, wird wohl noch etwas Zeit vergehen. Denn SThAR konzentriert sich fürs Erste auf die Optimierung von Marketingaktivitäten. Dieses Geschäftsfeld ist schnelllebig und agil, genau das Richtige für ein junges Startup, das möglichst schnell viele Erfahrungswerte sammeln will.

Ein langer Weg

Bei unserem Gespräch zeigt sich Alberto von SThAR optimistisch. Ihm ist zwar bewusst, dass es keine Garantie gibt, dass sein Startup langfristig erfolgreich sein wird. Doch er ist sichtlich mit ganzem Herzen dabei und lässt sich nicht so leicht vom Weg abbringen, auch wenn es ein langer Weg wird. Als EPFL-Spin-off und Teil der Startup Community kann SThAR aber auf viel Unterstützung bauen. Das Förderprogramm Venturekick hat das Startup noch in diesem Jahr mit 130’000 Franken Förderkapital ausgezeichnet. Mit Venturelab konnte Alberto vor Kurzem sein Startup in den USA vorstellen und sein Business Modell vor potenziellen Investoren pitchen. Damit hat er schon einen Fuss im grössten Markt der Welt. Und da in den USA die Präsidentschaftswahlen vor der Tür stehen, liegt es nahe, dass sein Modell Anklang findet. Für Alberto wäre das der grösste denkbare Erfolg für sein junges Startup: Eine Kampagne für eine der grössten Demokratien der Welt zu unterstützen. Hoffen wir, es klappt.

STHAR

SThAR ist nun etwas über ein Jahr alt, doch erst seit Januar 2016 offiziell als Startup eingetragen. Dahinter stehen die vier Gründer Marius Wehrle, Miroslav Sulc, Ricardo Hernando und sein Bruder Alberto Hernando. Die SThAR Technologie, Social Thermodynamics Applied Research, basiert auf mathematischen Modellen, welche von der theoretischen Physik abstammen und auf die Gesellschaft übertragen wurden. Um die jeweiligen lokalen Gegebenheiten zu simulieren, müssen diese Modelle mit Daten, zum Beispiel von Mobilfunknutzern, gefüttert werden. Die Daten werden anonymisiert, aggregiert und verschlüsselt, so dass die Privatsphäre der Nutzer zu jedem Zeitpunkt garantiert ist. Die SThAR Technologie kann dann kollektives menschliches Verhalten erkennen und verstehen. Erst mit der Kombination aus Daten und Algorithmen lässt sich ein demografisches Modell zeichnen und Vorhersagen bestimmen.

BKW STARTUP INITIATIVE

Die BKW sucht umsetzungsstarke Startups für die gemeinsame Entwicklung von innovativen Energielösungen. Mit der Initiative «Level-up» bietet die BKW verschiedene Plattformen, um die Businessfragen von heute und morgen zu lösen. #startupBKW

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Ivana Jazo

Ivana Jazo

Redaktorin Digital Communications bei der BKW und verantwortlich für den Unternehmensblog