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Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Wer zügelt, ist rechtlich verpflichtet, seinen Stromanbieter zu informieren. Viele vergessen das aber, was finanzielle Folgen hat. Eine digitale Neuerung soll das ändern.

«Ich bin ein Querdenker», sagt Luc Hermin­jard und schmunzelt. Der ETH-Ingenieur aus dem Welschland hat mehrere Firmen aufgebaut, darunter Orange Schweiz und die Ombudsstelle für Telekommunikation. Inzwischen ist er Business Development Manager für das Verteilnetz der BKW – und tüftelt dort an neuen Ideen. Eine davon ist die automatische Umzugsmeldung. Inspiriert wurde sie durch eine Auswertung der Callcenter-Anrufe. «Ein Drittel dreht sich um Probleme, die wegen eines Umzugs entstehen», sagt Herminjard.

Beispielsweise melden sich Mieterinnen und Mieter, die plötzlich merken, dass sie noch für Strom aus der alten Wohnung bezahlen, weil sie sich nicht korrekt abgemeldet haben. Dabei wäre das rechtlich ihre Pflicht: «Sowohl Mieter als auch Liegenschaftenverwalter oder Hausbesitzer sind gesetzlich verpflichtet, ihrem Energieanbieter mitzuteilen, wenn es irgendwelche Änderungen gibt. Und zwar im Voraus», betont Luc Herminjard.

Hierzulande gibt es über zwei Millionen Mietwohnungen und 630 Verteilnetzbetreiber. Jährlich zügeln in der Schweiz zwölf Prozent der Einwohner. Deren Meldeversäumnisse kosten die Stromnetzanbieter rund acht Millionen Franken. Bei den Immobilienfirmen sind es laut Herminjard rund sieben Millionen Franken. Viel Geld, das er mit der automatischen Umzugsmeldung einsparen will.

«Mit dieser Neuerung kann man viel Ärger vermeiden.»

Das Prinzip ist clever: Herminjard hat eine digitale Schnittstelle geschaffen, über die Softwares von Immobilienfirmen mit denjenigen der Verteilnetzbetreiber kommunizieren können. Auf Wunsch vollautomatisch oder in kleinerem Rahmen auch nur per E-Mail.

Luc Herminjard

So können Liegenschaftenverwaltungen, die Zügeltermine ja stets im Voraus kennen, im Handumdrehen Verteilnetzbetreiber updaten. Diese wiederum sind so in der Lage, die Mieter im Voraus via E-Mail oder SMS um eine Umzugsbestätigung zu bitten. «Die brauchen wir zwingend, weil ein Vertrag aufgelöst wird», sagt Herminjard.

Getragen wird das in der Schweiz bislang einmalige Projekt vom Start-up Swisseldex, wo Luc Herminjard im Verwaltungsrat ist. Das Schwierigste an der Umsetzung sei nicht die Technik. «Es braucht bloss einen Router und wenige Programmierer.»

Menschen zu überzeugen, etwas anders zu machen als bisher, sei die Herausforderung. Bis jetzt ist ihm das jedoch sehr gut gelun­gen. Am 1. Juli 2020 startet der Pilotversuch. «Wir fliegen zum Mond. Also muss eine digitale Plattform für Umzugsmeldungen in der Schweiz auch möglich sein», meint Luc Herminjard augenzwinkernd.

ZUKUNFT@BKW

Die Energie- und Infrastrukturdienstleisterin BKW engagiert sich zusammen mit Partnern und entwickelt bereits heute innovative Lösungen für morgen. Für eine lebenswerte Zukunft. www.bkw.ch/loesungen

SI Gruen

SI Gruen

Beitrag aus dem Magazin SI Grün der Schweizer Illustrierten im Rahmen einer Zusammenarbeit der BKW mit Ringier / Article du magazine SI Grün de la Schweizer Illustrierte, dans le cadre d’une collaboration de BKW avec Ringier.