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Solarteure installieren Unterkonstruktionen und Solarpanels auf Dächern und an Fassaden. © ISP Electro Solutions AG
Das Solarstrompotenzial in der Schweiz ist gewaltig. Doch die Anbieter müssen bei der Besetzung von Stellen oft auf Quereinsteiger zurückgreifen. Wie die zukunftsweisende Branche mit dem Fachkräftemangel umgeht und welche Jobs rund ums Thema Solarenergie existieren, weiss Roman Grabherr, Leiter des auf Solarstrom spezialisierten Energy Centers der ISP Electro Solutions AG.

Herr Grabherr, vom Fussballprofi über den KV-Absolventen bis hin zum Gartenbauer, in Ihrem 22-köpfigen Team arbeiten viele Quereinsteiger. Weshalb?

Roman Grabherr, Leiter Energy Center ISP Electro Solutions AG

Das hat verschiedene Gründe: Einerseits ist die innovative Solarbranche dank ihrer vielen Schnittstellen zu anderen Berufen aus dem Elektro- oder Gebäudeumfeld sehr interessant für Quereinsteiger. Andererseits sind wir derzeit auch auf Quereinsteiger angewiesen, denn wir haben mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Etwa, weil sich Nachwuchskräfte vermehrt dazu entscheiden, ohne Berufserfahrung direkt ein Studium an einer Hochschule oder Fachhochschule zu absolvieren, obwohl dies auch nach der Lehre noch möglich wäre.

Herrscht ein genereller Fachkräftemangel oder bezieht sich dieser auf einzelne Berufsfelder?

Wir sind besonders im Bereich der Installationsberufe auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitenden. Allen voran mangelt es an Solarteuren, die für die Montage der Unterkonstruktion und der Solarmodule zuständig sind. Auch gefragt sind Elektriker, welche die Solaranlage ans Stromnetz anschliessen und weitere Elemente wie beispielsweise eine Wärmepumpe oder einen Elektromobilitätsanschluss installieren. Nicht zuletzt hat man auch als Fachkraft im Bereich Servicetechnik, die sich um die Instandhaltung und Wartung von Solaranlagen kümmern, meist die Auswahl aus mehreren Arbeitgebern.

Wir sind besonders im Bereich der Installationsberufe auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitenden.

Welche Qualifikationen muss man mitbringen, um in einem dieser Berufe tätig zu sein?

Das ist je nach Berufsfeld unterschiedlich. Um als Elektriker oder Servicetechniker im Solarbereich Fuss zu fassen, ist eine abgeschlossene Lehre als Elektroinstallateur EFZ Voraussetzung. Das fachspezifische Wissen kann man sich anschliessend in Schulungen aneignen. Für die Tätigkeit als Solarteur existiert hingegen bis anhin keine Lehre, sondern nur ein halbjähriges Ausbildungsprogramm. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Photovoltaikanlagen bietet dieser Fachbereich auch im gegenwärtigen Umfeld der Pandemie attraktive Zukunftsaussichten.

Wie kann man beim Energy Center als Solarteur Fuss fassen?

Um Interessierten einen Einblick zu ermöglichen, bieten wir gelegentlich Praktikumsplätze oder auch Schnuppertage an. Dieses Jahr nahmen wir beispielsweise zum zweiten Mal am Programm «Refugees go Solar» teil. In dessen Rahmen konnten wir einem jungen Mann, der aus Afghanistan geflüchtet ist, ein zweimonatiges Praktikum anbieten. Dieses haben wir nun in eine Festanstellung umgewandelt. Generell sind wir offen für unterschiedlichste Bewerber, solange sie ein Interesse an technischen Themen mitbringen, über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen, handwerklich geschickt und schwindelfrei sind. Ausserdem müssen sie es sich vorstellen können, bei jedem Wetter im Freien zu arbeiten. Da wir Solarprofi sind, bilden wir unsere Mitarbeitenden mehrheitlich on the Job, also direkt auf dem Dach, aus.

Welche Zukunftsperspektiven hat man als Solarteur?

Insbesondere in den Solar-Installationsberufen herrscht ein Fachkräftemangel. © ISP Electro Solutions AG

Heute kann man als Solarteur, aber auch als Elektriker und Servicetechniker diverse Weiterbildungen besuchen und sich dadurch beispielsweise zum Bauleiter, Projektleiter, Abteilungsleiter oder gar Geschäftsleiter entwickeln. Generell ist es so, dass Fachkräfte im Bereich Solarenergie auf einen Zug aufspringen, dessen Zielort noch nicht feststeht. Die Solarbranche weist in der Schweiz ein enormes Entwicklungspotenzial auf, sodass sich heute noch nicht sagen lässt, welche Berufsbilder in Zukunft noch entstehen werden. Das gilt insbesondere für die Themengebiete Energiespeicherung, Elektromobilität und Recycling von Solarpanels, deren Entwicklung schnell voranschreitet. Eine Studie der ZHAW Wädenswil zeigt auf, dass im Bereich der Photovoltaik innerhalb von zwei Jahren 7000 und innerhalb von fünf Jahren 14’000 neue Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen werden könnten.

Heute kann man als Solarteur, aber auch als Elektriker und Servicetechniker diverse Weiterbildungen besuchen und sich dadurch beispielsweise zum Bauleiter, Projektleiter, Abteilungsleiter oder gar Geschäftsleiter entwickeln.

Welche Chancen sehen Sie für die Solarenergie im zukünftigen Energiemarkt Schweiz?

Die Nachfrage nach Solaranlagen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, alleine 2019 um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Trend wird sich angesichts der bevorstehenden Umwälzungen in der Energielandschaft Schweiz vermutlich weiter fortsetzen. Die Treiber der Nachfrage sind die zunehmend schärfer werdenden CO2-Bestimmungen, welche die Energieproduktion durch fossile Brennstoffe weiter begrenzen werden. Hinzu kommt, dass Solarenergie im Vergleich zu anderen Energieerzeugern immer attraktiver wird, denn durch den technischen Fortschritt werden die Anlagen effizienter und kostengünstiger. Auf jeden Fall besteht in der Schweiz noch viel Luft nach oben; laut dem Bundesamt für Energie haben Schweizer Dächer und Fassaden das Potenzial, 40-mal mehr Solarstrom als im Jahr 2019 zu produzieren.

Wie sind Sie eigentlich zur Photovoltaik gekommen?

Kurz nach meiner Ausbildung zum Elektriker, vor etwa neun Jahren, wurde ich durch einen Kollegen von einem Start-up angesprochen, das Solaranlagen installierte. Sie waren auf der Suche nach Solarteuren und ich nach einer neuen Herausforderung. Nach einem Monat auf dem Dach habe ich gemerkt, dass mich das Thema erneuerbare Energien sehr interessiert, sodass ich blieb und mein wachsendes Wissen und meine Erfahrungen bald als Projektleiter einbringen durfte. Ich absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zum «Techniker Energie und Umwelt HF» und wechselte anschliessend zur ISP Electro Solutions AG, wo ich die Leitung des Energy Centers übernahm. Ich erkannte schnell: Solarenergie ist die Energie der Zukunft und diese Zukunft möchte ich mitgestalten.

Kompetenzzentrum für Photovoltaikanlagen

Das Potenzial für weitere Solaranlagen auf Schweizer Dächern und an Fassaden ist gross. © ISP Electro Solutions AG

Das Energy Center der ISP Electro Solutions AG ist auf den Verkauf von Photovoltaikanlagen für Private, Geschäftskunden und die öffentliche Hand spezialisiert. Mit seinen 22 Mitarbeitenden bietet es von der Beratung über die Installation bis zur Wartung fachmännische Unterstützung im Kanton Bern sowie in angrenzenden Kantonen und ist Teil des BKW Building Solutions Netzwerkes.

Mit Pioniergeist – Lebensräume gemeinsam gestalten

Die BKW als international tätige Energie- und Infrastrukturdienstleisterin bietet ihren Kunden hochwertige und zukunftsweisende Gesamtlösungen an. Dabei setzen wir auf umfassende Kompetenzen in den Bereichen Energie, Gebäude und Infrastruktur. Wir planen, bauen, betreiben und warten komplexe technische Infrastrukturen und schaffen so die Grundlage für moderne, nachhaltige Lebensräume.
Dazu brauchen wir Sie: Menschen mit Ideen und Engagement. Leisten Sie mit uns einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und unsere Umwelt.
Merith Heinemann

Merith Heinemann

Senior Communication Manager, BKW Building Solutions AG