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Die Unterstation Brislach wurde in den Krisenjahren 1930/31 vom Elektrizitätswerk Basel gebaut. Heute befindet sie sich im Besitz der BKW. In der über 80-jährigen Geschichte der UST Brislach hat sich Vieles getan. Das weiss keiner so gut wie Ludwig Ackermann, der letzte Unterstationsleiter in Brislach, der fast 50 Jahre lang mit seiner Familie in der Unterstation lebte.

Als die Unterstation Brislach gebaut wurde, hatte die Wirtschaftskrise die Schweiz fest im Griff. Trotzdem stieg der Strombedarf seit den 1920er-Jahren durch die zunehmende Verbreitung von elektrischen Haushaltsgeräten weiterhin stark an, sodass Elektrizitätsversorgungsunternehmen in der ganzen Schweiz Schaltanlagen, Unterstationen und Trafostationen für die Stromverteilung bauten. Die technische Infrastruktur wurde damals als Fortschritt gesehen und elektrische Energie galt als sauber. So baute auch das EWB für die Transformation und die regionale Verteilung in Brislach eine Unterstation.

Der erste Betonbau in der Region

Die Grossbaustelle für die Unterstation Brislach bot den Einheimischen willkommene Arbeitsplätze. Die Gruben für die Fundamente der Transformatoren, Gleisanlagen, Eisengerüste, Betriebs- und Wohngebäude wurden damals noch ohne Maschinen ausgehoben. Anfangs speiste nur eine 150kV-Leitung die Freiluftanlage ein. Die Spannung wurde von zwei Transformatoren auf 50kV transformiert. Die Freiluftanlage war damals eine Attraktion und die Montagehalle der erste Betonbau in der Region.

Tarnanstrich und Splittwände

Noch während der Kriegsjahre machte die grosse Nachfrage nach elektrischer Energie einen ersten Ausbau der Anlage nötig. 1939/40 stellte das EWB einen weiteren Transformator mit einer Leistung von 30 MW auf. Da Kupfer während der Kriegsjahre ein rares Gut war, wurden die Wicklungen in Aluminium-Flachprofil ausgeführt. Für den Transport des 80 Tonnen schweren Transformators war damals die Verstärkung der einzigen Brücke über die Lüssel nötig. Die Transformatoren, die für die Kühlung und Isolation mit Mineralöl gefüllt waren, mussten mit Splittwänden vor Bomben geschützt werden und sämtliche Apparate in der Anlage wurden mit einem Tarnanstrich versehen.

Gemeinsame Entwicklung

Die Entwicklung der Unterstation war stets eng mit der Entwicklung der Region verbunden. In den 1950er-Jahren erweiterte das EWB die Anlage als Folge des Ausbaus der Grimselwerke, an denen die Stadt Basel und die BKW beteiligt waren. 1963 drängte sich eine höhere Spannungsebene für die Versorgung der Stadt Basel auf. 1968 begann das Elektrizitätswerk Basel mit dem Ausbau der 150kV-Anlage in Richtung Dorf. Die Stadt Basel wurde neu mit zwei 150kV-Leitungen ab Brislach versorgt, wodurch eine Transformierung für Basel hinfällig wurde. Das war der Grund, weshalb die BKW die Unterstation am 1. Mai 1969 vom EWB übernahm. Für die BKW ist die Unterstation von grosser Bedeutung, da sich die Unterstation in ihrem Versorgungsgebiet befindet. Der Trend nach Wachstum in Industrie und Wirtschaft hielt auch in den 1970er und 1980er-Jahren an, sodass auch die BKW die Anlage immer wieder erweiterte und modernisierte. 1982 führte die Anlieferung von zwei 75 MW Transformatoren von je 105 Tonnen Gewicht dazu, dass die Gemeinde Brislach und die BKW eine neue Brücke mit der entsprechenden Tragkraft bauten. Dies ermöglichte ausserdem die Erschliessung der angrenzenden Gebiete in der Mühlematt und Prüssmatt.

50 Jahre in der Unterstation gelebt

Der Wandel ist eine der wenigen Konstanten in der über 80-jährigen Unterstation Brislach. Allerdings gab es dort bis im Mai 2015 noch jemanden, der diese bewegte Geschichte während über fünfzig Jahren miterlebt und -geprägt hat. Von 1963 bis ins Jahr 2000 lebte und arbeitete der letzte Unterstationsleiter, Ludwig Ackermann, auf der Anlage. Nach seiner Pensionierung blieb er noch bis im Mai 2015 im alten Wohnhaus und erwies der BKW mit seinem Wissen und seiner Erfahrung weiterhin wichtige Dienste. Die BKW modernisierte die Unterstation Brislach aus Altersgründen in den letzten Jahren komplett. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Das neue Unterstationsgebäude mit modernen Gasisolierten Schaltanlagen ist erstellt und neue Transformatoren mit Betonschutzwänden stehen im Westen des Areals. Der alte Montageturm ist längst verschwunden. In den vergangenen Monaten wurden auch alle Freiluftanlagen und die alten Transformatoren zurückgebaut. Bis auf zwei Abspannmasten, ein Abspanngerüst, das neue Unterstationsgebäude und die neue Trafokabine ist eine leere Fläche zurückgeblieben. Wie die frei gewordene Fläche künftig genutzt wird, ist derzeit noch offen.

Noch in diesem Monat wird auch der Abbruch des Wohnhauses mitsamt dem alten Kommandoraum und den technischen Räumen folgen. Ein bisschen wehmütig ist der mittlerweile 80-jährige Ludwig Ackermann, der in der Unterstation mit Frau Wilma und sechs Kindern gelebt hatte, schon: «Dies war unser Zuhause. Wir hatten eine schöne Zeit.» Doch könne nicht immer alles bleiben, wie es einmal war. Für die Zukunft der Anlage wünscht er sich einen möglichst störungsfreien Betrieb.

Rückbau der Unterstation Brislach
Rückbau der Unterstation Brislach

Quelle: Ackermann, Ludwig: «Unterwerk Brislach – BKW-Station». In: Einwohnergemeinde Brislach unter dem Patronat des Vereins zur Herausgab e des Brislacher Buches (Hg.): «Brislach 1991». 1991 Breitenbach, 143-144.

Christine Klinger

Christine Klinger

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW