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Schlechtes Zeugnis für die Schweizer Biodiversität: Fast die Hälfte der untersuchten Lebensräume und mehr als ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten sind bedroht. Das verdeutlicht der kürzlich veröffentlichte Zwischenbericht der Umweltorganisationen BirdLife Schweiz, Pro Natura und WWF. Im Interview erläutert Daniel Marbacher, Präsident des BKW Ökofonds, was die BKW unternimmt, um die Biodiversität zu erhalten. Seine Mission: Lebensräume aufwerten. Der dreifache Familienvater und Naturliebhaber leistet auch seinen persönlichen Beitrag dazu.

Daniel, haben dich die Ergebnisse des Zwischenberichts zur Strategie Biodiversität überrascht?

Nein, ganz und gar nicht. Arten werden verdrängt, weil unter anderem die Siedlungsfläche stetig zunimmt und immer mehr Land überbaut wird. Und man sieht es auch am Fischbestand. In der Emme zum Beispiel ging der Fischbestand in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich zurück – trotz gezielter Renaturierungsmassnahmen. Die Gründe sind aktuell nicht klar.

Was trägt der BKW Ökofonds zur Biodiversität, der Vielfalt des Lebens, bei?

Das Ziel des BKW Ökofonds ist es, Lebensräume zu schaffen, insbesondere im Gewässerbereich. Alle 150 Projekte, die seit der Gründung des BKW Ökofonds im Jahr 2000 unterstützt und realisiert wurden, leisten einen Beitrag dazu.

Fördert der BKW Ökofonds auch gefährdete Tierarten?

Ja, wir fördern auch gefährdete Tierarten. Zur Geburtsstunde des BKW Ökofonds hat er beim Wasserkraftwerk Aarberg, und später dann auch beim Kraftwerk Niederried-Radelfingen, einen Biberpass gebaut. Die Biber kamen tatsächlich zurück, was damals ein richtiges Highlight war. Inzwischen sind sie wieder weit verbreitet.

Welche Tierarten stehen momentan im Fokus?

Gefährdete Tierarten zu fördern ist nur ein Teilaspekt. Wir schaffen vor allem Lebensräume. In der Vergangenheit haben wir jedoch viele Projekte für den Biber oder den Laubfrosch realisiert. Zum Beispiel haben wir im Berner Seeland in Zusammenarbeit mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz und Pro Natura diverse Amphibientümpel realisiert. Wenn Tiere den neuen Lebensraum annehmen und sich ansiedeln, ist es ein Erfolg. Tiere setzen wir jedoch keine aus. Wir warten darauf, bis sie ansässig werden und geben der Natur Zeit.

Und haben sich die Laubfrösche angesiedelt?

Ja, es ist ein grosser Erfolg.

Und was ist mit der Pflanzenwelt?

Sehr viel Zeit und Geld investieren wir, um invasive Neophyten, also gebietsfremde Pflanzen, zu bekämpfen. Hier sehe ich persönlich einen grossen Handlungsbedarf. Die Neophyten haben sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet. In Burgdorf, wo ich wohne, hat sich zum Beispiel der japanische Knöterich stark verbreitet. National haben wir hinsichtlich der Bekämpfung von Neophyten noch keine klare Strategie. Kantonal fehlen oft finanzielle Mittel. Wenn wir aber jetzt nicht handeln, ist es zu spät. Deshalb setzen wir uns als BKW vermehrt dafür ein und suchen zusammen mit dem Kanton und Bund nach Lösungen.

Was ist dein persönliches BKW Ökofonds-Highlight?

Es ist die Fülle der Projekte – inzwischen deren 150 – die es ausmacht. Jedes einzelne ist ein Mosaikstein, der zum grossen Ganzen beiträgt: alle Projekte zusammen werten den Lebensraum entscheidend auf – für Tiere, Pflanzen und Menschen.

Was trägst du persönlich zum Erhalt der Biodiversität bei?

Wir nutzen alle die Natur und hinterlassen unsere Spuren. Ich versuche, einen optimalen Kompromiss zwischen Schutz und Nutzen zu finden. Den CO2-Ausstoss will ich bestmöglich einschränken. So benutze ich das Auto nur selten und verzichte grösstenteils auf Flugreisen. Wir sind als Familie gerne mit dem öffentlichen Verkehr, zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Mit kleinen Dingen, zum Beispiel dem konsequenten Mülltrennen, kann man schon einiges bewirken. Es ist jeweils ein Highlight für unsere Kinder, wenn wir zusammen zur Entsorgungsstelle gehen und Plastik, Alu, Glas, PET und so weiter entsorgen. Ein weiteres Beispiel ist unser Garten: Wir haben eine Rasenfläche, die wir intensiv nutzen, und einen Bereich mit Hecken und Asthaufen, bei dem wir die Natur walten lassen. Übrigens ist bei uns gerade ein Igel auf Besuch. Zusammen mit den Kindern pflanzt meine Frau im Garten viele Produkte selber an. Und sonst achten wir darauf, dass wir vorwiegend Bioprodukte und einheimische Produkte einkaufen, und natürlich saisonal. Es ist mir wichtig, Sorge zur Natur zu tragen – das versuchen wir als Eltern auch unseren Kindern weiter zu geben.

Seit 17 Jahren fördern wir die Biodiversität

1 Rappen pro verkaufter Kilowattstunde Strom aus naturemade star-zertifizierter Wasserkraft fliesst in den BKW Ökofonds. Diese Fondsgelder verwenden wir ausschliesslich für ökologische Aufwertungsmassnahmen. 150 Projekte konnten dadurch in den letzten 17 Jahren realisiert oder finanziell unterstützt werden. Im Jahr 2015 erhielten wir den Gewässerpreis Schweiz für unser wegweisendes Engagement und unsere «Pionierarbeit zur Ökologisierung der Wasserkraft beim Wasserkraftwerk Aarberg». Im Frühling 2017 wurde die «Energieinfrastrukturlandschaft am Aare-Hagneck-Kanal» durch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz als «Landschaft des Jahres» ausgezeichnet. Preisträger waren der Kanton Bern, der Energie Service Biel/Bienne (ESB) sowie die BKW.

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Katja Bauder

Katja Bauder

Projektleiterin Publikationen bei BKW