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Vergangenes Wochenende fand zum 61. Mal der Weltcup in Adelboden statt. Die zwei Renntage boten jede Menge Spektakel. Das Grossereignis im Berner Oberland ist schon längst ein Liebling sowohl bei den Athleten als auch bei Skisport-Fans. Doch was alles hinter der Organisation eines solchen Riesen-Events steht, können sich wohl die wenigsten vorstellen. Zwei Tage vor dem Rennen habe ich das kleine und noch verdächtig ruhig wirkende Bergdorf besucht und dabei Kathrin Hager, der Geschäftsführerin des Weltcups Adelboden, und ihrem Team kurz vor dem Showdown über die Schulter geschaut.  

Kathrin Hager, Geschäftsführerin und Leiterin Marketing und Sponsoring

Morgens um neun ist es in Adelboden erstaunlich ruhig. Besonders in Anbetracht der Tatsache, dass das grösste Ereignis der Region kurz bevor steht. Zwei Tage vor dem Weltcup in Adelboden habe ich dem Bergdorf im Berner Oberland einen Besuch abgestattet. Natürlich bin ich damit etwas spät dran, denn die Organisation des Ski-Weltcups ist eine Ganzjahresaufgabe. Schon kurz nach dem Rennen 2016 haben die Vorbereitungen für dieses Jahr begonnen. Dennoch konnte ich mir einen guten Eindruck des Betriebs verschaffen und musste feststellen: Die Geschäftsstelle rund um die Geschäftsführerin Kathrin Hager, die mit der Organisation des Events beauftragt ist, läuft wie eine gut geölte Maschine. Kein Wunder, schliesslich ist Kathrin bereits seit zehn Jahren beim Weltcup und kennt als gebürtige Adelbodnerin das Dorf und die Region wie ihre Westentasche.

«Unser Büro zieht jedes Jahr am 30. Dezember in die Dorfkapelle um», erklärt Annina Reimann, Kommunikationsverantwortliche des Weltcups

Die Dorfkapelle wird für den Weltcup Adelboden umfunktioniert

Das Team hat sich in der Kapelle Boden, nur einen Katzensprung vom Zielgelände entfernt, einquartiert. «Unser Büro zieht jedes Jahr am 30. Dezember von unserem eigentlichen Büro unten im Dorfkern hoch in die Kapelle. Hier sind wir direkt am Geschehen dran. Die Kirchgemeinde ist so freundlich und überlässt uns die Kapelle, die sonst für Gottesdienste gebraucht wird, während der letzten Weltcup Vorbereitungen», erklärt mir Annina Reimann, Kommunikationsverantwortliche des Weltcups. Die Adelbodner müssen also auf den Besuch des Gottesdienstes verzichten bis der Weltcup zu Ende ist. Doch da sich das Leben in dieser Zeit sowieso nur um den Skisport dreht, sollte das wohl kaum stören.

Mittlerweile ist es zehn Uhr und im Weltcup-Dorf herrscht bereits geschäftiges Treiben. So kurz vor dem grossen Skifest steht das meiste schon, es fehlt oft nur noch der letzte Schliff. Die riesige Tribüne am Fusse der Rennstrecke sieht man schon von weit her. Sie steht längst bereit für die Massen. Die Festzelte sind bereits aufgebaut und auch die Sponsoren-Lounges tauchen das Dorf schon in ihre unverkennbaren Markenfarben. Militärtruppen, die beim Rennen auf der Piste aushelfen, laufen durch die Strassen und der Zivilschutz macht sich an die letzten Vorbereitungen. Und auch das Wetter hat sich endlich dazu bequemt, dem Winter seine unverkennbare Farbe zu geben: Es schneit ununterbrochen, so dass sich Adelboden beim Rennen im schönsten Winterkleid präsentieren darf.

Kathrin ist Dreh- und Angelpunkt für alles und jeden

Auch in der Kapelle tut sich was. Das Telefon klingelt im Minutentakt. Die Organisation befindet sich in der Zielgeraden und das bedeutet jede Menge Last-Minute Krisenmanagement. Für Kathrin ist das nichts Neues. Sie hat enorm viel Erfahrung im Event-Business. Vor ihren mittlerweile zehn Jahren beim Weltcup Adelboden war sie acht Jahre lang beim Schlittschuh Club Bern tätig und davor war sie bereits schon einmal beim Weltcup. Das hektische Treiben kurz vor einem Grossevent bringt sie nicht so schnell aus der Ruhe. Ihre Erfahrung ist auch ihr grösster Trumpf bei der Arbeit. Sie kennt ihre Schnittstellen und weiss an wen sie sich wenden muss, egal in welcher Sache. So erstaunt es wenig, dass Kathrin jeden einzelnen Bereich der Eventorganisation im Blick hat. Sie ist Dreh- und Angelpunkt für so gut wie jedes Teilprojekt und auch Anlaufstelle für die FIS, die Verantwortlichen von Swiss-Ski, die Sponsoren, Medien, Anwohner und weitere Partner. Kathrin entgeht so gut wie nichts.

Ein Rundgang durch das Weltcup-Dorf

Einmal mehr klingelt das Telefon. Die Werbebanner im Starthaus müssen neu montiert werden. Kathrin kümmert sich um die Koordination. Sie ruft die Werbefirma an, erkundigt sich, ob jemand die Montage ausführen kann. Es braucht mehr als nur einen Anruf, das Thema zieht sich durch den ganzen Vormittag. Schliesslich klappt es dann doch noch. Werbung ist ein grosses Thema für Kathrin. Sie muss sich in diesen letzten Tagen vor dem Rennen vergewissern, dass alles sitzt und dass alle Sponsoren das erhalten, was ihnen zusteht. Dafür begibt sie sich gleich selbst mit einem kleinen Team auf einen Rundgang durch das ganze Weltcup-Dorf, um sicherzugehen, dass die Werbebanner korrekt montiert sind, dass keine Fremdwerbung sichtbar ist und vor allem, dass die teure Werbung für die Kameras der Medien gut sichtbar ist.

Kathrin gibt beim Rundgang letzte Instruktionen: Ein Werbeschild muss noch entfernt werden, da es nicht mit dem Sponsor übereinstimmt.

Später wird das Fernsehen seine Kameraeinstellungen auf der Piste prüfen. Dann wird auch Kathrin die Aufnahmen in Augenschein nehmen, um sicher zu gehen, dass auch von ihrer Sicht aus alles korrekt ist und gut aussieht. Dabei spielt auch Ästhetik eine wichtige Rolle. Das Gelände soll schön aussehen für die vielen Besucher und Fans am Fernsehen. Einen Schönheitsfleck hat sie schon entdeckt. Ein unschöner Container steht direkt am Pistenrand. Die Verkleidung dieses Containers muss noch vorgenommen werden. Mit welchen Bildern, Planen oder Werbebannern das geschieht, das alles überlegt sich Kathrin.

Kurz vor dem Weltcup Adelboden geht’s um den Feinschliff

Und so geht’s den ganzen Tag weiter in der Kapelle Boden. Die Feinschliffaufgaben und kleinen Problemchen fliegen Kathrin und ihrem Team nur so entgegen. Sei dies die Tischordnung im VIP-Zelt, die noch leicht modifiziert werden muss oder die fehlenden Halstücher der Hostessen, die zwar geliefert wurden aber offenbar nicht in der richtigen Farbe. Auch ein Teil der Akkreditierungen läuft über Kathrin. Der internationale Skiverband entscheidet grundsätzlich, wer Zugang zur Rennstrecke hat. Das sind praktisch nur Rutscher, Helfer, Sicherheitskräfte und eine ganz kleine Anzahl Fotografen. Die FIS gibt vor, wer in den Zielbereich darf. Und dann kommt Kathrins Zuständigkeitsbereich. Bei jedem einzelnen Stück des Geländes wird im Vorfeld definiert, wer ihn betreten darf. Dabei handelt es sich vor allem um Helfer, die für den Weltcup arbeiten. Doch in den letzten Tagen kommen oft noch sogenannte Mitwanderer, die noch kurzfristig Zugang erhalten wollen. Da muss Kathrin sehr streng sein und klare Grenzen ziehen. Schliesslich geht es dabei auch um die Sicherheit am Event.

«Man kann eigentlich nur am Abend in Ruhe arbeiten. Tagsüber ist man wie die Feuerwehr unterwegs. Da kommt im Minutentakt etwas rein», beschreibt Kathrin Hager die letzte Woche vor dem Rennen

Wie die Feuerwehr unterwegs

Man merkt sofort: Kathrin hat ein gut eingespieltes Team unter sich. Hier arbeitet man sich gegenseitig in die Hände. Und das trotz der herrschenden Hektik so kurz vor dem Rennen. «In der letzten Woche kann man eigentlich nur am Abend in Ruhe arbeiten. Tagsüber ist man wie die Feuerwehr unterwegs. Da kommt im Minutentakt etwas rein. Das Wichtigste ist dabei, die Ruhe zu bewahren und eins nach dem anderen zu erledigen. Obwohl dieses Jahr besser läuft als manche in der Vergangenheit. Wir sind sehr gut vorbereitet», meint Kathrin verdientermassen überzeugt.

Die Geschäftsführerin ist die einzige Frau im OK des Weltcups. Sie hält sich sehr beständig in dieser Männerwelt. «Die Kommunikation ist viel geradliniger, aber manchmal auch sehr forsch und direkt. Da darf man nicht betupft sein. Das musste ich früh lernen. Aber mir passt’s so fast besser als wenn’s umgekehrt wär», versichert die sympathische Macherin mit einem Lächeln.

Die Renntage werden dann nochmal richtig hektisch

Der Countdown bis zum ersten Renntag läuft. Was sie denn jetzt noch zu erwarten habe, frage ich. «Jetzt geht’s nur noch um das Finish. Morgen, Freitag, reisen die Athleten an und die FIS kommt, um alles zu prüfen. Dann sind wir rund um die Uhr dran und klären die letzten Fragen, machen unsere letzten Durchgänge und geben allerletzte Instruktionen.»

«Da ist man dann schon stolz, wenn man die fahren sieht», strahlt Kathrin voller Vorfreude.

Der Samstag Vormittag sei dann besonders hektisch, kurz bevor es losgeht. Freiwillige Helfer und Helferinnen, die trotz Instruktionen und Lageplänen nicht wissen, wo sie hin müssen, Lieferanten, die an den rechten Ort gewiesen werden müssen und sonstige unvorhergesehene Zwischenfälle flattern dann in Kathrins Büro. Doch das kennt sie schon. Die ersten Spiele beim SCB seien auch immer so gewesen. Am Sonntag treffe dann aber etwas Ruhe ein, versichert sie mir. Ob sie sich das Rennen auch mal selbst anschauen kann? «Wir schauen es in der Kapelle auf dem Fernseher. Wenn man aber gut vorbereitet ist und der Samstag gut läuft, kann man den Sonntag etwas geniessen. Wenn ich Glück habe kann ich dann sogar hoch in die Sky Lounge und den zweiten Lauf mitanschauen. Da ist man dann schon stolz, wenn man die fahren sieht», strahlt Kathrin voller Vorfreude. «Da sieht man, was man alles geleistet hat und das ist dann der Lohn für die ganze Arbeit.»

Ich wünsche es Kathrin sehr, dass sie zumindest einen Teil des Rennens live miterleben konnte. Nach all der Organisationsarbeit und dem riesigen Aufwand, der hinter diesen zwei Renntagen steckt, hat sie sich das allemal verdient.

Impressionen vom Weltcup Adelboden:

Ivana Jazo

Ivana Jazo

Redaktorin Digital Communications bei der BKW