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Seit Oktober 2016 liefern die vier neuen Turbinen des JUVENT-Windparks zuverlässig Strom. Nach nur zwei Monaten hatten sie bereits die Jahresproduktion der alten Turbinen vor dem Repowering erreicht. Gemeinsam mit der benachbarten Turbine produziert Turbine Nummer sieben, die «E7», am meisten Strom. Dabei war ausgerechnet «E7» während der gesamten Dauer des Bauprojekts das grosse Sorgenkind. Ein Rückblick.

Beim zweiten Repowering des JUVENT-Windparks im Jahr 2016 sind die Turbinen fünf bis acht durch Modelle der neusten Generation ersetzt worden. Schon in der Planungsphase kristallisiert sich einer der vier Standorte als besonders schwierig heraus: jener der Turbine sieben (E7). Die alte Turbine steht zwischen einer Wasserschutzzone und einer Trockenwiese, was den bebaubaren Raum extrem minimiert. Erste Probebohrungen zur Ermittlung der Baugrundqualität an dieser Stelle liefern jedoch gute Resultate, und so starten die Bauarbeiten fristgerecht im April 2016.

Ein Karst im Bereich des Fundaments

Die erste Überraschung der unangenehmen Art folgt mehrere Wochen später, als das Fundament von E7 ausgehoben wird. Beim Graben stösst der Maschinenführer auf ein Karstvorkommen, einen Hohlraum. Wie gross dieser ist und wohin er verläuft, zeigen weitere Geo-Radar-Bohrungen. 21 Kubikmeter Beton braucht es, um den Hohlraum zu füllen. Immerhin können die Bauarbeiten zwei Wochen später aber fortgesetzt und der 1300 Tonnen schwere Betonsockel gegossen werden.

Das Radarbild des Hohlraums

Eintritt am Zoll verweigert

Weit weg vom Mont-Soleil bahnt sich schon das nächste Problem an: Fehlerhaft ausgefüllte Zolldokumente behindern die Einfuhr in die Schweiz. Die Konsequenz: Der Turbine sieben – natürlich ihr! – wird die Einreise in die Schweiz verweigert und so bleiben Einzelteile jenseits der Grenze bei Bad Säckingen stecken. Das einwöchige Intermezzo bringt den Transportplan arg durcheinander. Die auf den Wiesen und entlang der Strasse bereits ausgelegten Transportplatten werden für den Transport der Turbine acht gebraucht, müssen abgebaut und nochmals neu verlegt werden, als die Teile von E7 schliesslich doch eintreffen.

Schwertransport muss abgeschleppt werden

Der Standort von E7 wird dann für den Transport und die temporäre Lagerung der beeindruckend langen und schweren Turbinenteile fit gemacht. Schon die Testfahrt mit dem leeren Anhänger wird für die beteiligten Transportunternehmen zur grossen Herausforderung. Besonders der Aufstieg von Norden her hinauf zum Mont-Soleil hat es in sich: viele Kurven, steile Strassen, enge Passagen. Teilweise zu eng: die Chauffeure bitten den zuständigen Förster, rund 20 Bäume zu fällen. Als Kompensation werden später im Rahmen der Renaturierungsmassnahmen neue Bäume gepflanzt.

Ein weiterer, vermuteter Knackpunkt: sollte das Transportfahrzeug in steilen Abschnitten anhalten, könnte es möglicherweise nicht mehr anfahren. Und es kommt genauso, wie es kommen musste: Beim Transport des ersten Rotorblatts muss der Fahrer des Schwertransports prompt anhalten und bleibt stecken. Dank den Erkenntnissen aus der Testfahrt sind die Transportunternehmen aber vorbereitet: Ein Zugfahrzeug begleitet den Transport und kann den Schwertransport abschleppen.

Das Transportfahrzeug ist auf Hilfe angewiesen.yout

Wetter verzögert die Montage

Problemlos geht die Vormontage der beiden ersten Turmelemente über die Bühne. Nun sind die restlichen Turbinenteile bereit zur eigentlichen Montage. Am Montag, 5. September 2016, scheinen die Arbeiten an E7 auf der Zielgeraden zu sein. Mitten in der Schönwetterperiode schlägt das Wetter dann aber plötzlich um. Starker Regen und Nebel lassen eine Montage vorerst nicht zu, und auch anderntags wird es nicht besser: die eigentlich recht windarme Zeit im Spätsommer wird durch den einzigen Windtag in einem Zeitraum von sieben Wochen unterbrochen. Schliesslich braucht es den 7. September, um die Montage abzuschliessen. Man könnte fast meinen, die Turbine sieben habe sich genau diesen Tag bewusst ausgesucht.

Eindrücke von der Montage:

Ende gut, alles gut

War’s das? Nein, noch nicht ganz: Im Turbinenfuss sammelt sich während und nach der Montage eine Menge Wasser an. Der Fundamentkeller muss mittels Bautrocknungsgerät trockengelegt werden.

Bei den Turbinen fünf, sechs und acht hatte das Repowering-Projektteam kaum mit derartigen Problemen zu kämpfen. Der finanzielle Mehraufwand von rund 100‘000 Franken für das Sorgenkind E7 hat sich letztlich aber doch gelohnt: in den ersten drei Betriebsmonaten produzierte sie gemeinsam mit der benachbarten Turbine acht am meisten Strom.

Daniel Stegmann

Daniel Stegmann

Projektleiter Kommunikation bei der BKW