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Die nächste Generation Elektroautos steht in den Startlöchern. Mit der Elektromobilität der Generation 2.0 kommen mehr elektrisch betriebene Autos mit wesentlich grösseren Batterien in den Verkehr. Für die Elektrizitätswirtschaft bedeutet das ein Wachstum des Stromverbrauchs und der nachgefragten Leistung sowie ein überproportional starkes Anwachsen der Speicherkapazität. Diese wird in absehbarer Zeit Dimensionen erreichen, wie wir sie heute aus der täglichen Bewirtschaftung von Speicherseen kennen. Dadurch entstehen neue Chancen und Herausforderungen für die Energiebranche.

Mit der Zeit gehen

Rund um das Auto entsteht in Zukunft ein Kosmos von digitalen und physischen Infrastrukturen, Apps, Gadgets, Abrechnungssystemen und Services. Dazu gehören unter anderem der Aufbau und die Bewirtschaftung von Normal-, Schnell- und Superschnellladepunkten im öffentlichen und halböffentlichen Raum. Abrechnung, Roaming und Reservatonssysteme für die Ladepunkte, Nutzungsmodelle für die Autos aber auch Dienstleistungen für die Speicherbatterien beschäftigen die Fachwelt. Begriffe wie «Vehicle to Grid», «Vehicle to Home», «Vehicle to Office» dürfen nicht vernachlässigt werden: Die Batterie des Autos kann in Zukunft als Energiespeicher für die verschiedensten Anwendungen dienen. Es geht nun darum, zu erkennen, welche Geschäftsmodelle für die Weiterentwicklung erfolgsversprechend sind.

Auto als Teil des Kraftwerks Haus

Die BKW nimmt das Thema Elektromobilität auf und erarbeitet auf verschiedenen Ebenen Lösungen, welche die Integration von E-Autos ermöglichen. So wird die Energielösung «BKW Home Energy» neu mit einer Ladestation für Elektrofahrzeuge ausgestattet. Das Auto bzw. dessen Batterie wird als Teil des BKW Home-Energy-Systems bewirtschaftet und optimiert die Rentabilität der Fotovoltaikanlage.

Die Lösung für Einstellhallen in Mehrfamilienhäusern, Gewerbe oder Hotels wird zudem einen Lastausgleich zwischen mehreren Ladestationen beinhalten. Die Ladeleistung einer Vielzahl von Autos wird damit automatisch mit der Anschlussleistung des Hauses abgestimmt. Mithilfe solcher Lösungen wird das Auto zu einem integrierten Teil des Kraftwerks Haus – insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Vergrösserung der Speicherbatterie sowie die erhöhte Flexibilität im Lade- und Entlademanagement mit wachsender Bedeutung.

Speicher, flexible Lasten und Stromwirtschaft

Meist sind die Autos über Nacht mit dem Stromnetz verbunden, tagsüber stehen sie beim Arbeitgeber auf dem Parkplatz. Mit der Steuerung der Ladung während diesen Zeiten können dereinst Systemdienstleistungen erbracht werden, die Nutzen bringen und einen finanziellen Gegenwert erzeugen. Bidirektionales Laden wird dem Lastmanagement zusätzliche Dynamik verleihen, wenn es im Elektroauto zur Verfügung steht. Um diese wachsenden Potenziale zu nutzen, erarbeitet das BKW Technology Center gemeinsam mit Hochschulen Konzepte, technische Lösungen und Geschäftsmodelle.

Komfort, Effizienz und ein Bindeglied

Die Mobilität ist ein wesentlicher Faktor in der Transformation von fossilen auf erneuerbare Energieträger. Rund ein Drittel des Energieverbrauchs geht heute auf dieses Konto. Die Umstellung auf Elektromobilität wartet mit einigen Herausforderungen auf, doch sind die Chancen, die sich dahinter verbergen, noch viel grösser. Der Komfort und die Möglichkeit, an den bestehenden Steckdosen zu tanken, die hohe Effizienz des Antriebs und die Verwendung von CO2-neutraler, einheimischer Energie sind wesentliche Vorteile für die Endkunden. Die Kombination des Fahrzeugs mit dem Energiespeicher ist hingegen ein wichtiges Glied, um die fluktuierende Einspeisung von Solar- und Windenergie mit der Stabilität von Spannung und Frequenz im Stromnetz zu verbinden. Es liegt nun an Energie- und Dienstleistungsunternehmen wie der BKW, auf die rasche Entwicklung im Fahrzeugbereich mit Lösungen zu reagieren, um für Kunden genau diese Vorteile zu entwickeln.

 

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Martin Bolliger

Martin Bolliger

Martin Bolliger ist Projektmanager im BKW Technology Center und befasst sich dort mit verschiedenen Aspekten der Energiezukunft. Seine Schwerpunktthemen sind Solarenergie, Speicher und Elektromobilität. Er fährt seit 20 Jahren mit Elektroautos und Velos mit Stromunterstützung.