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Fotografie von Manuel Stettler

Der Nachtdienst von Sandra von Allmen ist um 8 Uhr morgens im Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) zu Ende gegangen. Ihr Schäferhundweibchen Dakota hat sie die ganze Nacht bei der Arbeit begleitet. Zusammen sorgen sie für die Sicherheit im und ums KKM.

Doch ans Schlafen ist nach dem Nachtdienst nicht zu denken. Dakota will noch etwas Auslauf. Auch Sandra von Allmen ist froh, den Kopf an diesem schönen Morgen etwas auszulüften. Die Nacht ist zwar ruhig verlaufen, nur das Zirpen der Grillen war zu hören. Dennoch, bei der Arbeit auf der Betriebswache ist immer Aufmerksamkeit gefordert.

Im KKM ist Sandra von Allmen als stellvertretende Leiterin zusammen mit dem Leiter für eine Wachgruppe verantwortlich. Damit die Betriebswache die Sicherheit 24 Stunden an 7 Tagen gewährleisten kann, gibt es mehrere Wachgruppen, die sich im Dienst ablösen. Ihre Aufgabe ist die Be- und Überwachung des Geländes und des KKM-Areals, die Zutrittskontrolle im KKM und die Kontrolle der Fahrzeuge, mit welchen Ware ins KKM geliefert werden.

Sprengstoff, Camper und Demonstranten

Für den Schutz und die Sicherheit bei der Arbeit im Kernkraftwerk Mühleberg sind zahlreiche Schutzhunde in verschiedenen Wachgruppen im Einsatz. Auf die Ausbildung dieser wird beim KKM viel Wert gelegt. Die Betriebswache bildet ihre Schutzhunde selbst aus. Dakota ist zusätzlich auf Sprengstoff spezialisiert. Nebst klassischen Schutzaufgaben, sucht sie alle Fahrzeuge, die durch die Schleuse auf das KKM-Areal gelangen wollen, nach Sprengstoff ab. In der Nacht ist Dakota mit Sandra von Allmen rund ums KKM am Patrouillieren. Wenn die beiden keinen Dienst haben, führen die Wachleute die Sprengstoffsuche mit technischen Hilfsmitteln durch.

Auch am Tag bewacht die Wachgruppe nicht nur den Zugangsbereich, sondern das ganze Gelände des KKM. Manchmal verfahren sich die Velofahrer auf der Aare-Route Nr. 8 und landen direkt vor dem KKM. Die Route führt gleich südlich hinter dem KKM vorbei. Auch Campern gefällt der idyllische Platz an der Aare. Wild campen ist hier aber nicht erlaubt.

«Von wilden Campern bis hin zu Demonstranten habe ich schon vieles gesehen hier beim KKM. Nur eine unerwartete Ladung Sprengstoff ist Dakota zum Glück noch nicht unter die Nase gekommen.» Sandra von Allmen

Glücklicherweise hat Dakota noch nie im Ernstfall eine Ladung Sprengstoff erschnüffelt. Damit sie nicht aus der Übung kommt, trainiert Sandra von Allmen zweimal wöchentlich die Suche nach Sprengstoff. Dakota ist aber clever genug, um zu merken, dass es nur eine Übung ist. Aus diesem Grund nimmt Sandra von Allmen regelmässig an europäischen Wettkämpfen für Sprengstoffspürhunde teil. Da weiss sie nicht, was auf sie zukommt und die Nervosität steigt auch bei ihr.

Dakota sucht unter Anleitung von Sandra von Allmen ein Fahrzeug nach Sprengstoff ab. (Foto: Manuel Stettler)
Übungssprengstoff gefunden: Dakota «macht Platz». Kratzen oder bellen ist nicht erlaubt, der Sprengstoff könnte gezündet werden. (Foto: Manuel Stettler)

«Schnüffeln» will gelernt sein

Die Zusatzausbildung zum Sprengstoffspürhund hat Sandra von Allmen mit Dakota bei der Kantonspolizei Bern gemacht. Bis der Hund alle Stoffe konditioniert hat, dauert es nur wenige Wochen. Danach gilt es jedoch unaufhörlich zu üben. Wenn Dakota einen Sprengstoff findet – und das kann eine kleine Patronenhülse oder über 100 Kilogramm Sprengstoff sein – setzt sie sich stolz auf den Boden. Am Gegenstand kratzen oder bellen ist nicht erlaubt, denn dadurch könnte Dakota eine Zündung auslösen.

Nebst der Arbeit fürs KKM kann Sandra von Allmen mit Dakota auch für Einsätze der Kantonspolizei Bern aufgefordert werden. Eben erst waren sie bei der Eröffnung des Gotthardbasis-Tunnels im Einsatz. Insgesamt waren 14 Sprengstoffspürhunde aus verschiedenen Korps der Polizei, dem Militär und der Bahnpolizei unterwegs. Drei Tage haben sie gebraucht, bis das Festgelände, der Tunnel und die Züge, welche an der Eröffnung gefahren sind, kontrolliert waren. Doch dann war alles bereit für den Auftritt von Bundesrätin Doris Leuthard – es war übrigens kein Sprengstoff, sondern ein Designer für die Löcher in ihrem Kleid verantwortlich.

Um Mitternacht beginnt für Dakota und Sandra von Allmen die nächste Nachtschicht im KKM. Dann heisst es wieder Augen, Ohren und – insbesondre für Dakota – Nase auf für die Sicherheit des KKM.

Yolanda Deubelbeiss

Yolanda Deubelbeiss

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW DE

  • Ivana Jazo