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Im Hinblick auf die 21. UN-Klimakonferenz in Paris rücken die verschiedenen Klimaschutzziele der UN-Mitgliedsstaaten in den Fokus. Die EU hat sich mit einer Reduktion von 40% der Treibhausgase bis 2030 im Vergleich zu 1990 ein ambitioniertes Ziel gesteckt. Dieses soll unter anderem mit der Hilfe des Europäischen Emissionshandelssystems (EU ETS) erreicht werden.

Der Emissionshandel gilt als ein Eckpfeiler der EU-Politik im Kampf gegen den Klimawandel. Es ist das erste grenzüberschreitende und mit Abstand weltweit grösste System für den Handel von Emissionszertifikaten. Dem System unterliegen über 12,000 Anlagen der Energiebranche und Industrie, welche im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) liegen.

Wie funktioniert der Emissionshandel?

Ein so genannter Cap and Trade Mechanismus ist die zugrundeliegende Funktionsweise des Emissionshandels. Dabei legt die Politik eine bestimmte Emissionsobergrenze (Cap) von Treibhausgasen fest. Die festgelegten maximalen Emissionsmengen werden über Emissionszertifikate handelbar gemacht. Über den Handel (Trade) wird offen gehalten, wo die Emissionen vermieden werden. Dadurch wird der Klimaschutz möglichst marktwirtschaftlich organisiert und soll jeweils dort stattfinden, wo er am kostengünstigsten ist. Ein Emissionszertifikat, European Emission Allowance (EUA) genannt, berechtig zur Emission einer Tonne Kohlendioxid (CO2). Die Firmen sind verpflichtet entsprechend ihrer Treibhausgasemissionen genügend Emissionszertifikate vorweisen zu können, sonst müssen sie eine Strafe bezahlen. Die Zuteilung der EUAs an die Firmen erfolgt entweder kostenlos oder über Auktionen.

Überschuss an Emissionszertifikaten

In den letzten Jahren hat sich ein Überschuss von knapp zwei Milliarden EUAs angehäuft (vgl. Graphik, rechte Skala). Dieser ist vor allem auf den enormen Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurückzuführen, welche die Nachfrage an EUAs deutlich gedämpft haben. Dies führte dazu, dass der Preis pro EUA von über 20€ auf rund 5€ sank (vgl. Graphik, linke Skala). Mit diesem Preiszerfall büsste der Emissionshandel an Wirkung ein. Die Hoffnung, dass Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke substituiert und dadurch deutlich weniger CO2 emittiert würde, erfüllte sich nicht.

Neugestaltung mittels Marktstabilitätsreserve und Reformvorschlag

Aufgrund dieser Preisentwicklung wurde bereits im September dieses Jahres eine so genannte Marktstabilitätsreserve (MSR) verabschiedet. In die sollen ab 2019 jährlich 12% der überschüssigen EUAs fliessen, wenn das Überangebot mehr als 833 Millionen EUAs beträgt. Liegt das Überangebot unter 400 Millionen EUAs, werden hingegen 100 Millionen EUAs von der MSR über Auktionen in den Markt zurückgeführt, solange die Reserve über diese Menge verfügt.

Jährlicher Durchschnittspreis der Emissionszertifikate (EUA) von 2008-2015 (Stand: 06.11.2015) und kumuliertes Überangebot an EUAs von 2008-2014.

Darüber hinaus hat die EU-Kommission im Juli dieses Jahres einen Reformvorschlag für den Emissionshandel präsentiert. Dieser sieht eine Neugestaltung ab 2021 vor. Unter anderem soll die jährliche Reduktionsrate der Emissionsobergrenze von heute 1.74% auf 2.2% erhöht werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kürzung der so genannten Carbon Leakage Liste, in der noch 50 statt bisher 150 Sektoren genannt werden, die wegen der Belastung durch die Preise der EUAs die EU verlassen könnten.

Zukunft des Emissionshandels

Durch die MSR und den Reformvorschlag zur Neugestaltung des Emissionshandels ist ersichtlich, dass der politische Wille der EU deutlich vorhanden ist, die Wirksamkeit des Emissionshandels zu stärken, damit das ambitionierte Klimaschutzziel erreicht werden kann. Jedoch machen aus ökonomischer Sicht die tieferen Preise Sinn, da diese ein marktübliches Phänomen für eine geringe Nachfrage in Krisenzeiten sind. Demnach ist es sogar wünschenswert, dass dieser bei einer Konjunkturbaisse tief ist, damit die betroffenen Firmen nicht zusätzlich mit einem hohen Preis für CO2 belastet werden. Die Erholung der Wirtschaft und die angekündigte Neugestaltung des Emissionshandels hat sich bereits im letzten Jahr mit einer positiven Preisentwicklung ausgewirkt (vgl. Graphik, linke Skala). Fraglich bleibt, inwiefern ein weiterer subventionierter Zubau von erneuerbaren Energien sowie die Bemühungen der einzelnen Länder, ihre CO2-Emissionen im Alleingang zu senken, die Marktmechanismen des Emissionshandels untergraben.

Emissionshandel in der Schweiz

Zurzeit betreibt die Schweiz ein eigenes Emissionshandelssystem. Eine Anbindung des Schweizer Emissionshandels an den Europäischen wäre von grossem Interesse für die Schweiz, da diese ökologische und ökonomische Vorteile bietet. Durch den grösseren Markt werden kostengünstigere Emissionsreduktionen sowie eine stabilere Preisbildung aufgrund der höheren Liquidität möglich. Gemäss dem Bundesamt für Umwelt BAFU sind die Verhandlungen dazu im Gange.

Donatus Berger

Donatus Berger

Als Klimawissenschaftler liegt die Beurteilung der kurz- und langfristigen Entwicklung des Wetters und dessen Auswirkung auf den Strommarkt in seinem Fokus. Zudem ist der Analyst Origination & Trading mitverantwortlich für die qualitative und quantitative Analyse der wichtigsten Strom- und Brennstoffmärkte.