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Das Jahr 2015 war ein äusserst sonniges und trockenes Jahr. Trotz markanter Produktions-Steigerung bei der Sonnenenergie (+33%) und der Windenergie (+6%) wurde im Gebiet des Swiss Energyparks 2015 insgesamt über zwei Prozent weniger Energie produziert als ein Jahr zuvor. Der Grund liegt in der langen Trockenheit.

Ab Juni war der Wasserstand des Flusses Doubs so tief, dass bis in den Herbst hinein kaum Strom aus der Wasserkraft produziert werden konnte. Insgesamt wurde im Jahr 2015 rund ein Viertel weniger Strom aus Wasserkraft produziert im Vergleich zu 2014. Dadurch verringerte sich gegenüber 2014 der Eigendeckungsgrad von 80 auf 78%.

Steuerungs- und Speichersysteme  müssen her

Dieser Eigendeckungsgrad berechnet sich aus der insgesamt produzierten und verbrauchten Energiemenge in einem Jahr. Dies ist ein stark vereinfachter und theoretischer Wert. Diese jährlich aufsummierte Bilanz sagt aber nichts darüber aus wie autark das Gebiet des Swiss Energyparks ist. Starker Wind führt in der Regel zur Überproduktion. Diese überschüssige Energie liesse sich theoretisch in Batterien speichern und dann verwenden, wenn die Produktion wieder unter den Verbrauch fällt. Die Speicherung erlaubt es, den Autarkiegrad bis zum Eigendeckungsgrad zu erhöhen. In der Realität wird die überschüssige Energie aber an die umliegenden Regionen abgegeben und – wenn die Produktion geringer als der Verbrauch ist – von aussen bezogen. Tatsächlich wird somit nur 58% der produzierten Energie selbst verbraucht.

Autarkie – eine Utopie?

Eine Möglichkeit, den Eigendeckungsgrad des Swiss Energypark auf 100 % oder sogar darüber zu steigern, wäre der Ausbau der Solarkraft. Die Dächer der Liegenschaften zwischen St-Imier (BE) und Le Noirmont (JU) – dem  Versorgungsgebiet von SEG LaGoule – weisen noch ein realistisches Potenzial von ungefähr 28 MW auf (werden auch andere Flächen hinzugezählt verdoppelt sich dieses noch einmal). Dies entspricht in etwa der siebenfachen Menge der aktuell installierten Leistung.  Zwar steigt der Autarkiegrad dann von 58% auf 72%, autark ist die Region damit aber noch lange nicht. Die Speicher-Batterie müsste in jenem Fall über das ganze Jahr gesehen 10 GWh Überproduktion speichern können um eine 100% Strom-Autarkie sicherzustellen. Selbst bei einem optimistischen Batterie-Richtpreis von rund 500 Franken pro Kilowattstunde würde diese Super-Batterie 5 Milliarden Schweizer Franken kosten!

Energie für morgen

Das Gedankenspiel zeigt: Autarkie ist mit hohen Kosten verbunden. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht müssen diese einen entsprechenden Nutzen generieren. Der Swiss Energypark als Plattform für Forschung und Innovation hilft der BKW, bei der Suche nach der Energie für morgen die besten Lösungen für den Kunden zu finden. Das mögliche Ziel «höherer Autarkiegrad» darf nicht zum Selbstzweck werden, ergibt sich im Idealfall aber von selbst, wenn die lokale Energieversorgung zunehmend optimiert wird.

SWISS ENERGYPARK

Der Swiss Energypark wurde als Innovations-, Forschungs- und Demonstrationsplattform von der BKW zusammen mit den Kantonen Jura und Bern gegründet. In einem geographisch definierten Gebiet zwischen St. Imier (BE) und Le Noirmont (JU) werden neue Energietechnologien in das bestehende Energiesystem eingebaut und praxisnah getestet. Im Gebiet des Swiss Energyparks wohnen auf einer Fläche von 251 km2 knapp 17’000 Einwohner. Das Gebiet eignet sich besonders gut, weil dort fluktuierende Windkraft, Fotovoltaikanlagen und konstant produzierende Wasserkraftwerke vorhanden sind.

Gemeinsames Ziel der Projektpartner ist es, neue Forschungsprojekte im Energiebereich zu testen und damit innovative Lösungen für die Energiezukunft zu finden. Weitere Start-ups und Technologielieferanten haben die Möglichkeit, ihre Projekte beim Swiss Energypark einzugeben und als Akteure zu partizipieren.

Artur Radziszewski

Artur Radziszewski

Projektleiter Swiss Energypark

Daniel Stegmann

Daniel Stegmann

Projektleiter Kommunikation bei der BKW