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Die auf Gebäudetechnik spezialisierte Firma Raboud Energie SA mit Sitz in Bulle stiess Anfang dieses Jahres zur BKW Gruppe. Diese Akquisition ist die erste in diesem Bereich in der französischsprachigen Schweiz. Wir haben uns mit Gründer und Unternehmensleiter Julien Raboud (rechts im Bild) sowie mit seinem künftigen Nachfolger Christophe Pasquier (links) unterhalten, um mehr über die beiden sowie die Integration in die BKW zu erfahren.

Sie haben Raboud Energie im Jahr 2008 gegründet und waren damals der einzige Angestellte. Neun Jahre später kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen: jetzt beschäftigen Sie 50 Mitarbeitende. Warum haben Sie Ihr Unternehmen verkauft?

Julien Raboud (JR): Im Laufe der Jahre hat sich das Unternehmen bemerkenswert entwickelt und die Zahl der Mitarbeitenden ist stetig angestiegen. Raboud Energie ist ein blühendes Unternehmen. Mit 50 Mitarbeitenden haben wir nun jedoch eine kritische Grösse für die aktuelle Struktur erreicht. Wir sind zu gross geworden für kleine Baustellen, sind aber noch immer zu klein, um mehrere Hauptprojekte parallel umzusetzen. Die Option, auf 80 oder 100 Mitarbeitende zu erweitern, bestand zwar, aber nicht mit der aktuellen Struktur. Die Bedingungen haben sich auch deutlich verändert. Als ich anfing, war der Bedarf klar höher als das Angebot, während sich heute die Akteure stark vermehrt haben. Mit der BKW haben wir die beste Partnerin gefunden, um uns zu entwickeln und auf ein neues Projekt für die Gebäudetechnik in der Region und in den benachbarten Kantonen zu setzen.

Wie haben die Mitarbeitenden auf diese Verkaufsnachricht reagiert?

Christophe Pasquier (CP): Sie waren vor allem überrascht. Einige wussten nicht, was das für ihre Zukunft bedeutet, und haben uns ihre Befürchtungen mitgeteilt. Der Arbeitsalltag ist jedoch schnell wieder eingekehrt und jeder konnte sehen, dass sich ihre Arbeit nicht geändert hatte.

Wie haben Sie sich zum Zeitpunkt des Verkaufs Ihres Unternehmens gefühlt?

JR: Natürlich gab es mir schon einen Stich ins Herz, aber für mich hatte die Sicherung der Arbeitsplätze grösste Priorität. Ich habe das Unternehmen seit fast 10 Jahren zusammengehalten. Ich bin wahnsinnig stolz auf das, was wir entwickelt haben, und wir vererben der BKW sehr professionelle Strukturen. Auf längere Sicht muss man jedoch auch sehen, dass der Stress sehr gross war. Mit 50 Mitarbeitenden kann man es sich nicht leisten, zu grosse Löcher im Auftragsbuch zu haben. Der Verkauf an die BKW erfolgte zu den Bedingungen, die mir am Herzen lagen, d. h. inklusive Erhalt der Arbeitsplätze und Bewahrung der unternehmerischen Freiheit. Darüber hinaus wurde mir eine neue berufliche Herausforderung angeboten und ich habe mich entschieden, sie anzunehmen. Zum Zeitpunkt der Entscheidung war mir klar, dass Christophe Pasquier und das aktuelle Team die richtigen Nachfolger waren.

Sind konkrete Änderungen bereits spürbar?

CP: Entwicklungen gestalten sich sanft und ich möchte klarstellen, dass die Änderung der Eigentumsverhältnisse zu keinem Abgang geführt hat. Änderungen werden sich im Laufe der Zeit ergeben, da unsere Bilanz, die zuvor jährlich durchgeführt wurde, nun vierteljährlich erfolgen wird. Was das tägliche Geschäft angeht, so habe ich gesehen, dass wir bei der Beschaffung von wettbewerbsfähigeren Preisen profitieren könnten. Die Nachfolge von Julien als Unternehmensleiter anzutreten, stellt für mich jedoch eindeutig die grösste Veränderung dar: Es ist eine Herausforderung, der Nachfolger des Unternehmensgründers zu werden.

Wie genau sieht Ihre neue Rolle aus, Herr Raboud?

JR: Meine Aufgabe wird darin bestehen, die Aktivitäten der BKW im Bereich Gebäudetechnik in der Romandie weiterzuentwickeln. Ich nehme Abstand vom operativen Bereich, um mich einer strategischeren Dimension zu widmen. Ziel ist es, das Leistungsspektrum durch Zukäufe zu erweitern. Wir wollen unseren Kunden alle Disziplinen der Gebäudetechnik anbieten. Unsere Vision ist ein Unternehmen mit 150 bis 200 Mitarbeitenden mit Sitz in Bulle, dessen Aktivitäten auch in die anderen französischsprachigen Kantone ausstrahlen.

Beurteilen Ihre Kunden den Aufkauf durch eine Gruppe wie die BKW nicht kritisch, da sie vor Ort nicht etabliert ist?

CP: Ein paar Freunde haben mich natürlich hochgenommen, weil wir von «den Bernern» aufgekauft wurden. Nein, im Ernst, ich weiss nicht, ob man sich dessen bewusst ist, aber die BKW hat einen hervorragenden Ruf in der Romandie. Die Reaktionen der Kunden auf die Ankündigung des Aufkaufs waren sehr positiv. Solange die Kunden zufrieden sind mit der Arbeit und sie ihre üblichen Gesprächspartner vorfinden, haben sie keinen Grund, zu wechseln. Unsere Visitenkarte ist die Qualität der Arbeit.

Ich habe mit Erstaunen festgestellt, dass Raboud Energie keine Website hat. Wäre das nicht erforderlich, um die Vorteile und Dienstleistungen des Unternehmens hervorzuheben?

JR: Wir sind aus Gruyère und etwas ländlich eingestellt. Wenn wir die Hand eines Kunden schütteln, verpflichten wir uns, Zufriedenheit zu liefern, und so entsteht Vertrauen. In einer kleinen Region wie der unsrigen können wir es uns nicht erlauben, Arbeit zu liefern, die nicht ausgezeichnet ist. Unsere Stärken sind eine klare Preislinie, die Unterstützung des Kunden von der Idee bis zur Realisierung, die Einhaltung von Fristen sowie wettbewerbsfähige Preise. Zudem ist eine Website in Planung, für die wir von Synergien mit der BKW profitieren können.

Vor 30 Jahren zählte Bulle 10’000 Einwohner, inzwischen sind es fast 18’000. Der Bau der Résidences de Bouleyres zeigt die Entwicklung dieser Stadt anschaulich. Raboud Energie SA wurde für die sanitären Anlagen, die Heizung und Belüftung dieses Projekts beauftragt, das sechs Gebäude mit insgesamt 180 Wohnungen umfasst.

35 Minuten von Lausanne gelegen, profitiert Bulle von der Immobilienkrise der Waadtländer Hauptstadt. Immer mehr Pendler lassen sich dort nieder und es finden sich immer mehr Baustellen in der Stadt. Ein Segen für Raboud Energie SA: Drei Viertel der Mandate des Unternehmens sind für Neubauten, Renovierungen machen nur ein Viertel aus.

Die Stadt Bulle wächst schnell. Das trifft sich gut, denn Julien Raboud schreitet schnell voran.

Im Jahr 1981 wurde Julien Raboud in Grandvillard, 10 Minuten von Bulle entfernt, geboren. Am Ende seiner Schulzeit beginnt er eine Sanitärinstallateur-Ausbildung in einem Unternehmen, das den Fussball-Club sponsert, wo er seine Leidenschaft praktiziert. Er fügt eine zweite Lehre als Heizungsinstallateur an. Dazu kommen ein Bauleiterpatent und ein eidgenössisches Diplom im Bereich Heizung in Colombier. Im Alter von 22 Jahren wurde er Direktor einer Niederlassung mit mehr als 40 Mitarbeitenden in der Region Freiburg. Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung verlässt er seine Stelle nach drei Jahren, um von Null anzufangen und im Juni 2008 Raboud Energie zu gründen. Er lebt im Konkubinat und ist Vater der kleinen 11-monatigen Anouk.

Gilles Seuret

Gilles Seuret

Gilles Seuret ist Mediensprecher bei der BKW.