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Er passt unter den Schreibtisch. Er ist weiss und flauschig, duscht selten und redet nie. Er arbeitet sogar dann, wenn er schläft, und steht trotzdem nicht auf der Lohnliste: Das ist Max – der Diabetikerwarnhund der BKW Mitarbeiterin Tanja Schmidt.

Nachdem Tanja Schmidt 2008 zweimal bei der Arbeit wegen Unterzuckerung zusammengebrochen ist, hat sie eine Lösung gesucht, um ihren Diabetes in den Griff zu bekommen. «Ich war verzweifelt, hatte Angst, eine Unterzuckerung beim Autofahren nicht zu bemerken – das könnte böse enden», sagt sie.

Nach intensiven Recherchen hat sich Tanja Schmidt trotz Skepsis aus ihrem Umfeld entschieden, einen Diabetikerwarnhund auszubilden. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut: Heute ist der Japanspitz Max nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken.

Max – eine Risikoanlage

«Mein Arzt hat mir davon abgeraten, einem Diabetikerwarnhund zu vertrauen», erinnert sich die 33-jährige Applikationsentwicklerin. Zu unsicher, zu unerforscht seien Diabetikerwarnhunde. Das hielt Tanja Schmidt aber nicht davon ab, ihr Ziel konsequent zu verfolgen und umzusetzen. «Die Ausbildungskosten von 6000 Euro waren ein grosses Risiko für mich. Schliesslich wusste ich nicht mit Sicherheit, ob das klappt.»

Hartes Training

Ausgebildet hat Tanja Schmidt den Hund selbst. Über ein Jahr lang hat sie anderthalb Stunden am Tag mit ihm trainiert, was anstrengend und kräfteraubend war. Gut zwei Monate nachdem sie Max geholt hat, folgt die Bestätigung: «Der Hund weckte mich mitten in der Nacht und hörte einfach nicht auf zu bellen.» Etwas genervt von der nächtlichen Störung bemerkte sie auf einmal, dass sie sich schwach fühlte.

Tanja Schmidts Blutzucker war im Keller. Max hat sich nach zwei Monaten intensiven Trainings ein erstes Mal bewiesen. Heute bellt Max nicht mehr, um die Schwankungen des Blutzuckerspiegels anzuzeigen. Tanja Schmidt hat ihm beigebracht, bei Unterzuckerung an ihrem Schienbein zu kratzen und bei Überzuckerung an ihrem Hosenbein zu ziehen. «Ich habe mich bewusst für dezente Zeichen entschieden», sagt Tanja Schmidt.

   

Teamarbeit als Erfolgsfaktor

«Max ist für mich ein Freund – mein Seelenverwandter», sagt Tanja Schmidt mit einem Lachen im Gesicht. Ein Lachen, das Max auch den Arbeitskolleginnen und -kollegen vom Frauchen aufs Gesicht zaubert, wenn sie ihn sehen. Er leistet damit auch einen Teambeitrag in der BKW und trägt einen Teil zum guten Arbeitsklima bei.

Einen Teambeitrag muss auch Tanja Schmidt in ihrem Duo leisten. Das Training mit Max ist nie abgeschlossen, denn er muss die antrainierten Fähigkeiten immer wieder üben.

«Wenn ich keine Zeit habe, mit Max zu spielen, und er zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, zeigt er mir die Schwankungen meines Blutzuckers schlechter an. Es ist ein Geben und ein Nehmen», sagt sie mit einer bewundernswerten Selbstverständlichkeit.

Ein Selbstverständnis von Zusammenarbeit, das auch wir in der BKW leben wollen.

Diabetikerwarnhund

Die Hauptaufgabe des Diabetikerwarnhundes besteht darin, den sinkenden oder steigenden Blutzucker zu bemerken und den Diabetiker rechtzeitig zu warnen. Die Hunde bemerken die Veränderung des Körpergeruchs bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels. Die Hunde zeigen den Diabetikern über ein erlerntes Zeichen die Schwankung an. Erste Forschungen über Diabetikerwarnhunde gab es in den 80er-Jahren in den USA. Die Ausbildung für Diabetikerwarnhunde in Europa gibt es seit ca. Mitte der 2000er-Jahre.

BKW Magazin

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