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Mitte September hat die BKW mit Fermelbach bereits das vierte Wasserkraftwerk im Jahr 2016 eingeweiht. Die diesjährige Produktionssteigerung aus Wasserkraft entspricht dem Verbrauch von rund 14’000 Haushalten. Seit 2008 hat die BKW damit insgesamt 13 neue Kleinwasserkraftwerke gebaut – eine Erfolgsgeschichte, die auch in der lokalen Verankerung der Projekte gründet.

Im Juni nahm die BKW die Wasserkraftwerke Laubegg (Simmental) und Gohlhaus (Emmental) in Betrieb. Vergangenen Monat folgte mit den Kraftwerken Ragn d’Err die erste Wasserkraftanlage im Kanton Graubünden, an welcher die BKW eine Mehrheitsbeteiligung hält. Das Wasserkraftwerk Fermelbach im Simmental, Mitte September eingeweiht, markiert noch nicht ganz den Abschluss für 2016: Im Oktober geht in der alten Zentrale Hagneck nach einer Revision eine der fünf alten Turbinen wieder in Betrieb.

Unterschiedliche Kraftwerkstypen

Die fünf Anlagen sind vom Aufbau und Typ her nur schwer miteinander vergleichbar, ist ihr Konzept doch individuell den Gegebenheiten vor Ort angepasst. Laubegg, Gohlhaus und Hagneck beispielsweise sind Laufkraftwerke, welche die geringen Fallhöhen von Simme, Emme und Aare-Hagneck-Kanal nutzen. Die Kraftwerke Ragn d’Err und Fermelbach hingegen verfügen über Gefällstufen mit durchschnittlich mehreren hundert Metern Höhenunterschied. Hier wird das Wasser hoch oben gesammelt und über kilometerlange Druckleitungen unterirdisch talwärts zu den Zentralen geleitet, wo es turbiniert und anschliessend ins genutzte Gewässer zurückgeleitet wird.

BKW setzt auf Ausbau von Kleinwasserkraft

Eines aber haben die Anlagen gemeinsam: Sie alle gehören in die Kategorie der Kleinwasserkraftwerke. Per Definition sind das Kraftwerke, welche eine installierte Leistung von weniger als 10 Megawatt aufweisen. Sie profitieren von der Kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Da die Marktpreise für Strom aus Wasserkraft gegenwärtig deutlich unter den Produktionskosten liegen, ist der Bau und Betrieb neuer Kraftwerke nur dank dieser Vergütung rentabel.

WAS IST DIE KEV?

Die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) ist ein Instrument des Bundes, welches den Produzenten von erneuerbarem Strom einen Preis garantiert, der ihren Produktionskosten entspricht. Die Dauer der KEV-Beiträge wurde vom Bund kürzlich von 25 auf 20 Jahre reduziert, ermöglicht aber nach wie vor eine wirtschaftliche Sicherheit schon vor dem Spatenstich eines Neubaus.

«Boom» bei den Kleinwasserkraftwerken

Zwischen 2008 und 2016 hat die BKW 13 Kleinwasseranlagen mit einer installierten Gesamtleistung von insgesamt 31 MW und 137 GWh Jahresproduktion in Betrieb genommen. Das entspricht ungefähr der Produktion eines grossen Laufkraftwerks an der Aare wie demjenigen in Bannwil. Zwei weitere Anlagen sind derzeit im Bau und gehen im kommenden Jahr ans Netz. Ausserdem hat die BKW rund 20 weitere, unterschiedlich konkrete Projekte in der Hinterhand. In der Schublade stecken auch Projekte mit einer Leistung von über 10 MW. Ob und wann diese Grossprojekte im nicht regulierten Bereich realisiert werden, ist noch unklar. Zu einem wesentlichen Teil hängt dies von der Entwicklung des Strompreises ab.

Erfolg auch dank lokalen Partnern

Eine weitere Gemeinsamkeit der Kleinwasserkraftwerke ist, dass sie der BKW selten alleine gehören. Zumeist ist die Gemeinde, in welcher die Zentrale steht, an der gemeinsam gegründeten Gesellschaft beteiligt. Das unterstützt die Akzeptanz der Projekte in der Region, was sich wiederum positiv auf die Verfahrensdauer auswirkt. Bei den Kraftwerken Ragn d’Err (Surses) und Fermelbach (St. Stephan) beispielsweise sind die Gemeinden zu je 20 Prozent beteiligt. Diese lokale Verankerung unter Beteiligung der Gemeinden als Partner macht einen Teil des Erfolgs beim Bau und Betrieb der neuen Kleinwasserkraftwerke aus. Die Gemeinden und das lokale Gewerbe profitieren gleich mehrfach: Sie sind am Gewinn der Gesellschaft beteiligt und während der Bauarbeiten kommen lokale Unternehmen bei einem beträchtlichen Teil der Aufträge zum Zug.

Eindrücke von den Tagen der offenen Tür in Gohlhaus, Ragn d’Err und Fermelbach:

Daniel Stegmann

Daniel Stegmann

Projektleiter Kommunikation bei der BKW