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Die Bauarbeiten für die Erneuerung der Unterstation Bassecourt sind in vollem Gange. Die Anlagen der BKW, die auch vom Basler Energieversorgungsunternehmen IWB genutzt werden, müssen altersbedingt ersetzt werden. Für die Erstellung des neuen Unterstationsgebäudes wird auf der Baustelle gegraben, abgepumpt und betoniert. Und beim Planen hängt Vieles von den Kabeln ab.

Ein grauer, nasser und kalter Tag im November. Remo Kälin, Ingenieur Hochspannungstechnik und Daniel Huber, Konstrukteur Hochspannungstechnik, sind unterwegs nach Bassecourt für eine Bauplanungssitzung. Sie sind für die 92 Kabel der 18 Kabelanlagen auf den Spannungsebenen 132-, 50- und 16kV zuständig, die in die Unterstation und von ihr wegführen. Während die Schaltanlagen die Fläche des neuen Unterstationsgebäudes bestimmen, geben die Kabel die Höhe des Kabelkellers vor. Das Kabel einer 132-kV-Leitung hat zum Beispiel zehn Zentimeter Durchmesser. Wegen des Kupfers wiegt es schwer und lässt sich nur unter grossem Kraftaufwand biegen. Wird es nach dem Einziehen in den Kabelkeller gebogen, benötigt es einen Biegeradius von beinahe zwei Metern. Viel Platz, den es bei der Planung des Unterstationsgebäudes einzuberechnen gilt. Die Hochspannungskabel bilden die Schnittstelle zwischen den verschiedenen Hochspannungsanlagen einer Unterstation und führen durch fast alle Bauwerke. Damit spielen sie eine zentrale Rolle beim Bau des Unterstationsgebäudes. Denn, «es wird immer von innen nach aussen und von unten nach oben gebaut», erklärt Daniel Huber. Fast könnte man sagen, die Planung einer Unterstation werde an ihren Kabeln aufgerollt.

Graben, abpumpen, betonieren

Seit dem Spatenstich am 27. September ist die Unterstation Bassecourt kaum wiederzuerkennen. Von Weitem schon sieht man den Baukran, die Leiterseile der ein- und ausgehenden Leitungen sind als Sicherheitsmassnahme mit Fähnchen markiert worden. Am augenfälligsten auf dem Areal selbst ist die Baugrube für das neue 20 mal 58 Meter grosse Unterstationsgebäude. Sie ist bis unterhalb des Grundwasserspiegels ausgehoben worden und erinnert an einen Baggersee. Noch hat die Baugrube die nötige Tiefe für den Kabelkeller nicht erreicht. Als Nächstes werden ihre Seitenwände mit Befestigungsankern und Spritzbeton fixiert. Erst danach wird das Grundwasser abgepumpt und die Grube um weitere zwei Meter tiefer gegraben. Bis Ende Jahr soll dann die Bodenplatte, das Fundament des neuen Unterstationsgebäudes, betoniert werden. Die Firma Parietti et Gindrat SA ist mit den Baumeisterarbeiten beauftragt und rechnet damit, dass diese bis im Frühjahr 2017 abgeschlossen sein werden.

Erklären, diskutieren, übersetzen

In strömendem Regen sind Bauarbeiter der Firma Parietti et Gindrat dabei, Betonelemente zu bewegen und eine provisorische Treppe am Rande der Baugrube zu verschieben. Das Aufstellen des Baukrans war wegen der Nähe zu den Leitungen und Abspannungsgerüsten eine logistische Herausforderung. Aus sicherheitstechnischen Gründen mussten eigens dafür Anlagen abgeschaltet werden. Die Männer arbeiten konzentriert. Derweil besprechen der Gesamtprojektleiter, Jorge Mayorga, die Hochspannungsspezialisten Remo Kälin, Daniel Huber, und Lukas Eggimann und der Teilprojektleiter Bau, Daniel Jacobsen, mit Pascal Koller der Firma Arnold, dem Bauingenieur und dem Bauführer im Werkstattgebäude die nächsten Arbeitsschritte. Die vielen Schnittstellen, technische Besonderheiten, bewilligungsbedingte Hürden, Zeit- und Kostendruck und nicht zuletzt die Sprachgrenze stellen Herausforderungen an das Projektteam. Gut und wichtig, dass man sich hier in dieser Konstellation austauscht. Es geht unter anderem darum, bis wann die Firma Parietti et Gindrat die Pläne für die Kabeleinführungen braucht, denn auf dem aktuellen Plan wird es nochmals Änderungen geben. Auch müssen die Löcher so vorbereitet sein, dass sich die Kabel problemlos einziehen lassen. Remo Kälin reicht dem Bauführer der Firma Parietti et Gindrat, Ivan Richon, zur Veranschaulichung ein kleines Stück Hochspannungskabel. Das sagt mehr als tausend Worte.

Bauarbeiten an der Unterstation dauern bis 2019

Die Erneuerung der Unterstation Bassecourt ist aktuell das grösste und bedeutendste Infrastrukturprojekt der BKW im Bereich Netze. Beim anschliessenden Rundgang über die Baustelle zeigen die Spezialisten, wo einmal die Trafos stehen werden. Für deren Anlieferung wird das Terrain abgesenkt und die bestehenden Schienen werden bis zum neuen Unterstationsgebäude hin verlängert. Doch das ist noch Zukunftsmusik. Zuerst entsteht das neue Unterstationsgebäude, ganz nach dem Motto: von unten nach oben und von innen nach aussen.

Christine Klinger

Christine Klinger

Projektleiterin Kommunikation bei der BKW