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Fährt man durch das Versorgungsgebiet der BKW, ist es offensichtlich: Die Zahl der Fotovoltaikanlagen auf den Dächern nimmt stetig zu. Waren es 2010 erst gut 500 Anlagen, so speisen heute bereits knapp 3000 Anlagen ihren Sonnenstrom ins Netz der BKW ein. Die installierte Leistung hat sogar noch stärker zugenommen und liegt nun bei gegen 70 MW, was rund einem Fünftel der Leistung des Kernkraftwerks Mühleberg entspricht. Diese Zahlen zeigen, dass die Fotovoltaik auch in der Schweizer Energieversorgung eine immer wichtigere Rolle spielt.

Dazu beigetragen haben die in Aussicht gestellten kostendeckenden Einspeisevergütungen (KEV) des Bundes und die immer tieferen Kosten für die Installation einer PV-Anlage – aber auch die BKW: Mit ihren attraktiven Rückliefervergütungen und mit der Nachweisvergütung für Sonnenstrom hat sie Projektanten darin bestärkt, ihre PV-Anlagen zu bauen, ohne deren Aufnahme in die KEV abzuwarten. Dies bleibt auch nach Anpassung der Rückliefervergütungssätze für kommerzielle Anlagen so. Die BKW hat damit ihre Pionierrolle im Bereich der neuen erneuerbaren Energien einmal mehr unter Beweis gestellt.

Nach wie vor lange KEV-Warteliste

Während die Gesamtzahl der PV-Anlagen im BKW Netz stark angestiegen und sich die eingespeiste Strommenge fast verzehnfacht hat, ist die Zahl der Anlagen, welche von der KEV profitieren können, vergleichsweise geringfügig angestiegen. Nach wie vor wartet der überwiegende Teil der neuen Anlagen auf die Aufnahme in die KEV (zusammen mit rund 34’500 anderen Gesuchstellern).

Handlungsbedarf bei Grossanlagen

Die von der BKW als Übergangsfinanzierung konzipierte Unterstützung der PV-Anlagen wurde durch diese lange Warteliste zu einer lange anhaltenden Subvention. Die jährlich wiederkehrenden Auslagen für die BKW stiegen stetig an. Gleichzeitig entfernte sich der Marktpreis immer mehr von den 11.5 Rappen. Für die letzten 4 Jahre kann man gar von einem regelrechten Strompreiszerfall sprechen. Heute liegt der Preis pro Kilowattstunde an der Börse noch zwischen 3 und 4 Rappen.

Aus diesen Gründen sah sich die BKW gezwungen, bei Grossanlagen zu handeln und dort ihre Vergütungen der aktuellen Marktsituation anzupassen. Viele weitere Energieversorgungsunternehmen haben ihre Vergütungen ebenfalls den Marktpreisen angeglichen.

Interview mit Markus A. Meier, Leiter Produkte & Dienstleistungen

BKW-Blog: Herr Meier: Warum hat die BKW die Rückliefervergütungen für PV-Anlagen auf diesen März so markant gesenkt?

Lassen Sie mich präzisieren: Für 85 Prozent der Anlagen, welche ihren Sonnenstrom heute in unser Netz einspeisen – zum Beispiel jene auf den Dächern von Einfamilienhäusern – bleiben die Rückvergütungen gleich hoch wie bisher. Wir haben sie nur bei einem kleinen Teil der Anlagen angepasst.

BKW-Blog: Bei welchen denn?

Bei den grossen Anlagen, also jenen mit einer installierten Leistung von 30KW und mehr. Anlagen in dieser Grösse betrachten wir als kommerzielle Anlagen. Und diesen bieten wir weiterhin ein kommerzielles Umfeld. Bei neu erstellten kleinen Anlagen haben wir die Vergütung nur moderat angepasst. Die Vergütung liegt dort weiterhin deutlich über dem Marktpreis.

BKW-Blog: Gab es dazu keine Alternativen, beispielsweise eine schrittweise Anpassung?

Wir haben das geprüft, doch wurde bei grossen Anlagen die Variante eines klaren Systemwechsels hin zu marktorientierten Preisen gewählt. Bei Kleinanlagen haben wir die Empfehlungen des BfE umgesetzt. Man muss dabei zudem berücksichtigen, dass die Rückvergütung der Energieleistung nur ein Teil der Vergütungen ausmacht. Daneben lässt sich auch die Stromqualität vermarkten. Wir bieten dies den Betreibern grösserer Anlagen an. Wer seine Stromqualität noch nicht vermarktet, kann damit die gesunkenen Rückliefertarife zum grossen Teil kompensieren.

BKW-Blog: Was heisst Vermarktung der Stromqualität?

Das heisst, dass Sie zertifizierten Sonnenstrom verkaufen können. Sie erzielen damit einen deutlich höheren Marktpreis als für Strom ohne Herkunftsnachweis, den sogenannten Graustrom. Und so sieht es dann auf der finanziellen Seite bereits wieder anders aus. Durch die Vermarktung der Stromqualität erhöhen sich die Einnahmen noch einmal um durchschnittlich 4.5 Rp./kWh.

BKW-Blog: Diese Anpassungen haben aber dennoch für einige Misstöne bei Kunden und Medien gesorgt. Können Sie das verstehen?

Niemand ist glücklich darüber, weniger Geld zu erhalten. Das kann ich natürlich nachvollziehen. Wir suchen deshalb das Gespräch mit den Betreibern grosser Anlagen und erklären ihnen die Situation. Vor allem wenn wir ihnen die Möglichkeit der Vermarktung des Herkunftsnachweises aufzeigen können, sieht die Situation häufig wieder viel besser aus.

BKW-Blog: Die BKW betont immer, sie stehe hinter der Energiestrategie 2050 und sehe im Bereich der Fotovoltaik in der Schweiz Potential. Die Anpassungen der Rückliefertarife senden aber ein ganz anderes Signal aus. Können Sie das erklären?

Das ist kein Widerspruch. Wir sehen uns hier auf der Linie des Bundesrates. Energieministerin Doris Leuthard hat in den letzten Jahren immer wieder betont, dass sie die Direktvermarktung des Sonnenstroms vorantreiben will. Die PV-Anlagen haben sich den Marktpreisen in den letzten Jahren angenähert. Die Installationskosten sind bedeutend tiefer als noch vor 5 Jahren. Auf der anderen Seite aber ist Strom nicht mehr gleich Strom. Die Herkunft zählt. Wie bei den Lebensmitteln, wo viele Leute auf die Regionalität ihrer Produkte schauen, wollen heute auch immer mehr Menschen Strom aus neuen erneuerbaren Quellen und sind auch bereit, für zertifizierten Strom einen Aufpreis zu bezahlen.

BKW-Blog: Wieso soll man denn den produzierten Strom nicht gleich selber brauchen?

Der Verbrauch des selber produzierten Stroms ist ein grosser Trend. Und das wollen wir fördern, nicht zuletzt, weil es technologisch immer einfacher wird. Wir haben entsprechende Produkte im Angebot und unterstützen unsere Kundinnen und Kunden im Bestreben, ihren Eigenverbrauchsgrad zu erhöhen. Das führt übrigens ganz nebenbei auch dazu, dass die Kosten für den Ausbau der Stromnetze nicht ins Unermessliche steigen. Kosten, die notabene alle, die Strom verbrauchen, solidarisch pro Kilowattstunde bezahlen müssten.

BKW-Blog: Die Aufnahme in die KEV kommt mittlerweile einer Geduldprobe gleich. Durchschnittlich sieben Jahre dauert die Wartezeit. Nun senkt die BKW auch noch die Rückvergütungen. Wird das den Solarstromboom nicht bremsen?

Das glaube ich nicht. Die Installation einer PV-Anlage ist eine Investition in die Zukunft, die sich rechnet. Und mit der Möglichkeit, den eigenen Strom vermehrt selber zu brauchen, steigt auch der Anreiz, eine eigene PV-Anlage auf dem Dach zu installieren. Dieser Trend wird sich fortsetzen – trotz Warteliste und tieferen Rückvergütungen. Die BKW unterstützt die Steigerung des Eigenverbrauchs mit gezielten Innovationen wie dem Produkt BKW my sun. Wir sind der Meinung, dass der Eigenverbrauch die konsequenteste und sinnvollste Variante für einen PV-Anlagebesitzer ist.

Was sich ändert, was bleibt

Für 85 Prozent der Anlagen ändert sich nichts. Die bestehenden PV-Installationen mit einer Leistung von weniger als 30kW werden nach wie vor mit sehr attraktiven Vergütungen für ihre Stromeinspeisung entschädigt. Für neue Anlagen, die kleiner als 30KW installierte Leistung aufweisen, wurden die Vergütungen leicht gesenkt. Bei den restlichen 15 Prozent der Anlagen – jene mit einer Leistung von grösser als 30kW – sinkt die Rückvergütung stärker. Dies betrifft jedoch nicht nur Fotovoltaikanlagen, sondern alle kommerziellen Produktionsanlagen mit einer installierten Leistung von 30kW oder mehr (also auch Blockheizkraftwerke, Notstromaggregate oder Seilbahnen), welche Strom ins BKW Netz einspeisen.

Weshalb liegt die Grenze bei 30kW?

Für die BKW ist die 30kW-Grenze eine logische Grenze, die der gängigen Praxis entspricht. Das BfE bezieht sich immer wieder auf diese 30kW-Grenze, zum Beispiel bei der Einmalvergütung oder bei der Notwendigkeit einer Lastgangmessung. Auch die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich ziehen die Grenze bei 30kW.

Vermarktung der Stromqualität

Bei etwa 70 Prozent der grösseren Anlagen vermarktet die BKW über den Herkunftsnachweis zusätzlich auch noch die Stromqualität. Dies sichert den Anlagenbetreibern zusätzliche Einnahmen, welche die entstandenen Einbussen kompensieren können. Durch die Vermarktung der Stromqualität erhöhen sich die Einnahmen noch einmal um durchschnittlich 4.5 Rp./kWh.

Die BKW ist bestrebt, den Anteil an Solarstrom weiter zu erhöhen, um auch weiteren Anlagenbetreibern die Stromqualität zusätzlich vergüten zu können. Es gibt ausserdem die Möglichkeit, die Stromqualität selber über die Ökostrombörse zu vermarkten.

Tobias Fässler

Leiter Media Relations

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